Düsseldorfer Schützenfest „Wer so etwas singt, ist bei uns nicht willkommen“

Düsseldorf · Rechte Parolen haben auf dem großen Düsseldorfer Schützenfest nichts zu suchen, sagt Sebastianer-Chef Andreas-Paul Stieber. Das Lied von Gigi D’Agostino ist für ihn nicht das Problem.

 Andreas-Paul Stieber tritt für eine klare Haltung gegenüber rechten Parolen ein.

Andreas-Paul Stieber tritt für eine klare Haltung gegenüber rechten Parolen ein.

Foto: Michael Lübke

Nach dem Eklat auf Sylt wollen die Düsseldorfer Schützen bei der großen Rheinkirmes das Lied „L’amour toujours“ des italienischen Musikproduzenten Gigi D’Agostino nicht verbieten. Das Lied wird seit Jahren immer wieder auch mit dem Ruf „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ skandiert. Ein Video aus Sylt, wo die Parole jetzt gegrölt wurde, hat bundesweit Entsetzen ausgelöst.

„Wer so etwas singt, ist bei uns nicht willkommen“, sagt Schützenchef Andreas-Paul Stieber. Das seien Fälle für den Staatsschutz, die Menschen gehörten angezeigt. „Wir sind Patrioten und dieser Nationalismus ist pervertierter Patriotismus.“ Die Schützen stünden für Integration und nähmen ihre Stärke aus der Vielfalt.

Der erfahrene DJ und Moderator Marc Pesch legt auch in diesem Jahr bei den Schützen auf der Rheinkirmes auf. Er hat den schon oft missbrauchten Titel zuletzt Mitte April in der Nachtresidenz und vor einer Woche bei einem 90er-Festival in Dormagen gespielt. „Da gab es überhaupt keine Probleme“, sagt Pesch zu unserer Redaktion.

Bei dem Titel sei auf jeden Fall Aufmerksamkeit geboten, so Pesch. Man müsse genau hinhören. „Wenn dann irgendwelche Idioten diese Parolen brüllen, würde ich den Sicherheitsdienst informieren und sofort auf sie zugehen und sagen, dass man so etwas nicht hören will“, sagt Pesch, der beispielsweise die Böhsen Onkelz prinzipiell nicht spielt. Er müsse den Titel jedoch nicht unbedingt verwenden und werde sich vor dem Schützenfest auf jeden Fall mit den Schützen abstimmen.

„Düsseldorf nimmt Schönheit und Stärke aus seiner Tradition und seiner Vielfalt“, so Stieber im Gespräch mit unserer Redaktion. Das habe er schon am Stefanientag gesagt und betont dazu aufgerufen, dass die Schützen gemeinsam und jeder an seiner Stelle Demokratie und Toleranz förderten. „Deshalb haben solche Gesänge auf der Kirmes keinen Platz.“ Da werde ein Lied missbraucht, das wirklich gänzlich anders gedacht sei.

„Die AfD nutzt es auf Aschermittwochfeiern unter Gelächter und feiert damit schelmisch auch sich selbst“, so Stieber, der für die CDU im Stadtrat sitzt. „Das ist perfide. Ihre Spitzenpolitiker bestätigen jüngst mit Jobangeboten an die jungen Partygänger von Sylt, dass sie solche Parolen gut heißen. Damit ist zur Gesinnung dieser Partei einmal mehr alles gesagt.“ Es brauche kein Verbot von missbrauchten Liedern, sondern es brauche eine klare Haltung an jeder Stelle – ob auf der Kirmes oder im Club.

Stieber ist deswegen der Auffassung, es stehe den DJs und Wirten frei, das Lied aus Solidarität mit jenen, die von Nationalisten bedroht werden, nicht zu spielen. Den Düsseldorfern auf der Kirmes traue er zu, dass sie im Zweifel mutig einschreiten, wenn sie Szenen wie jene von Sylt beobachteten.

Als Schützenchef will Stieber in den nächsten Tagen den Austausch mit den Wirten suchen und auch mit seinen Kameraden beraten, wie man in solchen Situationen Zivilcourage zeige. „Wer auf der Kirmes auftritt wie die ,Sänger von Sylt’, kann sicher sein, dass er auf Widerspruch trifft – und er muss selbstverständlich mit Konsequenzen rechnen.“

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