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Neues Bordell von Bert Wollersheim: In Rath geht jetzt das Rotlicht an

Neues Wollersheim-Bordell : In Rath geht jetzt das Rotlicht an

Bei einem Tag der Offenen Tür stellt Bert Wollersheim das neue Großbordell den Nachbarn vor. Am Mittwoch ist Eröffnung.

Eigentlich saß Franz Maehs ja schon an der Bar, doch eine Sache, die will er doch noch loswerden. Er geht herüber zu Sabrina Päsch, so etwas wie die Empfangsdame im "Oceans" und zuständig für die "psychologische Betreuung der Mädchen", wie sie ihre Aufgabe beschreibt.

"Was ist mit den Wahnsinnigen", fragt er, was also, wenn einer kommt, und ein "Mädchen verhauen oder umbringen will?" Ja, puh, es gebe ja einen Sicherheitsdienst hier, sagt Frau Päsch, die sich eigentlich Sabrina Ceccherini nennt, ein Buch über ihr Leben als Stewardess geschrieben hat und einige Jahre mit dem Leadsänger der Punkband Fehlfarben zusammen war. Maehs macht sich ernsthaft Sorgen. Ob man nicht besser einen Alarmknopf in den Zimmern angebracht hätte, für den Notfall. Päsch schüttelt den Kopf.

Viele Fragen bleiben an diesem Tag der Offenen Tür im neuen Großbordell in Rath. Etwa die, woher das Geld kommt, mit dem der Umbau des Gebäudes finanziert wurde, oder was das Ganze gekostet hat. Bert Wollersheim, der freundlich Nachbarn und — sagen wir mal — Geschäftsfreunde begrüßt, jeden herumführt und sich fotografieren lässt, antwortet dann, dass ja auch die Bundestagsabgeordnete für den Düsseldorfer Norden, Sylvia Pantel, hiergewesen sei. Das hört sich dann so an, als habe Pantel ihren Segen gegeben, alles überprüft, aber natürlich ist das Quatsch. Man weiß nicht viel über die Leute im Hintergrund, klar ist, dass sie ziemlich viel Geld in die Hand genommen haben, um den Laden auszustatten.

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Der ist groß, üppig und sehr direkt. Ein riesiger Barbereich mit weißen Sofas und Lounges. Eine Showbühne mit goldenen Tanzstangen, Fliesen in Metalloptik, Wandgemälde mit barbusigen, lasziv blickenden Frauen, die unter akutem Männermangel zu leiden scheinen. In einer Ecke stehen Skulpturen, die ebenfalls nackte Frauen darstellen, golden und perlmuttfarben, Sauna, Dampfbad, Hamam, Salzgrotte, nur ein Pool fehlt. Den wollte Wollersheim ja draußen haben, doch, weil er keine Genehmigung hatte, musste er in wieder zuschütten. Deshalb sind die Außenanlagen auch noch nicht fertig, "ist ja eh jetzt Winter", sagt er.

Eine Soziologiestudentin ist mit ihrer Mutter und der 78-jährigen Oma gekommen. Sie sei noch nie in einem Bordell gewesen, sagt die Frau, die sich von einer Service-Kraft führen lässt. Außer bei ihrer Besichtigung von Pompeji. Da habe sie Ruinen gesehen. Auch Iris Lieb, die mit ihrer Freundin Doris Schneider nach Rath gekommen ist, zeigt sich beeindruckt. Unbedingt wollten die Frauen das einmal sehen. Wollersheim zeigt ihnen die Zimmer, in denen sich die Prostituierten mit den Freiern zurückziehen sollen.

Es kommen viele Frauen zum Tag der Offenen Tür. Sie schlendern durch den Barbereich, bewundern die Salzgrotte und die Sauna, öffnen die Türen zum Massagebreich und werfen einen Blick in den Kinosaal, wo Matratzenlager zum Stelldichein bitten. Dunkel ist es, klar, doch eigentlich könnte der Laden auch eine Diskothek sein, "viel besser wäre das", sagt etwa Bettina Skaletz, die 400 Meter entfernt wohnt. Frau Skaletz sorgt sich natürlich ein wenig. Darum, dass das Bordell kriminelles Milieu anzieht, Drogen, Straßenstrich, das alles. "Wenn hier einfach nur der Betrieb läuft, habe ich aber nichts dagegen", sagt sie.

Wollersheim lässt sich derweil von Fans fotografieren. Dann ein bisschen Smalltalk: Es geht um den Prozess, der ja immer noch am Landgericht läuft. "Schön, dass sie nichts damit zu tun hatten, Herr Wollersheim," muntert ihn ein Herr im beigen Parka auf. "Passen Sie mal auf. Da kommt nichts bei raus. Hier wurden nur Existenzen zerstört", antwortet der. Seine Frau soll er schön grüßen, doch die ist inzwischen auch schon da. Sophia Vegas Wollersheim posiert an einer Lichtsäule im Barbereich für Fotografen, hohe Schuhe, ein bemitleidenswert kleines Hemdchen, blondiert.

Ein paar Männer an der Bar freuen sich über die Aktion, sie haben ansonsten ja auch alles gesehen. Bis auf "die Mädchen", die kämen morgen, sagt Wollersheim. Man weiß nicht, woher die rund 200 Frauen kommen, die hier "selbstständig" anschaffen sollen. Draußen stehen Autos, die auf ähnliche Clubs in NRW hinweisen. Und welche mit osteuropäischen Kennzeichen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2014: Wollersheim stellt Nachbarn Bordell vor