Oberbürgermeister Thomas Geisel scheitert bei Spitzenbesetzung

Der Wunschkandidat für die Holding zieht zurück : Eigentor von Oberbürgermeister Thomas Geisel

Norbert Menke ist das Opfer von Thomas Geisels fehlendem Instinkt geworden. Der OB muss gegenüber dem Stadtrat neues Vertrauen aufbauen.

Oberbürgermeister Thomas Geisel hat eine empfindliche politische Niederlage erlitten, die er komplett selbst zu verantworten hat. Als klar war, dass die große Mehrheit des Stadtrates gegen seinen im Hauruck-Verfahren präsentierten Finanzmanager Norbert Menke votieren würde, musste er die Notbremse ziehen. Der Schaden ist immens, für den OB, aber vor allem für Norbert Menke, der Opfer von Geisels fehlendem Instinkt geworden ist.

Das Gremium, in dem der Kandidat für die städtische Beteiligungsverwaltung hätte gekürt werden müssen, ist der Aufsichtsrat der städtischen Holding. Die Vorsitzende, Grünen-Fraktionssprecherin Angela Hebeler, wurde aber ebenso vor vollendete Tatsachen gestellt wie alle übrigen Ratsleute. Geisels Informationsangebot war zu kurzfristig und wurde der politischen Kleiderordnung nicht gerecht. CDU, Grüne, FDP und Linke haben sehr deutlich formuliert, was sie insgesamt von dem Vorgang halten. Es ist auch keinesfalls ausgemacht, dass Geisel mit einem neuen Kandidaten und bei besserer Vorbereitung Zustimmung erhält, wie er offenbar selbst glaubt.

Kämmerin Dorothée Schneider, die für die Beteiligungen zuständig ist, erhält in diesen Tag demonstrativ viel Lob für ihre Arbeit. Es muss sie treffen, wenn Geisel gestern verkünden lässt, er halte an seinen Plänen „selbstverständlich“ fest. Die Bürgerschaft könne erwarten, „dass wir die uns anvertrauten Vermögenswerte in ihrem Sinn verwalten und darüber informieren“. Ach so – ist das heute nicht der Fall? Und wenn es einen solchen Handlungszwang gibt, warum hat Geisel das Problem nicht in den vergangenen Jahren angepackt? Schließlich ist er seit 2014 Oberbürgermeister.

Unter dem Strich geht es Geisel darum, mehr Macht im OB-Büro zu konzentrieren. Gleichzeitig will er einige seiner Aufsichtsratsmandate abgeben. Angesichts seines Arbeitspensums sicher eine gute Idee. Gegenüber dem Stadtrat aber muss er Vertrauen neu aufbauen.

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