Düsseldorf: Neues Wohnprojekt für Wersten geplant

Düsseldorf : Neues Wohnprojekt für Wersten geplant

Unterschiedliche Lebensmodelle, mehrere Generationen, eine Adresse: In Wersten soll bis Anfang 2017 nach diesem Modell ein Komplex mit 46 Wohnungen entstehen.

Noch ist eine gute Portion Fantasie erforderlich, um sich vorzustellen, wie es an diesem Ort in zwei Jahren aussehen soll. Denn noch steht an der Langenfelder Straße in Wersten ein heruntergekommener, leerstehender Gebäudeklotz, dessen Mieter ihre Wohnungen längst verlassen haben. Aber bald soll hier die Zukunft in den Himmel wachsen. Eine Gruppe tatkräftiger Düsseldorfer, voran die Architektin Lis Arntraud Dieterich, wollen eine Wohnungsgenossenschaft gründen und eine Idee verwirklichen, die längst konkrete Formen angenommen hat: ein Wohnprojekt für Familien, Singles und Senioren - unterschiedliche Lebensmodelle, eine Adresse.

Eigentlich wollte Ralph Brüning (66), früher Ingenieur, jetzt Rentner, eine Eigentumswohnung kaufen für seine späten Jahre. Aber dann erfuhr er von "Agil" ("Alle gemeinsam in einem Wohnprojekt leben") und war sofort interessiert. "Bei diesem Projekt wird jeder zum Eigentümer, aber keinem gehört eine bestimmte Wohnung, sondern der Genossenschaft und damit allen Beteiligten gehört der gesamte Komplex."

Aber auch andere Vorteile haben ihn überzeugt: Die künftigen Bewohner können an der Planung mitwirken. Zudem reizt ihn die Nachbarschaft junger Familien mit Kindern, das Zusammenleben mehrerer Generationen.

Exakt 43 Wohnungen zwischen 48 und 105 Quadratmetern sollen auf dem städtischen Grundstück an der Langenfelder Straße entstehen. "Sobald die Genossenschaft ihren Bauantrag Anfang 2015 gestellt hat, wird mit dem Abriss des alten Wohnkomplexes begonnen", erläutert die Architektin Lis Arntraud Dieterich.

Im künftigen, Licht durchfluteten Garten entrollt sie ihre Pläne: dreigeschossige Bebauung, großzügige Balkone, Dachterrasse und Gäste-Appartement, beides können alle Bewohner nutzen, Gemeinschaftsräume zum Feiern und als Treffpunkt, üppige Spiel- und Grünflächen mit Hochbeeten und einem kleinen Hügel zum Schlittenfahren. Dazu eine ökologische Bauweise und ein spezielles Energiekonzept, Garant für geringe Nebenkosten.

Überhaupt die Kosten: Nach dem Prinzip der Genossenschaft zahlen die Mitglieder eine einmalige Summe, die sich nach der Wohnungsgröße richtet, von 700 Euro pro Quadratmeter. Die späteren Nutzungskosten sind nach Einkommen gestaffelt - es entsteht ein Mix aus geförderten und frei finanzierten Wohnungen. Dieterich: "Wer hier einzieht, braucht keine steigenden Mieten mehr zu befürchten." Im Gegenteil: Es ist vorgesehen, dass die monatlichen Kosten sinken, wenn das Darlehen getilgt sein wird. Wer sich doch für einen Umzug in eine andere Stadt entscheiden sollte, bekommt seine Einlage zurück.

Dass dieser Teil von Wersten nicht gerade als beliebte Wohngegend bekannt ist, stört die künftigen Bewohner offenbar nicht. Brüning, der gern auch andere von dem Projekt überzeugen möchte: "Das soziale Umfeld bist immer auch Du selbst!" Viel wichtiger sei es doch, dass dies ein gewachsener Stadtteil sei mit Geschäften, Arztpraxen und guten Verkehrsanbindungen, mit Schulen und Kitas. Der Rentner möchte in einem Haus leben, in dem man sich kennt, wo man sich gegenseitig auch mal hilft. "Ich würde gern Kindern Nachhilfeunterricht geben, in Naturwissenschaften bin ich immer noch ziemlich gut."

(RP)
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