Opern-Neubau - Diskussion der Düsseldorfer Jonges - OB Geisel warnt

Diskussion der Düsseldorfer Jonges : Opern-Neubau - OB Geisel warnt vor zu großen Wünschen

Bei einer Podiumsdiskussion der Düsseldorfer Jonges zeigten sich mögliche Streitfragen bei einem Opernneubau. Oberbürgermeister Thomas Geisel warnt vor zu großen Wünschen.

Die Meinungen zur Zukunft der Oper gehen nicht weit auseinander – zumindest, wenn man nach den Teilnehmern einer Diskussion geht, die die Düsseldorfer Jonges jetzt ausgerichtet haben.

Ein Neubau erschien allen Teilnehmern naheliegender als die kostspielige Sanierung (erste Schätzung: 90 Millionen Euro) des maroden Bestandshauses. Zugleich bestand Einigkeit, dass das neue Gebäude am bisherigen Standort an der Heinrich-Heine-Allee entstehen sollte.

Auch die Mitglieder des Heimatvereins hängen offenbar nicht an dem 50er-Jahre-Bau, mit dessen Verfall die Oper immer stärker zu kämpfen hat: Bei einer Abstimmung zu Neubau oder Sanierung hoben sich deutlich mehr Hände im gut gefüllten Henkel-Saal für den Bau eines neuen Gebäudes.

Die kurzweilige Diskussion ließ aber auch erahnen, welche Streitpunkte zu erwarten sind, wenn ein Neubau konkreter wird. Die größte dürfte der Umfang werden: Wie viel Oper will sich Düsseldorf leisten? Die Opernleitung erhofft sich einen höheren Standard als bisher: Geschäftsführerin Alexandra Stampler-Brown, die für den erkrankten Intendanten Christoph Meyer einsprang, fände nicht nur Seitenbühnen für schnelleren Kulissenwechsel notwendig.

Sie hofft auch auf eine Studiobühne – bisher finden zum Beispiel Kinderkonzerte aus Platznot im Foyer statt. Ein kleinerer Saal sei auch wichtig, um andere Formate einzuführen. „Wir wollen alle Schichten ansprechen.“

Der Vorsitzende des Freundeskreises, Dieter Vogel, hält sogar eine Vergrößerung der Fläche des Opernhauses um 30 Prozent für sinnvoll. Vogel spricht sich auch aus kaufmännischen Gründen für einen Neubau aus: Die Kosten einer Sanierung seien unkalkulierbar, dagegen biete sich die Chance, ein neues Gebäude als Hochhaus etwa in Höhe des Dreischeibenhauses zu gestalten. Die oberen Etagen könnten kommerziell genutzt werden. Das könnte der Stadt 40 bis 50 Millionen Euro bringen.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) übernahm die Rolle des Sparkommissars: Stampler-Browns Idee einer Studiobühne wies er zurück mit dem Argument, Düsseldorf müsse auch „ein bisschen“ aufs Geld achten: In das neue Zentralbibliotheksgebäude würden bereits zwei Bühnen eingezogen – eine davon für das Forum Freies Theater (FFT).

Das Central sei kürzlich modernisiert worden, darüber hinaus werde das Tanzhaus saniert. Damit investiere die Stadt bereits viel in ihre Bühnen. „Auch Opernsänger können mal im FFT auftreten.“ Auch an anderer Stelle betonte Geisel, man dürfe nicht „Wünsch-Dir-Was“ spielen und sich nur an den größten Vorbildern orientieren. „Wir sind nicht Sydney, sondern Düsseldorf.“

Ein weiterer absehbarer Streitpunkt: der Hofgarten. Ein größerer Neubau ließe sich wohl nur durch eine Verkleinerung von Düsseldorfs bekanntester Grünanlage realisieren – und bei 30 Prozent mehr Fläche müsste ein ganzes Stück wegfallen. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe sieht für den Park aber auch Chancen. „Ein Neubau könnte dem Hofgarten mehr geben als wegnehmen.“ Schließlich könnte sich die neue Oper in Richtung des Parks und der Kö öffnen. Das ist städtebaulich eine attraktive Option.

Falls die Hofgarten-Frage akut wird, wird auch der Heimatverein kritisch hinschauen – die Jonges kämpfen schließlich seit Jahrzehnten gegen Baupläne in der historischen Anlage. Baas Wolfgang Rolshoven äußerte sich in seinem Fazit zudem kritisch zur Hochhaus-Idee. Auch das zeigte: Bis Düsseldorf vielleicht wirklich mal sein neues Opernhaus eröffnet, sind doch noch viele Fragen zu klären.

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