Weniger Beschwerden über Gestank: Neue Tests in Neusser Ölmühle

Weniger Beschwerden über Gestank : Neue Tests in Neusser Ölmühle

Die Ölmühle Sels im Neusser Hafen hat ihre Umbauarbeiten abgeschlossen. Die Beschwerden aus Düsseldorf sind zurückgegangen. Messungen des Umweltamtes sollen die Fortschritte nun belegen.

Ab Dienstag findet in der Ölmühle Sels ein umfangreiches Messprogramm statt. An verschiedenen Stellen der Mühle entnehmen Techniker Proben, die später im Labor ausgewertet werden. Mit konkreten Ergebnisse ist frühestens in zwei Wochen zu rechnen. Die Umbauarbeiten, die die Verantwortlichen des Neusser Unternehmens seit Mitte Oktober durchgeführt haben, sind nun abgeschlossen. Ob das Geruchsproblem damit endgültig beseitigt ist, müssen die Messergebnisse zeigen.

Von August bis Oktober hatten sich die Beschwerden von Anwohnern im Linksrheinischen gehäuft. Düsseldorfer aus den Stadtteilen Heerdt, Oberkassel, Niederkassel und Derendorf monierten, dass die Ölmühle der Firma Sels einen fauligen Geruch verströmt. Das Werk im Neusser Hafen stellt Speiseöle und Fette für den Lebens- und Futtermittelgebrauch her. Bis zu 500.000 Tonnen Ölsaaten werden in dem Familienbetrieb, der heute in vierter Generation geleitet wird, pro Jahr verarbeitet.

Millionenbetrag investiert

Vor rund einem Monat ergab ein Gutachten des Landesumweltamtes, dass die Dämpfe, die bei der Ölsaaten-Produktion freigesetzt werden, zu schwefelhaltig seien. Daraufhin optimierten Produktionsleiter Fernando Santos und sein Team zunächst einen Bio-Filter, der die beißenden Gerüche im Kamin der Mühle absorbiert.

In einem zweiten Schritt wurden die Abluftströme mit einer alkalischen Natronlauge gesäubert und ein zusätzlicher Wäscher in die Produktionsanlage eingebaut. Die aufwändigen Reinigungsarbeiten, die die Verantwortlichen in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt des Rhein-Kreis-Neuss durchführten, erforderten Anfang November die vorübergehende Stilllegung des Betriebs.

Auf RP-Anfrage betonte der Geschäftsführer der Ölmühle, Winfried Dallmann, "bislang alles unternommen zu haben, was in seiner Macht steht". Ziel sei es, mit der "modernsten Abluftreinigung, die in einem Industrieunternehmen denkbar ist", zu arbeiten. In den vergangenen fünf Jahren habe die Firma einen zweistelligen Millionenbetrags in den Umbau der Mühle investiert. Dem Ergebnis der Messungen blickt Dallmann deshalb optimistisch entgegen. Spätestens in der zweiten Dezemberwoche setzt er sich mit Umweltdezernent Karsten Mankowsky an einen Tisch und klärt alle offenen Fragen.

Auch Mankowsky ist optimistisch: Der Umweltdezernent weiß um die Bemühungen der Firma und stellte in den vergangenen Wochen fest, dass sich kaum noch Anwohner über faulige Gerüche beschweren. "Eine geruchsfreie Ölmühle wird es allerdings nie geben. Bei industriellen Prozessen entstehen immer Dämpfe, die für unsere Nasen unangenehm sind", hieß es gestern. Einen Grenzwert von zwei Prozent Jahresstunden an Geruchsbelästigung dürfen die Verantwortlichen in Neuss allerdings nicht überschreiten. "Ansonsten wäre die Anlage nicht genehmigungskonform", sagte Mankowsky.

(jco)
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