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Testverfahren in Düsseldorf: Neue Therapien gegen Brustkrebs

Testverfahren in Düsseldorf : Neue Therapien gegen Brustkrebs

Düsseldorfer Wissenschaftlerin entwickelte ein Testverfahren, um herauszufinden, wie es zur Bildung von Metastasen kommt.

Trotz deutlicher Fortschritte gilt Brustkrebs immer noch als eine der großen Herausforderungen in der Medizin. Von den 75 000 Frauen, die jedes Jahr bundesweit erkranken, stirbt jede vierte - und zwar nicht an dem ursprünglichen Tumor, sondern an Metastasen, die sich später entwickeln. "Brustkrebs streut kontinuierlich Tumorzellen in den Blutkreislauf", erläutert Tanja Fehm, Ärztliche Direktorin der Frauenklinik.

Diese zirkulierenden Zellen und ihre gefährliche Wirkung sind ihr Spezialgebiet. Soeben wurde ihre Forschung mit 20 000 Euro von der Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post unterstützt.

Warum entwickeln sich bei einer Patientin Metastasen und bei einer anderen nicht? Diese Frage sei bis heute ungeklärt, so die Professorin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Aber es sei wahrscheinlich, dass die zirkulierenden Zellen die Auslöser sind. "Früher dachte man, dass die Krebszellen erst zu einem späten Stadium der Erkrankung in die Blutbahn gelangen, heute wissen wir, dass das schon sehr früh geschieht."

 Tanja Fehm erforscht die Entstehung von Metastasen bei Brustkrebs, um bessere Therapien entwickeln zu können.
Tanja Fehm erforscht die Entstehung von Metastasen bei Brustkrebs, um bessere Therapien entwickeln zu können. Foto: Bernd Schaller
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Im Tierexperiment wurde nachgewiesen, dass ein Tumor jeden Tag rund zwei Millionen Krebszellen auf die Reise schickt. Allerdings sterben 90 Prozent gleich wieder ab, bei anderen Zellen wird erst in 20 Jahren das aggressive Potenzial wach. "Nur jede tausendste Zelle hat die Eigenschaft, Metastasen zu entwickeln", sagt Tanja Fehm, "und wir wollen wissen, welche das sind und ob ein Mechanismus erkennbar ist."

Bisher wurden ausschließlich amerikanische Testverfahren eingesetzt, um die zirkulierenden Zellen zu erkennen und zu charakterisieren. Fehm: "Allerdings konnten wir damit nur die Zellen herausfischen, die ganz bestimmte Antennen auf ihrer Oberfläche haben. Alle anderen blieben für uns unsichtbar."

Aber gerade die, so die neuesten Erkenntnisse, könnten das aggressive Potenzial in sich tragen. Fehms Forschungsgruppe ist nun gelungen, ein neues Testverfahren zu entwickeln, um die bisher unsichtbaren Zellen aus dem Blut zu isolieren und zu untersuchen.

Dazu werden zurzeit die Blutproben von 50 Brustkrebs-Patientinnen, bei denen sich Metastasen entwickelt haben, analysiert. Durch eine genaue Charakterisierung der zirkulierenden Zellen will Tanja Fehm Rückschlüsse auf die individuellen Eigenschaften der Metastasen ziehen. Denn erst wenn deren genetische Veränderung bekannt ist, wird es möglich sein, genauere Prognosen darüber zu treffen, wie sich die Krankheit entwickeln wird.

Das große Ziel: "Wirksamere Therapien zu entwickeln, die die Oberflächen der Zellen direkt angreifen." Heute würden viele Frauen übertherapiert, um ganz sicher zu gehen "und weil es eine so individuelle Therapie, wie wir sie anstreben, noch nicht gibt." Die Vision der Wissenschaftlerin ist, nur durch eine Blutuntersuchung herausfinden zu können, welche Behandlung für die jeweilige Patientin optimal ist.

Die zirkulierenden Zellen siedeln sich besonders häufig im Knochenmark an, offenbar ein Ort, der ihr Wachstum begünstigt. Doch Studien haben schon in den 1990er Jahren gezeigt, dass Medikamente, die die Knochen stärken und beispielsweise gegen Osteoporose wirken, die Tumorzellen bremsen. Die Forschungsgruppe von Tanja Fehm hat dafür eine Erklärung gefunden: "Diese Medikamente scheinen das Wachstumsklima in den Knochen so stark zu beeinträchtigen, dass sich die Krebszellen dort nicht mehr wohl fühlen."

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(RP)