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Nichts feiert Comeback im Stone in Düsseldorf

Konzerte in Düsseldorf : Hier gibt es Nichts zu sehen

Ein Geschenk für alle Fans von 80er-Jahre-Musik: Die ehemalige Neue-Deutsche-Welle-Band Nichts feiert im Stone ihr Comeback.

Der Irokese lebt. Zumindest vereinzelt ist der wohl rebellischste aller Frisurentrends anzutreffen auf der Ratinger Straße, vor dem Stone, dem ehemaligen Ratinger Hof, wo der Punk in Düsseldorf seine Geburtsstunde erlebte. Das ist gut 40 Jahre her, aber heute geht es noch einmal zurück in diese Zeit. Nichts spielt, jene Band, die Anfang der 80er Jahre eine kurze, aber eindrucksvolle Karriere hinlegte und bewies, dass zur Neuen Deutschen Welle eben nicht nur Nena, Trio und Hubert Kah, sondern auch vom Punk geprägte Bands wie DAF, Der Plan und Fehlfarben zählten.

Keine zwei Jahre dauerte der Erfolg, da trennte sich die Band schon wieder, nicht im Streit, aber man war sich unter dem von der Plattenindustrie erzeugten Erwartungsdruck schnell fremd geworden. Vor zehn Jahren dann die Neugründung, nur Bandkopf Michael Clauss, der inzwischen bereits die 60 überschritten hat, ist noch von der alten Truppe übrig, statt Andrea Mothes ist Sabine Kohlmetz jetzt die neue Frontfrau und Sängerin.

An diesem Abend im Stone ist kaum einer unter 50. Das Bier wird vorzugsweise aus der Flasche getrunken. Es ist dunkel, warm, voll und entsprechend eng. Die Treppe runter zum Klo ist halsbrecherisch, die Luft stickig. Ganz so wie früher im Ratinger Hof, als ZK, die Vorgängerband der Toten Hosen, hier ihr erstes Konzert spielte. Einmal zurück ins Gestern, als Musik noch eine aufwieglerische Botschaft hatte oder doch zumindest schonungslos den Ist-Zustand beschrieb, das ist es, was die Gekommenen von diesem Abend in der Altstadt erwarten. Einige haben sich längst dem Lauf der Zeit angepasst, ihr bürgerliches Äußeres lässt nicht auf ihre womöglich wilde Jugend schließen. Andere, wie gesagt, haben überhaupt nicht eingesehen, sich zu verändern. Zwar sind auch sie sichtbar gealtert, aber die Würde ist geblieben. Der Punk ist noch lange nicht tot.

Man hat sich ewig nicht gesehen, solche Konzerte bieten jedoch eine willkommene Gelegenheit, in die Vergangenheit einzutauchen. In einer Ecke gibt es Fan-Utensilien von Nichts: das T-Shirt für 20 Euro, Feuerzeuge je drei Euro, der Button kostet zwei Euro. Für alle, die mit diesem Begriff nichts anfangen können: Buttons sind kleine runde Plastik-Plaketten, die vorzugsweise den Schriftzug von Band-Namen tragen und die mit einer Art Sicherheitsnadel an der Jacke befestigt werden. Das trug man früher so, teilweise massenhaft.

Michael Clauss, den alle nur Meikel nennen und der mittlerweile hauptberuflich als Heilpraktiker und Homöopath arbeitet, sowie Sabine Kohlmetz holen ihre Freunde persönlich an der Tür ab, aufgehalten werden sie nicht, die meisten erkennen die beiden nicht. Drinnen läuft „Grauschleier“ von Fehlfarbens berühmtem Album „Monarchie und Alltag“, natürlich laut. Heute Abend ist keiner gekommen, um sich nett zu unterhalten. Meikel, Sabine und die anderen haben sich irgendwie verquatscht, es ist schon 21.30 Uhr, und auf der Spielfläche (eine Bühne existiert im Stone nicht) tut sich immer noch nichts.

Dann geht es endlich los, der Film von Nichts wird vorgestellt, den hat Tobias Cremer, der Manager der Band, gemacht. Er beschreibt die Geschichte, den Werdegang der Formation, es gibt viele Konzertmitschnitte und Interviews. Und auch der Wiedersehensfeier der einzelnen Ur-Bandmitglieder, die sich teilweise mehr als 30 Jahre lang nicht über den Weg gelaufen sind, wird Platz eingeräumt. Die wird dann vor Konzertbeginn noch einmal nachgestellt, Chris Scarbeck, der erste Bassist der Band, ist extra aus Texas angereist. Wie er und Chris sich denn kennengelernt hätten, wird Meikel gefragt. „Bei einer Schlägerei, wir waren beide sechs.“ Ja, so war das damals.

Mit dem Bandnamen lassen sich so viele schöne Wortspiele kreieren. „Hier gibt es Nichts zu sehen“ oder „Das wird Nichts“ oder „Ist das etwa Nichts?“ oder „Das war ja wohl Nichts“. Das ist Strategie, bleibt es doch in der Erinnerung haften. Und das wird wohl auch dieser Abend, Nichts spielt ein Potpourri aus den Alben „Made in Eile“ (entstand innerhalb von zwei Wochen), „Tango 2000“ und dem neuesten Werk „Zeichen auf Sturm“, die neben dem Ohrwurm „Radio“ auch so schöne Lieder wie „10 Bier zuviel“ oder „Hallo Kartoffelsalat“ enthalten.

Alles geht gut und großartig nichts zu Bruch, Nichts macht „richtig Druck“, wie Meikel immer zu sagen pflegt, und einen Tag später setzten sich alle noch mal zum Weihnachtsessen zusammen und reden über das Konzert und die gute alte Zeit, als Nichts durch einen Auftritt in der Musiksendung Bananas über Nacht berühmt wurde, Platten wie Heu verkaufte und das Bankkonto der Musiker sich füllte. „Es war eine geile Zeit“, sagt Meikel, „aber die Gegenwart macht auch Bock.“