Düsseldorf: Nie war Weihnachten veganer

Düsseldorf : Nie war Weihnachten veganer

Der Andrang beim Veganen Weihnachtsmarkt im Bürgersaal im Stadtteilzentrum Bilk war gigantisch. Schon nach zwei Stunden war von Keksen ohne Eier und Butter sowie Kakao aus Mandelmilch kaum noch etwas übrig.

Die gute Nachricht: Man kann auch ohne Tierprodukte wie Butter oder Eier Weihnachtsplätzchen, Waffeln und Weckmänner backen, die richtig lecker schmecken. Die schlechte Nachricht: Beim ersten Veganen Weihnachtsmarkt im Bürgersaal des Stadtteilzentrums Bilk war der Andrang gestern so groß, dass von der komplett ohne Tierprodukte hergestellten Pracht schon nach rund zwei Stunden kaum noch etwas übrig war.

Auf vielen Tellern lagen nur noch ei- und milchfreie Krümel, die man zum dampfend heißen Kakao (aus Mandelmilch) probieren konnte. Den allerdings brauchte man auch zum Aufwärmen, wenn man gerade eine halbe Stunde in der langen Warteschlange vor dem vollen Bürgerzentrum gestanden hatte. Angeboten wurden an den Ständen auch viele vegane Produkte für das Kochen zuhause - von Fertigsoßen bis zu Soja-Schnitzeln - und vegane Kleidung (ohne Pelz, Leder, Schafwolle oder Seide).

"Hätten wir geahnt, wie voll es hier ist, dann hätten wir auch die dreifache Menge mitnehmen können", sagt Birte Oppitz vom Café Carrot Cake, das an der Moltkestraße veganes Frühstück und ein wechselndes Kuchensortiment anbietet. Am Stand auf dem Veganen Weihnachtsmarkt hatten sie und ihre Mitstreiter rund 100 Packungen Kekse in kürzester Zeit an den Mann und die Frau gebracht, ebenso mehrere komplette Kuchen. Die Besucher seien bei weitem nicht nur Veganer gewesen, schätzt sie: "Viele waren auch neugierig und wollten sich informieren, was es so gibt."

Diesen Eindruck hatte auch Melina Matussik, die an einem kleinen Stand für ihre Webseite mit veganen Rezepten und Tipps warb. Ihre mitgebrachten Plätzchen kamen bei den Besuchern gut an. "Es ist nicht schwer, sich vegan zu ernähren", sagt die Neusserin, die seit mehreren Jahren auf Tierprodukte verzichtet. Am Anfang müsse man sich vielleicht umstellen, aber es gebe für Veganer viele interessante Alternativen: "Das ist regelrecht eine Entdeckungsreise."

Extra aus Recklinghausen angereist war Eva Eckhardt, seit zwei Jahren überzeugte Veganerin: "Der Weg hat sich gelohnt", sagt sie und zeigt strahlend auf eine Reihe voller Einkaufstaschen mit veganen Produkten. "Ich habe mich von einem Tag auf den anderen Tag umgestellt und stehe voll dahinter." Nur Kekse habe sie oft vermisst, nach Rezepten gesucht: "Dazu gab es heute eine Menge Anregungen."

"Als wir den Markt geplant haben, war dieser Ansturm noch nicht abzusehen", sagt Organisator Konrad Schnabel: "Aber die vegane Szene ist in diesem Jahr regelrecht explodiert." Vor einigen Jahren habe man zu ähnlichen Veranstaltungen die Besucher noch quasi mit dem Lasso einfangen müssen: "Und diesmal waren die Leute einfach nicht zu stoppen." Besonders sei klargeworden: "Die Leute möchten auf einem solchen Weihnachtsmarkt etwas kaufen, aber sie wollen vor allem auch etwas essen."

Das Fazit am Ende: Mindestens 1500 Besucher - viele satt und zufrieden, einige wegen der langen Wartezeiten auch geknickt. Zufriedene Aussteller (insgesamt waren 14 dabei), die nicht mehr viel wieder einpacken mussten. Und die Erkenntnis: Weihnachten geht auch ganz ohne Gans.

(RP)