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Besuch an der Heine-Uni: Oettinger: "Strompreis ist zu hoch"

Besuch an der Heine-Uni : Oettinger: "Strompreis ist zu hoch"

Der EU-Kommissar für Energie Günther Oettinger sprach im Oeconomicum der Heine-Uni über die Folgen der Energiewende und den Schluss, dass die Stromnetze ausgebaut werden müssten. Das "Erste Forum Ordnungspolitik" von IHK und Uni war der Auftakt zu einer neuen Veranstaltungsreihe.

Zum ersten "Forum Ordnungspolitik" war Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, gekommen. Vor 150 Gästen aus Wirtschaft und Wissenschaft sprach der CDU-Politiker über Herausforderungen für die europäische Energiepolitik. Kernbotschaft des früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten war, dass Deutschland die Energiesicherheit gewährleisten müsse, wenn das Land als Industriestandort führend bleiben möchte. "Die größten Sorgen der Industrie in Deutschland sind heute nicht mehr die Personalkosten und auch nicht der Facharbeitermangel. Meine Gespräche mit Unternehmern haben gezeigt: Sie haben Angst um die Sicherheit bei der Stromversorgung", sagte der EU-Kommissar. Wenn etwa bei einem Kupferproduzenten nur für kurze Zeit der Strom ausfalle, dann müsste das Metall mühsam mit Hammer und Meißel herausgeschlagen werden. Die Produktionsprozesse bei der Metallherstellung duldeten keinerlei Unterbrechung der Versorgung. "Die Behebung der Schäden infolge eines Stromausfalls dauert Wochen und kostet Millionen", sagte der Europapolitiker. Viele würden Versorgungsengpässe beim elektrischen Strom heute nicht mehr kennen und die Risiken daher unterschätzen. "Die Sicherheit bei der Stromversorgung ist heute zu einem entscheidenden Standortfaktor geworden", so Oettinger.

Das Thema Energiesicherheit und Stromkosten sei für Deutschland von größerer Bedeutung als für andere EU-Staaten. "Anders als etwa Großbritannien unter Margaret Thatcher hat Deutschland nicht nur auf Dienstleistungen und Finanzen gesetzt. Das zahlt sich heute aus", meinte Oettinger. In Deutschland habe die Industrie heute einen stabilen Anteil von zwischen 24 und 25 Prozent an der Wirtschaftsleistung, im restlichen Europa liege dieser Anteil bei nur 18 Prozent. Ähnlich sei der Anteil nur noch in den Niederlanden oder Österreich, also all jenen Ländern, die noch das Best-Rating von AAA bekämen. Oettinger. "Europa, und damit meine ich auch Spanien, Griechenland oder Rumänien, braucht mehr industrielle Wertschöpfung." Während die USA sich zurzeit re-industrialisierten, beobachte er in Deutschland einen schleichenden Prozess der De-Industrialisierung. Die Energiewende könne Deutschland nur gemeinsam mit den Staaten der EU bewältigen.

Gleichzeitig warnte der EU-Kommissar: "Der Strom in Deutschland ist zu teuer, nirgendwo auf der Welt sind die Kosten dafür so hoch." Gerade die Aluminiumproduktion, wie etwa bei Alunorf in Neuss, sei bei zu hohen Energiepreisen nicht wirtschaftlich zu betreiben. "Aluminium braucht bei der Primärgewinnung vergleichsweise viel Strom. Die dadurch etwa im Leichtbau produzierten Produkte aber sind später besonders energieschonend", so Oettinger.

Er forderte, den Ausbau der Stromnetze voranzutreiben, um die Windparks Norddeutschlands mit den Industrierevieren an Rhein und Ruhr oder den Pumpspeicherkraftwerken Süddeutschlands zu verbinden. "Es gibt in den nächsten 15 Jahren keine andere Möglichkeit, Strom zu speichern als mit Hilfe der Wasserkraftwerke." Allein mit erneuerbaren Energien sei der deutsche Ausstieg aus der Atomkraft nicht zu bewältigen.

IHK-Vizepräsident und Trinkaus-Chef Andreas Schmitz warnte bei seiner Begrüßung ebenfalls vor "einem Scheitern der Industrie an hohen Energiekosten" und sagte, es sei wohltuend, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sich wie kürzlich in Grevenbroich hinter den Bau effizienterer Braunkohlekraftwerke stelle.

Das erste "Forum Ordnungspolitik" soll der Auftakt zu einer Reihe von gemeinsamen Veranstaltungen von IHK und Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE) sein, wie IHK-Geschäftsführer Klaus Zimmermann und DICE-Direktor Professor Justus Haucap bekräftigten. "Wir vertiefen die Zusammenarbeit mit der IHK. Zwei bis drei Veranstaltungen zum Forum Ordnungspolitik pro Jahr sind geplant", sagte Haucap.

(RP)