Notstand in der ambulanten Pflege in Düsseldorf

Pflege: Notstand in der ambulanten Pflege

Viele alte Menschen wollen zu Hause betreut werden. Wegen Personalmangel geht das oft nicht.

Voll ausgelastet, immer noch rufen Kunden an, so viele Aufträge, dass man sogar ablehnen muss. Was für manchen Betrieb nach einem Traum klingt, ist für die Betreiber ambulanter Pflegedienste ein ernstes Problem.

250 Absagen im Monat allein in Düsseldorf, fast 9000 in NRW. Das sind die Zahlen einer Schätzung, die die Freie Wohlfahrtspflege NRW vorgelegt hat. Sie gehen aus einer Befragung der Mitgliederverbände für den Monat April hervor, die über die Hälfte aller Pflegeplätze repräsentieren. Sprecher Reinhard van Spankeren sagt: „Die ambulante Pflege war immer etwas außerhalb des Blickfeldes, aber auch hier gibt es massive Probleme.“ Ambulante Pflege, also die Versorgung im eigenen Zuhause, sei oft von den Patienten gewünscht. Doch auch hier herrscht, genau wie bei der Pflege im Altersheim, Personalnot. „Das ist ein Drama für die Betroffenen“, sagt van Spankeren. Wer keinen Platz in der ambulanten Pflege findet und nicht von Angehörigen versorgt werden kann, dem bleibt oft nur der Weg ins Heim. „Aber auch hier sind die Kapazitäten ausgelastet“, sagt Patrick Schmidt, Bereichsleiter der Ambulanten Pflege bei der Caritas. Um das Problem in den Griff zu bekommen, versuche man, „stille Reserven zu aktivieren“. Man spreche beispielsweise verrentete Mitarbeiter oder solche in Elternzeit an, ob sie bereit wären, als geringfügig Beschäftigte auszuhelfen. „Langfristig hilft es aber nur, den Beruf attraktiver zu gestalten, so schwer das auch sein mag“, sagt Schmidt.

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Genau mit diesem Thema beschäftigte sich Anfang der Woche auch die Kommunalkonferenz Pflege und Alter, in der Vertreter aller mit der Pflege beschäftigten Einrichtungen sitzen, etwa der Heime, Privater Dienste, Kassen und Krankenhäuser. Dort ging es vor allem um die Frage, was man gegen den akuten Personalmangel unternehmen kann. Ein Ansatzpunkt ist das Projekt „Care for Integration“, in dem Geflüchtete in Pflegeberufen ausgebildet werden. Ein solches Projekt ist vor kurzem in Düsseldorf gestartet.

Doch bis Maßnahmen zur Nachwuchsförderung greifen, gibt es weiterhin viele Menschen, die ohne ein Pflegeangebot auskommen müssen. Für diesen Fall hat die Stadt das Pflegebüro als Vermittlungsstelle eingerichtet. Aber auch für die Pfleger bedeutet die aktuelle Situation viel Stress. „Ich werde für eine Dienstleistung bezahlt, nicht für die Zeit, die ich brauche“, sagt ein Angestellter eines privaten Pflegedienstes, der nicht genannt werden möchte. „Darum muss ich mich bei jedem Patienten beeilen. Das ist stressig für mich, und vor allem schlecht für die Menschen, mit denen ich arbeite.“

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