Düsseldorf: "Opel-Franz" geht mit 80 in Rente

Düsseldorf : "Opel-Franz" geht mit 80 in Rente

47 Jahre leitete Franz Wielens den Vertrieb im Autohaus Ulmen. Jetzt geht er - und muss sogar erst Resturlaub nehmen.

Dass eine Person sinnbildlich für eine Marke steht, wird immer seltener. Klementine von Ariel ist als Werbefigur schon lange Geschichte und die Persilfrau soll zwar der Legende nach Jakobe von Baden sein, doch das ist eben Legende, wahrscheinlich ist sie eine Kunstfigur. Keine Kunstfigur und dennoch eine Legende ist ein Mann, der wie kein anderer Düsseldorfer mit der Marke Opel in Verbindung gebracht wird: Franz Wielens, oder wie er weitaus häufiger genannt wird: Opel-Franz.

Normalerweise geht man in Deutschland mit 63 oder 65 in Rente, manche auch erst mit 67. Gut, es gibt Ausnahmen, Konrad Adenauer wurde erst mit 73 Jahren Bundeskanzler. Doch ein bisschen so verhält es sich auch mit Franz Wielens, der bis vor wenigen Tagen Verkaufsleiter des Autohauses Ulmen an der Brunnenstraße war. Als er 65 wurde, bot ihm sein Chef Klaus Gutberlet an, doch noch fünf Jahre weiterzumachen. Und Opel-Franz schlug ein. Mit 70 tat er dasselbe. Mit 75 tat er es schon wieder. Er hat halt Benzin im Blut.

Geboren ist der, der so rheinisch wirkt, im kleinen westfälischen Örtchen Alstätte bei Ahaus, einem Nest mit gerade mal 5000 Einwohnern. Dort machte er eine Lehre zum "SPD-Mann", wie Wielens es nennt. Das hat nichts mit Politik zu tun, sondern steht für Sattler, Polsterer, Dekorateur. 1959, Franz ist gerade 22 geworden, zieht es ihn weg aus Alstätte. Weg vom elterlichen Betrieb, den er übernehmen sollte, in die Großstadt. Bei der Filmgesellschaft Ufa in Düsseldorf findet er eine Stelle als Innendekorateur. Anfang der 1960er Jahre zieht es ihn zur Autobranche, der er bis zum heutigen Tage verbunden bleiben wird. Erst arbeitet er als Autosattler bei einer Opel-Niederlassung, so einen Beruf gab es in diesem Jahrzehnt noch. Es sollte kein Jahr dauern, da erkennt man beim damaligen Händler Wielens großes Talent zum Verkaufen. Anfang der 1970er Jahre wechselt Wielens dann zum Autohaus Ulmen, dem er fast fünf Jahrzehnte lang die Treue halten wird. Damals ist gerade der neue Opel Rekord D auf den Markt gekommen. "Und verkaufte sich wie geschnitten Brot", sagt Wielens im Rückblick. Autoliebhaber Wielens reicht der Rekord aber nicht, er fährt Opel Commodore, den sportlicheren und nobleren Bruder des Brot-und-Butter-Autos Rekord. Den internen Durchbruch als Chefverkäufer erlebt er in dieser Zeit. Damals baute Opel auch noch im Oberklassesegment. Der Diplomat war ein Modell, dass in einer Liga mit den großen Mercedes und BMW mitspielte. "Wir haben auf einen Schlag 20 limonengrüne Diplomat V8 mit schwarzem Vinyldach für Mannesmann nach Moskau geliefert", sagt Wielens. Heute wären diese Fahrzeuge rare und teure Oldtimer.

Dann kommt die Ölkrise. Autos werden zu Ladenhütern. Drei von vier Verkäufern bei Ulmen müssen gehen. Einer bleibt: Opel Franz. Der wird für sein Verkaufstalent immer wieder gelobt, reist zur Belohnung, weil er zu den Top-72-Autoverkäufern bei Opel gehört, mit Frau Christa nach Monte Carlo, Nizza, Saragossa. Besonders oft verkauft Wielens den Manta, als dieser noch nicht sein stereotypes Image als Prollauto hatte, sondern ein preiswerter Sportwagen für junge Leute war. Eine schwarze Zeit war für Wielens die Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns General Motors. Doch Opel sollte wieder auferstehen. Lange war der bekennende DEG-Fan im Karneval aktiv, wurde Senatspräsident bei Blau-Weiss, die er gerne ins Autohaus einlud. Mit 80, der Geburtstag ist am Samstag, geht Opel-Franz nun doch in Rente. Vier Monate früher als geplant, weil er noch Resturlaub abfeiern muss.

(tb.)
Mehr von RP ONLINE