Düsseldorf: Neun Förderschulen droht das Aus

Düsseldorf : Neun Förderschulen droht das Aus

Das Land will Schulen für Behinderte schließen, um die Inklusion zu fördern. Kritiker sagen: Das ist verfrüht und schadet den Kindern.

Pläne der Landesregierung bedrohen mehrere Förderschulen in Düsseldorf. Ein Gesetzentwurf, durch den Rot-Grün die Inklusion vorantreiben will, also das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung, sieht das schnelle Aus für viele Einrichtungen landesweit vor.

Betroffen wären in Düsseldorf mindestens neun Schulen (siehe Grafik). Darunter befinden sich zwei für hörgeschädigte und eine für sehbehinderte Kinder, die ab 2014 keine neuen Schüler mehr aufnehmen sollen. Bereits ab dem nächsten Schuljahr droht außerdem sechs der sieben Förderschulen für lernbehinderte Kinder das Ende.

Das geplante Gesetz sorgt an Schulen und in Fachgremien für heftige Diskussionen. Es soll bewirken, dass bald viel mehr behinderte Kinder als bisher eine Regelschule in der Nähe ihres Wohnorts besuchen. Kritiker warnen, dass die Schulen noch nicht darauf vorbereitet sind, eine größere Anzahl von geistig oder körperlich behinderten Kindern in den regulären Schulklassen ausreichend zu fördern. "Ich unterstütze den Gedanken der Inklusion", sagt zum Beispiel Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). "Aber wir müssen erst die nötige Infrastruktur aufbauen."

Es gebe viel zu wenige Sonderpädagogen an den Regelschulen, auch die nötige Ausstattung sei noch nicht angeschafft. Sie wirft der Landesregierung vor, einfach Fakten schaffen zu wollen. "Das geht zu Lasten der Kinder." Auch CDU-Ratsfrau Sylvia Pantel protestiert. "Die Pläne sind unausgegoren." Durch die Schließung gehe geballtes pädagogisches Wissen verloren. Zugleich würden die Regelschulen schlecht ausgestattet, weil Rot-Grün Geld sparen wolle.

Dass die Inklusion kommt, ist keine Entscheidung des Landes — Deutschland hat sich 2006 mit einer UN-Konvention zur Teilnahme an dem Projekt verpflichtet, das Behinderten mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen soll. Die NRW-Landesregierung ist allerdings für die Umsetzung auch in Düsseldorf verantwortlich. Sie legt ein hohes Tempo vor: Noch bevor das neue Schulgesetz in Kraft tritt, sollen Förderschulen für Lernbehinderte, die eine Mindestgröße von 144 Schülern unterschreiten, mit einer Verordnung ab dem nächsten Schuljahr geschlossen werden — das würde sechs von sieben Schulen in Düsseldorf betreffen. Mit dem Gesetz sollen später weitere Förderschulen mit anderem Schwerpunkt folgen.

Die Förderschulen sind in Aufregung. "Das ist ein massiver Eingriff in die Sonderpädagogik", sagt Peter Zerfaß, Leiter der Alfred-Herrhausen-Schule für lernbehinderte Schüler, die als einzige nicht von der Schließung bedroht ist. Dabei, so meint der Schulleiter, laufe die Inklusion bislang nicht immer, wie es die Eltern der behinderten Kinder bei der Anmeldung gewünscht hatten. "Wir erleben in letzter Zeit häufiger, dass Kinder an die Förderschulen zurückkehren." Dies würde durch die Schließungen erschwert.

Die Förderschulen wollen versuchen, sich zu Schulzentren zusammenzuschließen, um möglichst viele Einrichtungen zu retten. Die Zeit drängt: Bis März muss eine Entscheidung getroffen werden. Ob das Gesetz wie geplant kommt, ist nicht entschieden — der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der NRW-Städtetag, die auch die Interessen der Stadt Düsseldorf vertreten, haben Bedenken geäußert.

(RP/ila)
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