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Neues Theater in Düsseldorf lädt zu Aufführungen im Hinterhof ein

Kultur in Düsseldorf : „Der eingebildete Kranke“ im Hinterhof

Mitten in der Pandemie hat sich „Galbeni Culture“ gegründet, um coronakonform in privaten Gärten oder Hinterhöfen Moliére-Inszenierungen aufzuführen. Das war ziemlich erfolgreich, sodass das Ensemble jetzt einfach so weitermacht.

Mitten im Lockdown, als die Kultur am Boden lag, die Schauspielhäuser geschlossen waren, Schauspieler nichts mit sich anzufangen wussten und Regisseure in Supermärkten Regale auffüllten, da gründete Angelina Galbeni ein neues Theater: Galbeni Culture. Mit gutem Grund, denn die Griechin hatte eine Idee. „Im Lockdown gingen auf einmal alle an der frischen Luft spazieren. Oder die Menschen verbrachten viel Zeit auf dem Balkon. Da dachte ich mir, diese Situation könnte man doch auch für das Theater nutzen, Stücke im Hinterhof oder Garten aufführen, und das Publikum schaut vom Balkon aus zu.“

Über Facebook suchte sie Schauspieler, rund 20 sagten zunächst zu. „Es war natürlich klar, dass wir keinen Eintritt nehmen, sondern allenfalls nach einer Aufführung um eine kleine Spende bitten konnten“, sagt Galbeni. Dennoch waren es am Ende acht Schauspieler und Schauspielerinnen, die unbedingt mitmachen wollten und so das neue Ensemble bildeten. „Die Sehnsucht, endlich das zu machen, was man kann, seinen Beruf ausüben zu dürfen, war groß“, erzählt die 34-Jährige. Früher in Griechenland stand sie selbst noch oft auf der Bühne, seit ihrer Rückkehr nach Düsseldorf 2016, wo Angelina Galbeni auch ihre Kindheit verbracht hat, beschränkt sie sich aber auf die Regie.

 Moliéres Klassiker „Der eingebildete Kranke“ hat Angelina Galbeni in eine moderne Fassung transferiert.
Moliéres Klassiker „Der eingebildete Kranke“ hat Angelina Galbeni in eine moderne Fassung transferiert. Foto: Marc Ingel/Marc Ingel / privat
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Ein Stück war schnell gefunden: „Der eingebildete Kranke“ von Moliére , allerdings in einer modernen, an die Outdoor-Verhältnisse angepassten und und amüsanten Variante, bei der Hypochonder Argan seine Selbst-Diagnosen vor allem googelt. „Wir haben keine große Werbung gemacht, nur ein bisschen über Facebook“, erzählt die Intendantin. Dennoch wurde das Ensemble gut gebucht, letztlich kamen 18 Aufführungen in Hinterhöfen und Gärten zusammen. Geprobt wurde in Galbenis Bilker Wohnung („Dafür habe ich dann alle meine Möbel weggeräumt.“) oder allenfalls mal im Park.

Die Resonanz sei größtenteils überwältigend gewesen, schwört Angelina Galbeni. Ein Erlebnis ist ihr dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Mutter und Tochter schauten zusammen aus einer Erdgeschosswohnung zu; die Mutter ist eigentlich schwer an Alzheimer erkrankt. Sie hat aber sofort erkannt, dass es sich um Moliére handelt und konnte ihrer Tochter Einzelheiten über das Stück berichten.“ Am Ende haben beide geweint. Und da das Theater-Experiment so gut funktionierte, machte Galbeni Culture auch nach dem Ende des Lockdowns einfach damit weiter. Drei freie Termine gibt es jetzt noch im Oktober, ehe das Wetter wohl nicht mehr mitspielt.

Die Zuschauer ließen sich in drei Gruppen einteilen, sagt die Regisseurin: echte Theaterfreunde, Menschen, die auch vor dem Lockdown kaum vor die Tür gekommen sind und die ein solches Schauspiel umso mehr genossen haben, und Laien, die eigentlich mit Kultur nur wenig am Hut haben, sich aber (zunächst sicher auch mangels Alternative) haben mitreißen lassen. Inzwischen will sich Galbeni natürlich nicht mehr nur auf die Hinterhof-Aufführungen beschränken. „Klar, ich träume von einer festen Bühne. Es gab auch schon Gespräche, aber noch ist nichts spruchreif.“

Doch selbst wenn nun der Herbst kommt und das Theatererlebnis unter freiem Himmel nicht mehr möglich sein wird, langweilig wird Angelina Galbeni bestimmt nicht, denn sie hat noch diverse weitere Eisen im Feuer. Ein Kinderbuch hat sie geschrieben und dafür auch schon einen Verlag gefunden. In „Der schüchterne König“ ist Platon der Protagonist, tatsächlich geht es auch um Philosophie, für Kinder wohlbemerkt.

Außerdem will die Theaterpädagogin wieder mit ihrem mobilen Kindertheater auf Tour gehen, zur Aufführung kommt das Stück „Die verwirrte Märchenfigur“. Und wenn dann wirklich noch Zeit übrig ist, gibt Galbeni auch online Schauspiel- und Fremdsprachunterricht: Deutsch, Italienisch, Griechisch, Englisch.

Doch irgendwie ist sie nun vor allem auf das Theater fixiert. „Es wäre natürlich toll, wenn dieses so spontan gegründete Ensemble zusammenbleiben könnte und wir ein echtes Zuhause, eine eigene Bühne, finden würden“, sagt Galbeni, die sich selbst als grundsätzlich optimistischen Menschen beschreibt. „Gerade im Lockdown haben wir zu lange Schwarz gesehen, waren zu pessimistisch. Dabei hat das Theater immer Mittel und Wege gefunden, zu überleben und die Zuschauer zu erreichen, man darf nie verzagen. Das Hinterhof-Theater war für uns das Licht am Ende des Tunnels. Darauf lässt sich nun aufbauen“, sagt die 34-Jährige.