22-Jährige legt Geständnis ab: Neugeborenes unter Bettdecke erstickt

22-Jährige legt Geständnis ab : Neugeborenes unter Bettdecke erstickt

Düsseldorf (dto). Sie ist 22 Jahre alt, arbeitslos, hat schon drei Kinder geboren, allesamt ungeplant. Seit Donnerstag muss sich eine junge Mutter aus Dormagen vor dem Landgericht für den Tod ihres zweiten Sohnes verantworten. Laut Anklage hat sie das Kind direkt nach der Geburt im Februar 2004 mit einer Decke und Reisetasche bedeckt, der Säugling erstickte. Gegenüber Ärzten, Polizei und Familie hielt sie Monate lang an ihrer Version von einer Scheinschwangerschaft fest. Vor Gericht legte sie nun ein Geständnis ab. Ihr Freund habe gedroht, sie im Falle einer Schwangerschaft zu verlassen, erklärte sie.

Mit 17 Jahren wurde die Angeklagte erstmals schwanger. "Ich war wohl etwas schlampig mit der Pille", so ihre Erklärung. Kinder wollte sie aber schon immer haben und so kam eine Abtreibung für sie nicht in Frage. Wenige Monate nach der Geburt ihres Sohnes Jeremy zog sie zu ihrem Freund nach Köln und wird erneut schwanger.

"Wir haben ab und an Kondome benutzt", beschrieb sie dem Gericht ihre "Verhütungsmethode". Ihrem Freund gegenüber behauptete sie jedoch, die Pille zu nehmen, denn er drohte ihr im Falle einer Schwangerschaft mit Trennung. Als ihre körperlichen Veränderungen nicht mehr zu übersehen waren, redete sie sich mit einer angeblichen Gebärmutterentzündung und einer Scheinschwangerschaft heraus. Die Krise in ihrer Beziehung ließ sich damit offenbar nicht beheben, im Januar 2004 brach der Kontakt zum Vater des Kindes ab.

Die Schwangere zog daraufhin mit ihrer Schwester zusammen, die sich offenbar eine engere Beziehung zum Sohn der Angeklagten hat als diese selbst. So richtete sich die Mutter auf einer Schlafcouch im Wohnzimmer ein, während Sohn Jeremy im Zimmer der Schwester schlief. Von der Geburt ihres zweiten Kindes am 1. Februar 2004 wurde die 22-Jährige nach eigenen Angaben wie aus heiterem Himmel überrascht. "Ich hatte mir einen Termin Ende März, Anfang April errechnet", sagte sie dem Gericht, "das Kind wollte sich dann wegzugeben, vielleicht in eine Babyklappe".

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Unbeobachtet will sie das Baby unter der Bettdecke auf dem Sofa zur Welt gebracht haben. Den Säugling wickelte sie dann in Handtücher, "gegen die Kälte", wie sie sagte, achtete noch darauf, das Gesicht freizulassen. Später versteckte sie das Kind unter der Bettdecke. "Mir war schon bewusst, dass es dann wenig Luft bekommt", räumte sie schließlich auf Nachfragen des Richters ein. Mutter und Schwester gegenüber verleugnete sie weiterhin, ein Kind geboren zu haben. Als sie jedoch im Wohn- und Badezimmer Blutspuren entdeckten und den Notarzt riefen, stürzte das Lügengebäude zusammen.

Im Krankenhaus fanden die Ärzte schnell heraus, dass die damals 20-Jährige gerade ein Baby zur Welt gebracht hat und alarmierten die Polizei. Die Beamten entdeckten das Neugeborene tot in einer Zimmerecke auf dem Boden, bedeckt von einer Decke und einer Tasche. "Ich weiß nicht, wie das Kind dahin kam", erklärte die Angeklagte, die vor den Ermittlern behauptet hatte, das Kind im Bett gelassen zu haben.

"Sie müssen im Krankenhaus doch an das Kind gedacht haben, dass es versorgt werden muss", fragte ein sichtlich um Verständnis ringender Richter. "Ich weiß nicht mehr, was ich gedacht habe, es ist schon so lange her", antwortete die Angeklagte, räumte dann jedoch ein, dass ihr die Bedrohlichkeit der Situation durchaus bewusst gewesen sei. Mit ihrer Tat habe sie erst nach der Geburt ihres dritten Sohnes im Juli 2005 angefangen sich auseinanderzusetzen. "Ich bin traurig, wenn ich denke, wie alt er jetzt wäre", erklärte die um Fassung ringende Mutter.

Für den Prozess sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Bei einer Verurteilung drohen der 22-Jährigen bis zu 15 Jahre Haft. Weil sie zum Tatzeitpunkt erst 20 Jahre alt war, muss das Gericht prüfen, ob die Frau nach Jugendstrafrecht verurteilt wird. Die Angeklagte hat bereits zwei Kinder. Eines hat sie zur Adoption freigegeben, das andere lebt in einer Pflegefamilie.

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