Düsseldorf: Obdachlosen-Mord: Prozess gegen Duo begann

Düsseldorf : Obdachlosen-Mord: Prozess gegen Duo begann

Mit schaurigen Details aus dem Leben eines 18-jährigen Angeklagten begann am Montag vor dem Landgericht der Prozess um den Raubmord an einem Wohnsitzlosen (59). Der junge Mann und ein ebenfalls obdachloser Kumpan (38) sollen das Opfer auf dem Neusser TÜV-Gelände im März mit einer Latte so verprügelt und getreten haben, bis es tot war.

Laut Anklage wollte das Duo acht Euro Münzgeld erbeuten — und das Opfer an der Anzeige hindern. Ob beide diese Tat gestehen, zeigt sich am 19.11., wenn der Prozess weitergeht. Zum Motiv für die unvorstellbar grausige Tat wollten die Angeklagten nichts sagen - nur zum Lebenslauf. Doch was der 18-Jährige dazu in der Befragung durch das Gericht widerwillig brummelnd preisgab, sorgte für lastende Stille im Gerichtssaal: Weil er als Kind nach der Trennung der Eltern oft weglief, habe die Mutter ihn an Tischen und Bänken festgebunden.

Mit Messer nach Mitschüler geworfen

Trotz abgeschraubter Fenstergriffe gelang ihm aber die Flucht. Auch in Kinderheimen fiel er ständig auf — wegen "Stress", wie er knapp sagte. Einer Lehrerin drohte er mit einer Schere, einem Mitschüler warf er ein Messer nach, Pferde jagte er mit Knüppeln. Bei einer Auslandsmaßnahme auf Teneriffa trat er seinen angeblich geliebten Hund und auch Kaninchen einfach tot, misshandelte eine Katze. Damals sagte er dazu: "Ich brauchte ein Lebewesen, dem man so wehtut, wie man mir wehgetan hat!"

Zurück in Neuss, wohnte er kurz bei der Mutter, geriet dann ins Obdachlosenmilieu — und fiel auch dort durch extrem brutale Gewalt auf. Zuletzt soll er sich mit dem alkoholkranken Mitangeklagten am späteren Opfer ausgelassen, soll ihm 190 Euro in Scheinen abgenommen - und ihm tags darauf, als der 59-Jährige am TÜV-Gelände schlief, den Schädel eingeschlagen und ihn so massiv getreten haben, bis das Opfer am eigenen Blut erstickte.

Urteil Mitte Dezember

Danach fuhren die Täter vom erbeuteten Scheingeld angeblich per Taxi zum Bahnhof und von dort nach Venlo zum Haschischrauchen. Bei der Heimkehr nach Neuss wurden beide dann festgenommen. Ein Urteil wird Mitte Dezember erwartet.

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(rc)
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