Notfallpraxis und Notaufnahme in Düsseldorf - die wichtigsten Infos

Debatte um Notfallversorgung: Düsseldorfer Ambulanzen werden immer voller

Der Fall des Siebenjährigen, der an Weihnachten nach einer Notoperation in Düsseldorf gestorben ist, hat eine Debatte über die medizinische Notfallversorgung ausgelöst. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

Die Notfallpraxis, die 1992 eröffnet wurde, wird vom Verein "Notdienst Düsseldorfer Ärzte" betrieben und nutzt seit 2005 Räume am Evangelischen Krankenhaus (Eingang über die Florastraße; bis zum Umzug 2016 über die Kronenstraße). Sie gehört aber nicht zur Klinik, sondern wird von den niedergelassenen Ärzten selbst organisiert, um eine (ambulante) Versorgung außerhalb der normalen Sprechstundenzeiten zu gewährleisten. Das Evangelische Krankenhaus besitzt eine eigene Notfallambulanz.

Sieben Fachärzte sind in der Notfallpraxis täglich im Einsatz: Internist, Orthopäde, Neurologe, Kinderarzt, Augenarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Gynäkologe. Die Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag und Donnerstag 20 bis 7 Uhr, Freitag 17 bis 7 Uhr, Mittwoch 14 bis 7 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag 8 bis 7 Uhr.

"Die Praxis gehört zum ambulanten System der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung. Sie ist für jene Fälle gedacht, mit denen man zu einem niedergelassenen Arzt gehen würde, wenn einer geöffnet hätte", erklärt der städtische Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke, "und in denen der Patient das Gefühl hat, dass die Beschwerden nicht bis zum nächsten Werktag warten können." Die Praxis sei nicht zu verwechseln mit der Notaufnahme eines Krankenhauses.

Welche Patienten die Notfallpraxis (oder gleich eine Notaufnahme eines Krankenhauses) in Anspruch nehmen und welche bis zum nächsten Werktag warten sollten, will verständlicherweise kein Mediziner vorschreiben. Schließlich kann sich hinter einem Kopfschmerz und plötzlichem Schwindel theoretisch auch etwas Ernstes verbergen.

"Die gehören nicht zum ambulanten Versorgungssystem", sagt Meyer-Falcke. Das bedeutet: Hierher sollen eigentlich nur die Patienten kommen, die tatsächlich so starke Beschwerden haben, dass sie in einem Krankenhaus versorgt werden müssen. Alle Akutkrankenhäuser in der Stadt verfügen über eine solche Notaufnahme. "Üblicherweise werden Patienten dorthin eingewiesen."

Ja. Der Sprecher der Düsseldorfer Uniklinik, Stefan Dreising, spricht für die vergangenen Jahre von einem Anstieg um jährlich rund fünf bis acht Prozent allein in der Zentralen Notaufnahme der Uni-Klinik. Die Gründe sind vielfältig - branchenintern ist oft die Rede von einem gestiegenen Anspruchsdenken der Menschen, zumal man ja etwa im Handel inzwischen zu fast jeder Zeit die volle Dienstleistung bekommen kann.

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Auch die Flüchtlingswelle hat die Notfallambulanzen zusätzlich gefordert. Meyer-Falcke: "Viele Menschen sind aus Ländern gekommen, in denen es eine ambulante Versorgung wie bei uns gar nicht gibt." Für sie sei normal, mit Beschwerden ins nächste Krankenhaus zu gehen. Das Gesundheitsamt hat daher eigens einen Flyer aufgelegt, um das hiesige Gesundheitssystem zu erklären.

Meyer-Falcke zufolge ist zuletzt auch die Zahl der Anrufe bei der Notrufnummer 112 deutlich gestiegen. "Das liegt nicht daran, dass die Zahl der bedrohlichen Krankheiten so gestiegen ist. Es ist eher so, dass die Anrufer wissen, dass dann schnell jemand kommt und sie versorgt. Auch das zeigt, wir müssen das gesamte System regelmäßig weiterentwickeln."

Die Krankenhaus-Ambulanzen verfahren nach einem festgelegten System. In der Uniklinik etwa werden Patienten in Dringlichkeits-Stufen eingeteilt: So gibt es die sofortige, sehr dringliche und dringende Behandlung sowie normale und niedrige Dringlichkeit. "Als erstes gibt es eine pflegerische Einschätzung durch speziell geschultes Personal, als nächstes durch einen Arzt", so Dreising. Es kann durchaus sein, dass jemand in einem als nicht dringlich bewerteten Zustand mehrere Stunden warten muss, weil Notfälle - auch solche, die später eingetroffen sind - vorgezogen werden.

Auch die Notfallpraxis schreibt auf ihrer Homepage: "Akut bedrohte Patienten behandeln unsere Ärzte sofort. Patienten mit weniger bedrohlichen Erkrankungen warten manchmal auch einige Stunden."

Mehr zum Fall des gestorbenen Siebenjährigen, der die Debatte über die Notfallversorgung auslöste, lesen Sie hier.

(RP)