Fiftyfifty in Düsseldorf: Obdachlose fühlen sich von Ordnungsdienst schikaniert

Fiftyfifty in Düsseldorf : Obdachlose fühlen sich von Ordnungsdienst schikaniert

Das Straßenmagazin Fiftyfifty erhebt schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes (OSD) der Stadt Düsseldorf. Diese sollen Wohnungslose schikaniert haben. Die Stadt streitet das ab.

Drei Fälle schildern die Mitarbeiter von Fiftyfifty konkret, insgesamt soll es sieben in den vergangenen vier Wochen gegeben haben:

  • Fall 1: OSD-Mitarbeiter sollen am 22. November 30 Euro Ordnungsgeld von Fiftyfifty-Verkäufer Zsolt R. verlangt haben, weil er mit seinem Hund auf der Kö Obdachlosenzeitungen verkaufte. Das Geld hätten die Mitarbeiter aus R.s Verkäufermappe genommen - gegen dessen Willen, so die Hauptamtliche Fiftyfifty-Mitarbeiterin Julia von Lindern.
  • Fall 2: Am 5. Dezember sollte Sascha P. ein Ordnungsgeld von 150 Euro bezahlen, weil er seinen Hund in der Grünanlage an der Kunstakademie hatte frei laufen lassen. Weil er das Geld nicht dabei hatte, hätten die OSD-Mitarbeiter ihm sein Handy weggenommen. "Als wir versucht haben, das Handy gegen Zahlung der 150 Euro auszulösen, sagte uns die Mitarbeiterin der Stadt, sie wisse nicht, wo das Handy sei", sagt von Lindern. Ein Anwalt prüft derzeit das Vorgehen der Stadt in diesem Fall.
  • Fall 3: Rüdiger W. hielt sich Anfang Dezember auf dem Marktplatz auf. OSD-Mitarbeiter sollen ihn aufgefordert haben, den Platz zu verlassen. "Nach dem Hinweis von Rüdiger, er habe sich doch ruhig verhalten und niemanden gestört, wurde ihm gedroht, dass sein Hund mitgenommen würde", so von Lindern.

"Jahrelang war Ruhe. Es gab ein nettes Nebeneinander zwischen Wohnungslosen und OSD", sagt die Fiftyfifty-Mitarbeiterin. Doch derzeit beobachte man ein vermehrtes ruppiges Vorgehen von einzelnen Ordnungsdienstlern. Als "unverhältnismäßig" bezeichnet von Lindern dieses Verhalten. Ihre Vermutung: "Die Stadt soll aufgeräumt werden - weil Weihnachtsmarkt ist." Deshalb gehe die Stadt vermehrt gegen Wohnungslose vor. Das findet von Lindern skandalös. "Diese Menschen haben wenig Beschwerdekompetenz, sie können sich nur schwer wehren."

Stadt weist die Vorwürfe zurück

"Es gibt keine Anweisung, verstärkt gegen Menschen mit Lebensmittelpunkt auf der Straße vorzugehen", sagt dagegen ein Sprecher der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. Wenn diese Menschen sich aber nicht an rechtliche Bestimmungen hielten, müsse der Ordnungsdienst auch dagegen vorgehen. Da sie keine Postadresse hätten, müsse man Ordnungsgelder direkt vor Ort vollstrecken.

Konkret zum ersten Fall lieferte der Stadtsprecher auf Anfrage folgende Begründung: Wer beim Betteln um Geld einen Hund dabei habe, verstoße gegen das Tierschutzgesetz. In Paragraph 11 sei geregelt, dass "das Zurschaustellen von Tieren" nur mit Erlaubnis der zuständigen Behörde legal sei. "Wer einen Hund dabei hat, um Mitleid zu erheischen, betreibt verbotene Bettelei", so der Sprecher der Stadt. Zsolt R. sei darauf mehrfach hingewiesen werden, bevor ein Ordnungsgeld vollstreckt worden sei.

Zum Fall des verschwundenen Handys sagte der Sprecher: "Das fällt mir schwer zu glauben. Wenn er das Bußgeld zahlt, bekommt er das Handy wieder." Ordnungsdienstmitarbeiter machten keinen Unterschied zwischen Menschen mit und ohne festem Wohnsitz. "Das kann ich nahezu ausschließen."

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