Düsseldorf: OB-Dialog: Kuscheln in Eller

Düsseldorf: OB-Dialog: Kuscheln in Eller

Thomas Geisel will in den nächsten Jahren Dialoge in jedem Stadtteil abhalten. Der Auftakt fand gestern im gut besuchten Schützenhaus Eller statt. Die Bürgernähe kommt an. Ob sie dem Stadtteil was bringt, ist aber eher fraglich.

Thomas Geisel kommt mit der Bahn. Sehr kurzfristig hatte die Stadt vor diesem ersten OB-Dialog noch einen Spaziergang von der Vennhauser Allee zum Schützenhaus angesetzt, was auch der Grund dafür sein mag, dass kein Stadtteilpolitiker dabei ist. So verschafft sich der OB auf dem Weg einen sehr eiligen Überblick. Etwa am Schloss Eller, wo interessierte Beobachter ja seit langem schon dabei zusehen können, wie aus den pittoresken Nebengebäuden langsam aber sicher Ruinen werden.

Schön seien die, gut könne er sich vorstellen, dass hier hochwertiger Wohnraum entsteht, sagt Geisel und hält die Nase in die Luft. Heute sei ja auch gar nichts von dem benachbarten Hühnerhof zu riechen. Noch einen kleinen Schlenker - "hier soll also der Skaterpark hinkommen" - vorbei an wilden Müllkippen, die geflissentlich übersehen werden, und schon ist Geisel samt Anhang auf dem Schützenplatz. Das "Rhine Guards Brass and Drums Corps" spielt eine Fanfare, was aber Zufall ist, weil die Musikgruppe halt übt. Heute mal draußen, drinnen soll ja der erste OB-Dialog stattfinden. Geisel will anfangen, er ist zu früh. Etwa hundert Bürger sind gekommen, die können Kärtchen mit Fragen ausfüllen, die ihm dann im Laufe des Abends von der Moderatorin und Venetia der letzten Session, Claudia Monreal, gestellt werden sollen. Doch so ein Abend entwickelt ja eine Eigendynamik. So meldet sich eben das Publikum zu Wort. Und Geisel beantwortet, diskutiert, beschwichtigt dessen Fragen. Die Kärtchen werden weitergeleitet.

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Er ist charmant, er hat Spaß mit den Leuten und die mit ihm. Wirklich Neues zu den Themen im Stadtteil hat er aber nicht. Etwa zu der Situation am Dillenburger Weg. Er kenne das Problem mit dem Schwerlastverkehr, doch die Sache sei eben schwierig. Druck müsse man auf das Unternehmen ausüben, die Verwaltung sei dran. Oder zur Situation im Gurkenland, wo die Menschen auf einen neuen Supermarkt warten. Bezirksstellenleiter Peter Frymuth könnte nun sagen, dass es eine Einigung mit einem Pächter gebe, und dass der Supermarkt bald komme. Doch Geisel weiß das eben nicht. "Sehen Sie es mir nach, aber die Stadt Düsseldorf kann keine Supermärkte betreiben", sagt er. Man kann ihm das nicht vorwerfen, er kann nicht alles wissen. Wo Fußgängerampeln hinmüssen, wie der Zustand eines Radweges ist, welche Sitzbänke benötigt werden - das ist nicht sein Geschäft. Dennoch nimmt er sich knapp zwei Stunden Zeit, was bei den Bürgern gut ankommt. Geisel bekommt am Ende viel Applaus von den Besuchern. Selbst der politische Gegner erkennt an, dass die Veranstaltung ein Erfolg war. Für Geisel.

Schatz, wir müssen reden: Ellers stellvertretender Bezirksbürgermeister Herbert Prickler (SPD) wartet im Schützenhaus auf seinen Parteifreund Oberbürgermeister Thomas Geisel. Foto: Andreas Bretz

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass es in Eller kein aktuell drängendes Problem gibt, dass sich lösen ließe, wenn der OB eingriffe. Der Stadtteil funktioniert ja grundsätzlich gut, nicht zuletzt weil er mit Frymuth einen überaus fähigen Verwaltungsstellenleiter hat, der auf Anregungen der Bürger meist schneller reagiert, als die Politik das Wort Antrag buchstabieren kann. Wirklich spannend werden die Dialoge wohl erst, wenn es um akute Probleme geht. Aber es gibt ja noch 49 Gelegenheiten,

(RP)
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