Düsseldorf: Neues Netzwerk für Flüchtlingshilfe

Düsseldorf : Neues Netzwerk für Flüchtlingshilfe

Die linksrheinischen Kirchen und sozialen Einrichtungen haben sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie den "neuen Nachbarn" das Leben in den Gemeinden erleichtern.

Alle wollen den Flüchtlingen helfen, wissen aber nicht wie. Die linksrheinischen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden, Vertreter von Caritas, Diakonie und engagierte Pfarrmitglieder haben sich vorgenommen, das zu ändern. Auf Einladung des katholischen Pfarrers Michael Dederichs trafen sich 22 Personen aus den jeweiligen Einrichtungen zu einem Runden Tisch im Oberkasseler Canisiushaus. Mit im Boot die linksrheinische Politik, Diakoniepfarrer Thorsten Nolting und Heinz-Werner Schnittker, Vorsitzender des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM). Ziel der Zusammenkunft: Aus dem Laienhaften herauszukommen und gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie die Flüchtlinge als "neue Nachbarn" in die Gemeinde integriert werden können. "Wir wollen das wirklich gute Engagement der Bürger nicht verlieren, sondern in richtige Bahnen lenken", erklärte Pfarrer Nolting. Bezirksvorsteher Rolf Tups gab zu Bedenken, dass "wir uns zunächst um eine Struktur bemühen und in Erfahrung bringen müssen, wie viele Flüchtlinge zu uns ins Linksrheinische kommen und welche Nationalitäten sie haben."

Unter der Federführung von Annemarie Zimmermann-Puric, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, soll zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht werden. Geklärt werden sollen die Fragen: Was haben wir, was können wir anbieten? Wie organisieren wir die Hilfe? Dabei geht es vor allem darum, nicht nur Wohnraum für die Flüchtlinge zu schaffen, sondern sie aus ihrem Umfeld herauszuholen und in die Gemeinschaft einzugliedern. Beispielsweise in Sport- und Schützenvereinen, zu denen ebenso Kontakt aufgenommen werden soll wie zu Wohnungsbaufirmen. Auch ein "Lotsendienst" wurde angesprochen, der die Flüchtlinge zu Ämtern begleitet. Einig waren sich die Teilnehmer, dass Deutschkurse für die Eltern und ein Spielzimmer für die Kinder ein erster Ansatz sein sollten. Räume dafür könnten die kirchlichen Gemeindezentren zur Verfügung stellen. Auch Lagerräume für Sachspenden. Pfarrer Dederichs: "Wir stellen ein nicht genutztes Seitenschiff der St. Annakirche zur Verfügung." Dort könnten sich die Flüchtlinge wie in einer Boutique einkleiden. Erwartet wird aber auch, dass die Flüchtlinge aus ihren Unterkünften herauskommen und sich bemerkbar machen. So wissen zwar viele, dass es in Oberkassel ein Flüchtlingsheim mit 180 Asylanten gibt, die teilweise schon sechs Jahre dort leben. Doch für die Bevölkerung sind sie "unsichtbar". Einzig die evangelische Kirche, der Rotaryclub und die Niederkasseler Grundschule haben von Zeit zu Zeit Kontakt zu ihnen. "Es herrschen dort ärmliche Verhältnisse", sagte Rolf Röttges von der Vinzenzkonferenz, der die Flüchtlingskinder zu Weihnachten beschenkte. "Die Menschen besitzen rein gar nichts."

(RP)