Notfallversorgung in Düsseldorf soll verbessert werden

Tod eines Siebenjährigen: Notfallversorgung in Düsseldorf soll verbessert werden

Nach dem Tod des siebenjährigen Elias Mohammad soll die medizinische Notfall-Versorgung in Düsseldorf auf den Prüfstand gestellt werden. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein strebt eine engere Zusammenarbeit niedergelassener Ärzte mit den Krankenhäusern an.

Angesichts der steigenden Zahlen von Patienten, die die Notfallambulanzen der Krankenhäuser in Anspruch nehmen, sei man bereit zu reagieren, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Frank Bergmann, am Mittwoch in der Sitzung des Düsseldorfer Gesundheitsausschusses: "Wir brauchen eine engere Abstimmung zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern."

Auch die Einrichtung einer weiteren Notfallpraxis in Düsseldorf wird diskutiert: "Wir sind in intensiven Überlegungen", so Bergmann. Allerdings gelte es, auch ein Bewusstsein dafür zu schaffen, "dass nicht jeder Schnupfen in die Notfallpraxis gehört". Bergmann sagte am Rande der Sitzung, man werde mit verschiedenen Krankenhäusern über die Einrichtung einer solchen Praxis reden. Denkbar sind auch Konzepte, bei denen etwa nur eine Fachrichtung an einem Krankenhaus angesiedelt wird, in dem es auch eine entsprechende Klinik gibt.

Mutter des Jungen fordert eine Entschuldigung

Unterdessen gibt die Mutter des Siebenjährigen, der am zweiten Weihnachtstag gestorben war, den Ärzten die Schuld. Sie wolle nur, dass diese ihre Fehler zugäben, "der Kinderarzt, die von der Notfallpraxis, die vom EVK", sagte Bilgis H. am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion: "Ich habe immer versucht, nett mit den Ärzten zu sprechen. Hätte ich mich doch nur durchgesetzt!"

Sie hatte nach eigenen Angaben mehrmals die Notfallpraxis am Evangelischen Krankenhaus (EVK) besucht, war aber mit Schmerzmitteln für den Jungen weggeschickt worden. Als sie beim zweiten Mal nicht habe gehen wollen, habe der Arzt einfach die Tür geöffnet und die nächsten Patienten ins Behandlungszimmer gerufen. Am 26. Dezember war der Junge im EVK operiert und später in die Uni-Klinik verlegt worden. Dort hatte er nicht mehr gerettet werden können. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet, die Ergebnisse der Obduktion stehen aus.

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Bergmann sagte vor den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses, es verbiete sich, nun reflexhaft über Schuldzuweisungen nachzudenken. "Aber natürlich müssen wir uns fragen: Sind die Systeme ausreichend tragfähig?" Die Kassenärztliche Vereinigung sehe mögliche Verbesserungen in besseren Kooperationen zwischen Ärzten und Krankenhäusern. "Wir sind sicher, dass wir enger zusammenrücken müssen."

Etwa 1000 Notfälle mit Kindern pro Monat in Notfallpraxis

Gewünscht ist dabei - wie auch im Krankenhausgesetz angeregt - jeweils eine zentrale Stelle, die schon beim Betreten einer Ambulanz entscheidet, ob ein Patient tatsächlich die Expertise und medizinische Ausstattung eines Krankenhauses benötigt oder auch von einem niedergelassenen Arzt behandelt werden kann. Wichtig sei es dabei, ein transparentes System mit klaren und einheitlichen Kriterien für die Bewertung zu schaffen.

In der Notfallpraxis gibt es Bergmann zufolge allein etwa 1000 Notfälle im Monat, bei denen die Patienten Kinder sind, in den Krankenhaus-Ambulanzen sind es rund 2000. Auf die Frage, ob man im Bereich der Pädiatrie die Dienste verstärken könne, verwies Bergmann auf Nachwuchssorgen: "Wir können uns leider keine Ärzte drucken." Der Düsseldorfer Kreisvorsitzende der KV Nordrhein, André Schumacher, sagte, bei einem großen Andrang übernähmen in der Notfallpraxis regelmäßig auch erfahrene Hausärzte die Behandlung älterer Kinder.

Der Gesundheitsausschuss sprach den Angehörigen des Kindes sein Beileid aus und forderte, "dass der Fall in Gänze zügig aufgeklärt wird", so der Ausschussvorsitzende Andreas-Paul Stieber (CDU). Der Ausschuss will aus der Befragung der Experten Empfehlungen für die zuständigen Stellen ableiten.

(hpaw)