Erwin-Nachfolge: OB-Wahl: Der Preis des Verzichts

Erwin-Nachfolge : OB-Wahl: Der Preis des Verzichts

CDU und SPD haben sich mit Dirk Elbers und Karin Kortmann auf ihre OB-Kandidaten festgelegt. Grüne und FDP halten an ihren OB-Kandidaten fest – noch. Denn die großen Parteien buhlen um die Stimmen der Kleinen. Und die bekommen sie nur bei gemeinsamen Kandidaten.

CDU und SPD haben sich mit Dirk Elbers und Karin Kortmann auf ihre OB-Kandidaten festgelegt. Grüne und FDP halten an ihren OB-Kandidaten fest — noch. Denn die großen Parteien buhlen um die Stimmen der Kleinen. Und die bekommen sie nur bei gemeinsamen Kandidaten.

Die Wahl des Nachfolgers des am 20. Mai verstorbenen Oberbürgermeisters Joachim Erwin ist in vielerlei Hinsicht eine Premiere. Denn die neue Gemeindeordnung macht Düsseldorf zum Vorreiter für andere Städte in NRW: Durch die besondere Situation der früheren Wahl wird zum ersten Mal die Legislaturperiode für den OB mit sechs Jahren Amtszeit von der des Stadtrats (fünf Jahre) entkoppelt. Regulär ist das erst nach der Kommunalwahl 2009 vorgesehen.

Was die Düsseldorfer Parteien zurzeit jedoch am meisten bewegt, ist, dass bei dieser OB-Wahl erstmals die Stichwahl entfällt. Wenn also am 31. August weder der Kandidat der CDU, Dirk Elbers, noch die SPD-Kandidatin Karin Kortmann die absolute Mehrheit erreicht, gibt es keinen zweiten Wahlgang. Sieger ist, wer die einfache Mehrheit der Wählerstimmen hat. Das heißt, dass jede Stimme zählt.

Das heißt aber auch, dass Stimmen verloren gehen, falls die kleinen Parteien, Grüne und FDP, eigene Kandidaten ins Rennen schicken. Bisher hatten sie im Fall der Stichwahl verzichtet und ihrer Klientel Empfehlungen für einen der Kandidaten gegeben. 2004 war das nicht nötig: Erwin holte gegen Gudrun Hock (SPD) auf Anhieb 50,4 Prozent der Stimmen. Ein solches Ergebnis ist ohne Amtsbonus unwahrscheinlich.

Deshalb umwerben die beiden Volksparteien heftig ihre potenziellen Bündnispartner: SPD und Grüne trafen sich erst gestern Abend wieder zum Sondieren der Gemeinsamkeiten, auch CDU und FDP sind ständig im Gespräch. Bis Ende der Woche will man sich entschieden haben.

So lange wird knallhart verhandelt. Denn die Liberalen und die Öko-Partei verzichten im Wahlkampf nicht nur auf einen eigenen Kopf, sondern auf die Chance, sich mit Blick auf die Kommunalwahl 2009 zu profilieren und zu positionieren. Zumal sie mit der Landtagsabgeordneten Monika Düker (Grüne) und der FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zwei starke Frauen als Kandidatinnen hätten. Beide übrigens mit großer Lust auf Wahlkampf.

Doch genau das könnte sich im Ernstfall fatal auswirken: Je mehr Wähler etwa für Strack-Zimmermann stimmen, desto weniger werden vermutlich ihr Kreuz bei Elbers machen. Die Liberale könnte somit einer roten Oberbürgermeisterin Kortmann ins Amt helfen.

Umgekehrt dasselbe: Eine Grünen-Kandidatin Düker würde Kortmann schwächen. Auch diese Situation ist ungewohnt. Auch wenn noch nichts entschieden ist, kann man davon ausgehen, dass FDP und Grüne auf eigene Kandidaturen verzichten. Düker würde dann Wahlkampf für Kortmann machen, Strack-Zimmermann als starke Frau an Elbers' Seite für ihn als Kandidaten der bürgerlichen Mehrheit kämpfen.

Die Frage ist nur: Was ist der Preis? Ein hoher, so ist zu hören. Die Liberalen fordern zweierlei: eine klare Bündniszusage für die Kommunalwahl 2009 (Elbers hatte kürzlich auch mit Schwarz-Grün kokettiert) und den Posten des Ersten Bürgermeisters, den Elbers im Fall des Wahlsiegs freimacht — und das nach Wunsch der FDP für Strack-Zimmermann.

Die Grünen und deren Basis plagt die Sorge, in der Kommunalwahl 2009 nur noch als Anhängsel der SPD wahrgenommen zu werden. Ihre Forderungen sind deshalb vor allem inhaltliche: Ökologie auf den Wahlplakaten und ein klares Nein zum Kohlekraftwerk im Hafen.

Verhandelt wird also lange vor der Wahl. Auch das ist neu.

Ein Special zur OB-Wahl finden Sie hier.

(RP)