Neue Broschüre für Touristen in Düsseldorf: Tipps für Instagram-Motive

Tipps für Instagram-Motive : Neue Düsseldorf-Broschüre für Touristen

Unser Autor hat ausprobiert, wie gut das Heft „Unsere besten Plätze und Storys“ der Düsseldorf Tourismus für Besucher funktioniert.

Nein, die Aufnahme gefällt mir nicht. Ich stehe am Tritonenbrunnen an der Königsallee und fotografiere den Stadtgraben, doch die Sonne steht bereits zu tief, das Gegenlicht ist zu stark. Andere scheint das weniger zu stören. Immer wieder steht jemand anderes neben mir und macht ein Selfie. Ich entscheide mich, später – wenn es dunkel ist – hier nochmals vorbeizukommen, und zücke erst einmal den Stadtführer.

Einen halben Tag habe ich Zeit, um Düsseldorf ein bisschen besser kennenzulernen. Als Mönchengladbacher ist mir die Stadt wahrlich nicht fremd, doch den einen oder anderen Tipp kann ich schon noch gebrauchen. Da kommt mir die neue Broschüre der Düsseldorf Tourismus GmbH gerade recht. „Unsere besten Plätze und Storys“ ist ein Magazin, das sich nicht zuletzt an den Wochenend-Touristen oder Durchreisenden richtet. Wer wenig Zeit hat und trotzdem viel sehen will, erfährt im Stadtführer in kurzen Texten Details über bekannte Gebäude und angesagte Orte. Und Tipps, wo die besten Plätze für die schönsten Fotos sind, gibt es obendrauf.

Ich starte meine Tour im Hofgarten, wo es weit gemächlicher zugeht als auf der anderen Seite des Weihers, in den Geschäften des Kö-Bogens. Mitten in der Großstadt und doch entlang eines ruhigen Fleckchens unterwegs, schlendere ich um die Tonhalle und zum Fortuna-Büdchen. Die Trinkhalle am Rhein steht ebenfalls als „Wallfahrtsort“ im Stadtführer, und das gilt nicht nur an Spieltagen des Fußball-Bundesligisten. Doch jetzt ist wenig los, vier Menschen an zwei Stehtischen, etwas zu trist für ein Erinnerungsfoto.

Je weiter ich wieder Richtung Stadtmitte komme, desto lebhafter wird das Treiben entlang des Rheinufers. Geschäftsleute sitzen auf den Bänken und lassen sich von der Wintersonne wärmen, während sie telefonieren. Jogger und Radfahrer nutzen das trockene Wetter für ein wenig Sport. Und natürlich sehe ich auch viele Touristen, die ihr Handy zücken, um Aufnahmen vom Rhein und Selfies zu machen. Die Rheintreppe am Burgplatz ist ein besonders beliebtes Ziel, da es mit der Kuhna-Mauer, einem Kunstwerk aus farbiger Buchkeramik, einen originellen Hintergrund für ein Porträt bietet. Der Stadtführer preist diesen Ort als beliebten Platz für Instagram-Stories, und ich kann mir lebhaft vorstellen, wie es hier erst im Sommer zugehen muss.

Jetzt ist der Menschenauflauf aber überschaubar, das gilt erst recht wenig später für die Gehry-Bauten am Medienhafen. Noch so ein Premiumtipp für alle Fotografen und Instagrammer. Auch ich will ein Selfie mit den schiefen Gebäuden machen. Dann beginnt die Detailarbeit: Wie viel Froschperspektive braucht das Selfie? Wie ist das Licht? Und wie bekomme ich den Rheinturm im Hintergrund noch mit auf das Bild? Nach einer Minute konzentriertem Starren auf das Handydisplay bemerke ich, dass ich völlig allein auf dem Platz stehe. Ob mich jemand aus einem der zahlreichen Bürofenster beobachtet hat? Laut Führer wird an den Gehry-Bauten eigentlich immer fotografiert, für einen frühen Dienstagnachmittag im Dezember scheint das nicht unbedingt zu gelten.

Nach dem Abstecher in den Medienhafen wechsle ich die Rheinseite. Das Magazin gibt nicht nur Tipps fürs Zentrum, sondern auch für einige Stadtviertel, die schnell mit Bus oder Bahn zu erreichen sind. Nach Oberkassel führt mich ein Spaziergang über die Rheinkniebrücke, schon stehe ich auf den Rheinwiesen. Bei einer solchen Tour lohnen nicht nur die vielen kleinen Beobachtungen, sondern auch einmal die Totale auf die Stadt. Wo dafür zumeist eine erhöhte Position von Nutzen ist, genügt in Düsseldorf ein Blick über den Rhein. Dort der Trubel entlang all der Geschäfte und Lokale, hier die Ruhe, nur ein Grundrauschen durch den Verkehr auf den Rheinbrücken. An Fotomotiven mangelt es nicht, zumal auch der Blick auf Oberkassels historische Wohnhäuser lohnt. Da hat das Magazin nicht zu viel versprochen.

Doch es ist Zeit, wieder auf die andere Rheinseite zu kommen, hinein in die Altstadt. Obwohl sich die Sonne mittlerweile aus den engen Gassen komplett zurückgezogen hat und es deutlich kühler geworden ist, sind die Tische vor den Cafés und Kneipen gut gefüllt. Wenn das an einem Wochentag und im Winter schon so lebhaft ist, hat die Altstadt den Beinamen „Längste Theke der Welt“ zu Recht.

Doch auch an den Brücken der „Kö“ bleibt man jetzt garantiert nicht mehr alleine. Kaum habe ich mein eigenes Handy gezückt, werde ich von Alina Diakov und Robin Behrens um ein Foto gebeten. Das Pärchen aus Leverkusen ist genau seit zwei Jahren zusammen und unternimmt zur Feier des Tages einen Stadtbummel durch Düsseldorf. Und natürlich gehören Fotos an ein paar Orten dazu. „Wir werden sicherlich etwas auf Instagram stellen. Es sind einfach schöne Erinnerungen an einen besonderen Tag“, sagt Behrens.

Recht hat er. Auch ich überfliege meine Foto-Galerie und bin erstaunt, wie viele Motive ich in den wenigen Stunden zusammenbekommen habe. Und ich kann mir gut vorstellen, das im Sommer einmal zu wiederholen. Ein Bild fehlt jetzt aber noch. Ich kehre zum Ausgangspunkt zurück und fotografiere über den Tritonenbrunnen hinweg. Neben mir stehen zwei Damen. „Schau mal, jetzt ist es dunkel, jetzt kannst du ein Foto machen. Das hat doch gleich eine ganz andere Strahlkraft“, sagt die eine zur anderen. Das sehe ich genauso – und drücke selbst auf den Auslöser.

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