Düsseldorf: Neuer Job für Dezernent Kruse?

Düsseldorf : Neuer Job für Dezernent Kruse?

An einen ähnlichen Vorfall kann sich im Düsseldorfer Rathaus kaum jemand erinnern: Ein Oberbürgermeister wirft einem seiner Spitzen-Beamten öffentlich "krasses Versagen" vor.

Der Gescholtene stellt sich — ebenso öffentlich — gegen seinen Dienstherrn. Der Beigeordnete hat nicht etwa ein Parteibuch der rot-grünen Rats-Opposition, sondern ist Mitglied der FDP, dem Bündnispartner der CDU. All das ist vor einer Woche zwischen OB Dirk Elbers (CDU) und seinem Dezernenten für Wirtschaft, Gesundheit und Personal, Wilfried Kruse (FDP), so geschehen. Jetzt scheint eine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden. Kruse wird möglicherweise auf einen anderen Job wechseln. Es ist davon auszugehen, dass er nicht in der Nähe des Rathauses sein wird.

Auslöser des Streits waren die rund 2200 Überstunden des Gesundheitsamtsleiters Heiko Schneitler. Elbers warf Kruse vor, dies zugelassen zu haben, Kruse machte sich dafür stark, Schneitlers Amtszeit über die Pensionsgrenze hinaus zu verlängern — auch, um die Überstunden abzubauen. Es war der Höhepunkt eines Konflikts, der seit langem gärte. Begonnen hatte er, so ist auf den Rathaus-Fluren zu hören, als klar war, dass Kruse nicht Stadtdirektor werden würde.

Dieser Posten adelt im Reigen der Beigeordneten: Der Stadtdirektor ist der erste Stellvertreter des OB in dessen Funktion als Chef der Stadtverwaltung. Und Kruse hatte sich noch unter Elbers' Vorgänger Joachim Erwin darauf Hoffnungen gemacht. Doch als Stadtdirektor und Kämmerer Helmut Rattenhuber in Ruhestand ging, bekam sein Nachfolger Manfred Abrahams (CDU) auch den begehrten Zusatztitel.

Der Frust bei Kruse saß tief, und er zeigte das deutlich, indem er offen sein Interesse an Stellen außerhalb des Rathauses bekundete: Bei den Stadttöchtern Messe und Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) wollte er jeweils Geschäftsführer werden. Fraktionsübergreifend herrschte darüber Verwunderung. Das Verhältnis zwischen Elbers und seinem Beigeordneten wurde immer angespannter. Zumal der Rathaus-Chef vehement auf Loyalität pocht und für sein Misstrauen bekannt ist.

Dazu beigetragen hatte auch Kruses Position während der Hochphase der Schweinegrippe. Mit Gesundheitsamtschef Schneitler vertrat er ein rigides Kontrollkonzept, das bundesweit seinesgleichen suchte — und etliche Überstunden verursachte. Auch als Elbers, der die Kontrollen skeptisch sah, sie reduzieren wollte, hielt das Duo daran fest. Den Vorstoß, Schneitlers Amtszeit zu verlängern, empfand Elbers als weiteren Affront.

Und die FDP? Schwieg nach außen und trat intern als Schlichter auf. Schließlich galt es, den Dezernenten, der das Vertrauen seines Chefs verspielt hatte, gesichtswahrend aus der Schusslinie zu ziehen.

(RP)