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Düsseldorf: Nachbarn bringen Rentner als "Taubenmörder" vor Gericht

Düsseldorf : Nachbarn bringen Rentner als "Taubenmörder" vor Gericht

Ein Tierhasser zu sein, der fünf Tauben mit dem Luftgewehr vom Balkon aus erschossen habe, wies ein 82-jähriger Rentner gestern beim Amtsgericht empört zurück: "Ich hab' sogar 200 Euro gespendet, damit der Wolf wieder eingeführt wird!" Doch für etliche seiner Nachbarn aus der Innenstadt steht längst fest: Der alte Herr habe heimtückisch auf Tauben angelegt, in Schussrichtung auf ein City-Hotel losgeballert - und sei des Mordes an mindestens fünf Tauben überführt. Der Richter war nicht so überzeugt. Er will vor einem Urteil erst noch einen Zeugen anhören.

Im Mietshaus des 82-Jährigen gab es ein Luftgewehr, vergessen auf dem Dachboden von einem früheren Bewohner. Das soll die Tatwaffe sein, die seit einer Hausdurchsuchung im Juni 2013 nun bei der Polizei verwahrt wird. Dass er jenes Gewehr (Kal 4,5) schon mal in der Hand hatte, bestritt der 82-Jährige nicht: "Aus Neugier habe ich es mal mitgenommen in meine Wohnung und habe durch das Zielfernrohr gesehen." Abgedrückt habe er aber nie, schon deshalb nicht, weil "ich nie Munition oder eine Gelegenheit hatte, welche zu besorgen".

Tatsächlich fand die Polizei die Waffe auf dem Speicher, ohne Munition. Den Schlüssel habe der Rentner Helfern eines Schornsteinfegers überlassen - also habe er die Waffe von Mai bis Juni 2013 nicht vom Speicher holen können. Eine Nachbarin (55) und zufällig die Hausverwalterin, widersprach heftig: Sie habe den 82-Jährigen gesehen, wie er mit einem Gewehr hantierte: "Er hat angelegt, gezielt, dann hab' ich den Schuss gehört". Ob der 82-Jährige womöglich doch nur durch Händeklatschen lästige Tauben von seinem Vogelhäuschen auf der Terrasse vertrieben haben könnte? "Hörnsemal", schnaubte die Zeugin, "ich kann doch ein Klatschen von einem Schuss unterscheiden! Der ist doch viel dunkler vom Geräusch, eher wie ein Plopp!" Und jedes Mal, wenn sie den Angeklagten beim "Ploppen" beobachtet oder gehört habe, "haben wir hinterher bei uns tote, angeschossene oder schwer verletzte Tauben gefunden".

(wuk)