Krefelder Finanzskandal schwappt nach Düsseldorf: Neuer Kämmerer gerät unter Druck

Krefelder Finanzskandal schwappt nach Düsseldorf : Neuer Kämmerer gerät unter Druck

Manfred Abrahams, Finanz-Chef im Rathaus, gerät in Erklärungsnot, weil es zu seinen Krefelder Zeiten Missstände gab. Berge von unerledigten Gewerbesteuer-Akten wurden gefunden, teilweise Jahre alt. CDU und FDP stehen zu Abrahams, die SPD ist skeptisch.

Der neue Kämmerer im Düsseldorfer Rathaus, Manfred Abrahams, gerät drei Wochen nach seiner Vereidigung unter starken Druck. Während seiner Amtszeit in Krefeld, wo er bis vor drei Wochen Kämmerer war, hat es nicht nur eine ungerechtfertigte Zurückerstattung von 800 000 Euro an ein inzwischen pleite gegangenes Unternehmen, sondern auch noch weitere Missstände im Steueramt gegeben.

Abrahams selbst geht in Düsseldorf offen mit dieser Vergangenheit um und weicht dem Thema nicht aus, hieß es in der Politik. Gestern erklärte er der Rheinischen Post, er habe von diesen neuen Erkenntnissen über unerledigte Akten nichts gewusst und das erst jetzt, wie alle anderen auch, durch die Untersuchungen erfahren. Er räumt allerdings ein, das alles sei "der Alptraum eines jeden Kämmerers".

Im Krefelder Rathaus wird nun diskutiert, ob man den früheren Kämmerer Abrahams disziplinarisch belangen kann. Diese Frage wurde jetzt in einem Ausschuss angesprochen, der sich mit Belangen der Verwaltung beschäftigt. Unklar ist, ob es gewünscht und sinnvoll ist, und wenn ja: ob Krefeld das selbst anstrengt oder ob gar der neue Dienstherr, die Stadt Düsseldorf, dafür zuständig ist.

Die aufgrund der fehlerhaften Überweisung ausgelöste Untersuchung brachte zutage, dass man in den Fluren und Amtszimmern der Behörde regelrechte Berge von Akten unerledigter Gewerbesteuer-Fälle gefunden hat. Krefelds OB Gregor Kathstede räumte das jetzt vor Journalisten ein und sagte, offenbar seien die Mitarbeiter überfordert gewesen, aber das habe man nicht gewusst. Die Verantwortung für diese Zustände sieht der OB beim damaligen Behörden-Chef — das war Manfred Abrahams.

Nach Ansicht des Düsseldorfer CDU-Fraktions-Vorsitzenden Friedrich Conzen beeinflussen die neuen Erkenntnisse aus dem früheren Wirkungskreis Abrahams nicht die Einschätzung der Union. "Wir glauben nach wie vor, dass er das kann!", sagte Conzen, der außerdem Bürgermeister und enger Vertrauter von Oberbürgermeister Dirk Elbers ist.

Die FDP sieht das ebenso. 1. Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Fraktions-Chef Manfred Neuenhaus gaben ein klares Bekenntnis zu Abrahams ab und erklären, hinter ihm zu stehen.

In der SPD, die den Kämmerer allerdings auch nicht mitgewählt hat, kommt dagegen Skepsis auf. Abrahams müsse alles das erklären, was in Krefeld vorgefallen sei, sagte Fraktions-Chef Markus Raub. Für ihn seien die Missstände ein weiterer Punkt, der kritisch zu hinterfragen sei. Insgesamt sei die Sache bedenklich und werfe ein schlechtes Licht auf Abrahams, denn als zuständiger Dezernent sei er verantwortlich für das, was in seinem Fachbereich vorgehe.

Aber es gibt unter der Hand auch im bürgerlichen Lager schon zurückhaltende Äußerungen. Ein dazu gehörendes Ratsmitglied: "Wenn in Krefeld rauskommt, dass Abrahams das hätte wissen müssen, dann könnte er auch hier ein Problem bekommen."

Abrahams (51) hat seit den frühen 80er Jahren in der Krefelder Verwaltung gearbeitet und das Fach Finanzen, wie er selbst sagt, "von der Pike auf" gelernt. Zur Zeit arbeitet er sich in Düsseldorf in die Einzelheiten der hiesigen Finanzen ein. Außerdem hat Abrahams angekündigt, dass er in der nächsten Zeit alle Fraktionen besuchen und dort Stellung nehmen wird. An Sitzungen der CDU-Fraktion hat er bereits teilgenommen, demnächst will er bei der FDP sein.

(RP)
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