Behandlungswünsche: Notfallausweis soll Patienten und Medizinern in Düsseldorf helfen

Behandlungswünsche: Notfallausweis soll Patienten und Medizinern in Düsseldorf helfen

Bei Notfalleinsätzen ist eine Patientenverfügung oft nicht sofort greifbar. Ein neues Dokument soll Patienten in Düsseldorf ermöglichen, ihre Therapie-Wünsche knapp und gut einsehbar zu hinterlegen.

Wünscht ein Patient im Notfall die maximal mögliche Therapie? Will er intubiert und beatmet werden? Möchte ein schwerstkranker Patient noch einmal ins Krankenhaus gebracht werden, wenn er zuhause zusammengebrochen ist? Für Rettungskräfte ist es nicht leicht, den genauen Willen des Patienten zu ermitteln. Für schnelle Entscheidungen hat die Stadt zusammen mit dem Runden Tisch Palliative Versorgung den Düsseldorfer Notfallausweis entworfen. Er wurde gestern an der Uniklinik vorgestellt. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

Welchen Nutzen hat der Ausweis?
Gerade bei schwer kranken Patienten ist oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, welche Maßnahmen der Patient wünscht. Nur 20 Prozent der Menschen hätten eine Patientenverfügung, sagt der Leitende Arzt am Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik, Martin Neukirchen. Bei Notfalleinsätzen sei auch oft nicht sofort klar, wo diese zu finden ist. "Außerdem sind sie meist komplex formuliert, so dass Notärzte nicht die Zeit haben, sie komplett zu lesen und zu erfassen." Der Ausweis fasst die Wünsche des Patienten kompakt zusammen und nennt Ansprechpartner wie den behandelnden Arzt. Der Ausweis passt ins Portemonnaie oder kann griffbereit auf dem Nachttisch liegen.

Für wen ist der Ausweis gedacht?
In erster Linie richtet sich der Notfallausweis derzeit an Palliativpatienten, wie Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke betont. "Aber natürlich ist er für jeden interessant, der sich für den Notfall absichern möchte - genau wie bei einer Patientenverfügung." Martin Neukirchen betont, für viele Patienten sei es wichtig, zu wissen, dass im Ernstfall ihre Wünsche bekannt sind und respektiert werden.

Was genau steht auf dem Ausweis?
Der Ausweis enthält die Namen und Daten des Patienten und des gesetzlichen Betreuers oder des Vorsorgebevollmächtigten. Im Innenteil kann angekreuzt werden, welche Behandlungen gewünscht sind - etwa die maximale Notfall- und Intensivtherapie und Mitnahme ins Krankenhaus, der Verzicht auf Herz-Lungen-Wiederbelebung und Beatmung oder der Wunsch, nur lindernde Maßnahmen zu erhalten. "Der Ausweis ist sehr differenziert", lobt auch Martin Zodrow, Ärztlicher Leiter des ambulanten Palliative Care Teams. Entscheidend für die Gültigkeit ist die Unterschrift des Patienten.

Brauche ich trotzdem zusätzlich einen Organspendeausweis?
Ja, bisher gibt es keine Möglichkeit, alle diese Wünsche und Verfügungen digital auf einer Karte zu speichern.

Gilt der Notfallausweis auch außerhalb Düsseldorfs?
Das ist schwierig. In Düsseldorf werden über den Runden Tisch Palliativmedizin alle Palliativstationen informiert und ausgestattet, auch die Rettungsdienste sollen durch die Feuerwehr informiert werden. In anderen Städten kann aber nicht garantiert werden, dass der Ausweis dort bekannt ist - und jemand danach sucht.

(RP)
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