Notfallpraxis in Düsseldorf nach Tod eines Siebenjährigen auf Prüfstand

Siebenjähriger gestorben: Düsseldorfer Notfallpraxis nach Todesfall auf Prüfstand

In Düsseldorf ist ein Siebenjähriger gestorben. Die Mutter des Kindes behauptet, der Junge sei in einer Notfallpraxis unzureichend behandelt worden. Die Praxis sieht sich schwerer Kritik ausgesetzt. Die Politik will den Fall prüfen.

Der tragische Tod des siebenjährigen Elias Mohammad wird ein Nachspiel in der Politik haben. "Wir werden diesen Fall diskutieren", sagt Andreas-Paul Stieber (CDU), Vorsitzender des Ratsausschusses für Gesundheit und Soziales. Es gebe Schilderungen über lange Wartezeiten und auch die Aussage, die Familie sei mit dem Kind mehr oder weniger weggeschickt worden, solle aufgearbeitet werden. Sollte es eine Überlastung der Ambulanz in den Tagen vor und an Weihnachten gegeben haben, müsse man über Alternativen nachdenken. "Wir werden uns die Fallzahlen und die personelle Ausstattung anschauen und diskutieren, ob wir zu bestimmten Zeiten als Überlauf eine zweite Notfallpraxis brauchen", so Stieber.

Der Siebenjährige war am Zweiten Feiertag nach einer Notoperation gestorben. Seine Familie berichtet, sie sei an mehreren Tagen zuvor in der Notfallpraxis mit einem Schmerzmittel abgespeist worden, ohne dass auf die Symptome des Kindes eingegangen worden sei. Elias Mohammad H. hatte der Familie zufolge eine Lungenentzündung und starb an einer Blutvergiftung. In der Notfallpraxis habe man die Bitte der Mutter, das Blut des Kindes zu untersuchen, abgelehnt.

Die Notfallpraxis wird vom Verein "Notdienst Düsseldorfer Ärzte" betrieben, der Räume im EVK angemietet und eingerichtet hat. Außerhalb üblicher Sprechzeiten stehen dort Mediziner sieben verschiedener Fachrichtungen zur Verfügung, die eigenverantwortlich die Patienten betreuen. Die Notfallpraxis gab bis zum Dienstagnachmittag unter Verweis auf den Datenschutz zunächst keine weitere Stellungnahme ab.

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Immer wieder war es in der Vergangenheit zu Beschwerden vor allem über zu lange Wartezeiten gekommen. Die gibt es nicht zuletzt, weil die Notfallpraxis zusätzlich zu einem ohnehin hohen Pensum oft auch von Patienten in Anspruch genommen wird, die eigentlich keine Notfälle sind. Bereits vor zwei Jahren hatte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein die Idee, eine zweite Notfallpraxis einzurichten - die sollte allerdings keine zusätzlichen Kosten verursachen. Auch von den Krankenkassen gab es dafür keine Mittel.

Ob der Tod des Kindes Konsequenzen nach sich zieht, kann Bürgermeisterin Klaudia Zepunkte (SPD), die Vize-Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, noch nicht absehen. Es sei schließlich offen, ob die Ambulanz ursächlich mit dem Tod des Jungen zu tun habe. Der Ausschuss werde sich aber über den Fall informieren und "gegebenenfalls die Frage stellen, ob die Ärzte in einer Situation arbeiten, in der sie ihrer Verantwortung gerecht werden können". Es müsse vielleicht nicht gleich eine zweite Notfallambulanz geben, eventuell könnten Großpraxen in das System eingebunden werden, sagt sie.

In den Augen des städtischen Gesundheitsdezernenten Andreas Meyer-Falcke funktioniert das Zusammenspiel zwischen ambulanter und stationärer Versorgung in aller Regel. Die Notfallambulanz am EVK befinde sich auf der Nahtstelle dieser Bereiche, im Zweifel könne eine Familie den Notarzt alarmieren. Die Stadt habe vor einem Jahr ein Info-Blatt in zehn Sprachen aufgelegt, das über das System informiere. Das Gesundheitsamt werde nur eingeschaltet, wenn der Totenschein eine unklare Todesursache attestiere.

(sg)