Düsseldorf: Neue U-Bahn soll zwei Strecken fahren

Düsseldorf : Neue U-Bahn soll zwei Strecken fahren

Um die Linie 708 zu erhalten, soll die U71 "gesplittet" werden: Abwechselnd fährt ein Zug zur Heinrichstraße und einer nach Gerresheim. Das planen die Ampel-Parteien trotz großer Bedenken. Der Rheinbahn-Chef sagt: "Das wäre Harakiri."

Für den Erhalt der 708 greift die Politik massiv in den neuen Netzplan ein. Ein Jahr vor dem Start der Wehrhahn-Linie haben SPD, Grüne und FDP beschlossen, den Weg der neuen Linie U71 zu verändern. Sie soll als "Y-Lösung" nicht mehr nur zur Heinrichstraße (und bald weiter nach Rath) fahren, sondern an der Uhlandstraße in zwei Äste aufgespalten werden, die im Wechsel alle 20 Minuten bedient werden. Der andere Ast führt bis Gerresheim Krankenhaus, also zunächst über den Weg von U72 und U73.

Dies hat gestern der Verkehrsausschuss beschlossen. Neben den Ampel-Parteien stimmten auch CDU-Ratsfrau Annelies Böcker, ehemalige Bezirksvorsteherin in Düsseltal, und das Mitglied der Freien Wähler zu. Der Beschluss ist formal nur eine Empfehlung an den Rat; dieser muss am 30. Oktober entscheiden. Die geänderte Führung soll zunächst für ein Jahr gelten. In einem "transparenten Verfahren" soll geklärt werden, ob sich ein Weiterbetrieb lohnt. Verkehrsverwaltung und Rheinbahn befürchten, dass die Planänderung zu hohen Kosten und Problemen im Betrieb führt.

SPD, Grüne und FDP - die derzeit Verhandlungen über eine Koalition führen - reagieren mit der Entscheidung auf Proteste der Bevölkerung. Die Anwohner des Zooviertels beklagen, dass mit dem Aus für die 708 die Direktverbindung zum Hauptbahnhof wegfallen würde. Diese wird nun erhalten. Nach dem Hauptbahnhof soll die 708 weiterfahren bis zum Polizeipräsidium. Dadurch soll auch der Takt auf dieser Strecke verdichtet werden. Die Politik hofft, dass die 708 später von Düsseltal aus bis zur Fachhochschule in Derendorf verlängert werden kann und dadurch neue Fahrgastpotenziale erschlossen werden.

Im Ausschuss spitzte sich der Konflikt zwischen den Ampel-Parteien auf der einen und Verkehrsdezernat sowie Rheinbahn auf der anderen Seite zu. Die Politik wirft den Verantwortlichen vor, einen Erhalt der 708 trotz des Auftrags der Politik in den vergangenen Jahren nicht ernsthaft geprüft zu haben.

Verkehrsdezernent Stephan Keller und Rheinbahn-Vorstand Dirk Biesenbach bestritten diesen Vorwurf - und baten vergeblich, das Vorhaben noch einmal gemeinsam zu diskutieren. "Dieser Plan wäre Harakiri", sagte Rheinbahn-Vorstand Biesenbach. Die Rheinbahn befürchtet Mehrkosten von zwei Millionen Euro allein für Fahrzeuge auf der Linie 708, außerdem Probleme im Betrieb und eine Verwirrung der Fahrgäste. Auch der Dezernent lehnt die Splittung ab. Man habe die Idee bereits vor zwei Jahren verworfen - damals mit einer breiten Mehrheit, zu der auch die heutigen Ampel-Partner gehörten.

(RP)
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