Nach Insolvez: Das Schachtel-Imperium des Helge

Düsseldorf : Das Schachtel-Imperium des Helge A.

Mehr als ein Dutzend Firmen bilden das Unternehmensgeflecht des Kunstberaters Helge Achenbach. Ein Versuch, es zu entschlüsseln.

Die Berufsbezeichung "Kunstberater" sei für ihn erfunden worden, heißt es oft über Helge Achenbach. Für seine exzellenten und weitverzweigten Kontakte in die Kunst- und Sammlerszene ist er berühmt. Weniger bekannt ist, dass der Kunstberater auch ein Multi-Unternehmer ist, der etliche Firmen gründete und an den meisten mehrheitlich beteiligt ist.

Eine Affenfigur des Künstlers Jörg Immendorff. Ähnliche Affenfiguren dienten den Investoren von einer der Achenbach-Firmen als Sicherheit für ein Darlehen, auf Wunsch gab es ein Vorkaufsrecht, das auch einer ausübte. Foto: Endermann, Andreas (end)

Das hat nun auch der Ratinger Anwalt Marc D'Avoine erfahren, der am Donnerstag zum Insolvenzverwalter für drei zahlungsunfähige Achenbach-Unternehmen bestellt wurde. Gestern ließ er mitteilen, die "Gruppenstrukturen werden zurzeit untersucht und beleuchtet". Das dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen, denn die insolvente Muttergesellschaft "State of the Art" hat viele Töchter und viele Interessen.

Das Dach Unternehmenszweck der State of the Art AG, die für jeweils 100 Anteilsscheine ihren Aktionären einen echten Immendorff als Aktie überreichte, ist laut Handelsregister: "Die wirtschaftliche Verknüpfung von zeitgenössischer Kunst mit Geschäftsfeldern wie Architektur, Design, Musik und Gastronomie, u.a. durch Gründung von und Beteiligung an anderen Gesellschaften, die jeweils Teilaspekte dieser Ziele realisieren". Die Verknüpfung wurde 2007 auch in der Satzung festgeschrieben: Eine Dividende konnte demzufolge auch in Essengutscheinen für eines der Monkey's-Restaurants ausgeschüttet werden (was mindestens einmal geschah). Und als Sicherheit für ein 4000-Euro-Darlehen in Form so genannter Genussscheine gab es quasi als Sicherheit einen Immendorff-Affen, mit Vorkaufsrecht - mindestens einer der Berechtigten hat davon Gebrauch gemacht.

Das Management Den Vorstandsvorsitz der AG hatte Helge Achenbach bereits im vorigen August niedergelegt. Zum Handelsregister eingereicht wurde der Rücktritt allerdings erst Ende Mai - kurz vor Achenbachs Verhaftung. Vorstandsvorsitzender war fortan Sohn Benjamin Achenbach.

Die Aufseher Erst am 25. Juli, knapp zwei Wochen vor dem Insolvenzantrag, wurde noch eine neue Liste mit den Mitgliedern des Aufsichtsrats der State of The Art AG zum Handelsregister eingereicht. Darin sind durchweg bekannte Persönlichkeiten aus Düsseldorf. Aufsichtsratsvorsitzender ist Josef Rentmeister. Ein weiteres Mitglied ist David Achenbach, Sohn des einstigen Chefs und Geschäftsführer der State of the Art GmbH. Stellvertretender Vorsitzender des Gremiums ist Werner Wimmer, von 1999 bis 2005 Vorstand bei der Ärzte- und Apotheker-Bank. Die übrigen Aufseher sind Marketing-Club-Chef Dirk Krüssenberg und der Dorstener TV-Koch Björn Freitag.

Die Kunst Laut Insolvenzverwalter D'Avoine war und ist die "eigentliche Kunsthändlerin" die "Achenbach Kunstberatung GmbH" (AKB). Laut Gesellschaftsvertrag von 2003 ist der Unternehmensgegenstand der "Handel auf allen Gebieten des zeitgenössischen Kunstmarkts mit Privatkunden, (insb. Privatsammlern)". Auch die Beratung in Kunstfragen aller Art gehörte dazu. Insbesondere der Handel war durch die "Einzelzwangmaßnahmen blockiert", so der Insolvenzverwalter. Gemeint ist wohl der dingliche Arrest, unter dem Achenbachs Vermögen steht, seit er aufgrund einer Strafanzeige von Babette Albrecht im Juni in U-Haft sitzt. Nun will D'Avoine die Kunstgegenstände schätzen und verwerten lassen. "Eine sachgerechte Vermarktung wird angestrebt", die mit Gericht und Gläubigern abgestimmt werden müsste. Vor dem Insolvenzantrag waren formal Helge Achenbach und sein Sohn Benjam die Geschäftsführer.

Neben der AKB gibt es aber auch noch weitere Kunst-Firmen: Das Handelsregister listet die Achenbach Art Consulting Gesellschaft für Kunstberatung GmbH und die State of the Art International Advisory GmbH.

Die Gastronomie Eher zufällig war Achenbach, dessen Kunstunternehmungen seinerzeit sämtlich an der Kaistraße firmierten, zum Wirt geworden: Vom Büro aus hatte er 2003 auf die brachliegende Hafenspitze geschaut und die Idee für Monkey's Island gehabt. Sandstrand, Immendorff-Affen und Spitzenküche brachten im Jahrhundertsommer einen Riesenerfolg. Und damit eine Reihe neuer Unternehmungen.

Helge Achenbach war Mitgesellschafter vom Betreiber der Affeninsel, der Robinson-und-Freitag GmbH. Nach der Insel, die 2006 Platz für das Hyatt-Hotel machen musste, folgten Restaurants im Hochhaus am Graf-Adolf-Platz: Monkey's East, West und South sollen den Kunstberater um die zehn Millionen Euro gekostet und sich nie gerechnet haben, munkelt man in der Stadt. Drum kam der Insolvenzantrag für die "Monkey's Gastronomie GmbH & Co.KG" am Donnerstag für viele nicht überraschend, die laut Insolvenzverwalter East, West und Monkey's room betreibt. Alle Lokale haben derzeit offiziell Betriebsferien.

Zwei weitere Firmen, die Monkey's West Verwaltungs GmbH und die Monkey's Financial Holding Management Gesellschaft gingen Ende vergangenen Jahres in der neuen State of the Art International Art Advisory GmbH (siehe: Kunst) auf, zuvor hatte die Muttergesellschaft die Anteile von der Beteiligungs-GmbH erworben.

Die Beteiligungen Um das Immobilienvermögen des Imperiums kümmert sich die Achenbach Immobilienbeteiligungs GmbH & Co KG. Den Standort im Medienhafen gab sie auf, das Imperium firmiert seit geraumer Zeit in einem Haus in Oberkassel. Dazu zählt auch eine weitere Gesellschaft, die Achenbach Beteiligungs GmbH, die das Firmenvermögen verwaltet und sich mal an der einen, mal an der anderen Unternehmung eben beteiligt. Als Geschäftsführer der Beteiligungs GmbH gründete Achenbach im vergangenen Jahr mit einem Oldtimer-Spezialisten in Stuttgart die Vintage Car Company GmbH, in der er Mehrheitsgesellschafter ist.

Sein Partner war zuvor bei der Art Advice GmbH angestellt, die Achenbach mit der Berenberg Bank gegründet hatte. Diese Verbindung war 2013 aufgelöst worden - angeblich wegen unsauberer Preisgestaltung Achenbachs gegenüber einem Bankkunden. Neben den im Handelsregister eingetragenen Unternehmen hat Achenbach noch mindestens zwei Gesellschaften bürgerlichen Rechts zu Verwaltungszwecken gegründet. Wozu Achenbach ein so komplexes Firmengeflecht konstruierte, ist Experten unklar.

(RP)