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Die Feldenkrais-Methode: „Nach einer Stunde fühle ich mich wie auf Wolken“

Die Feldenkrais-Methode : „Nach einer Stunde fühle ich mich wie auf Wolken“

Bei Wibke Weidekamp kann man die Feldenkrais-Methode kennenlernen: Alte Bewegungsmuster werden minimal verändert, um neue Motorik zu entwickeln.

Sieht alles ganz harmlos aus. Da liegen sieben Frauen und ein Mann auf der Matte und bewegen behutsam die Köpfe hin und her. Minimale Bewegungen. Auf den ersten Blick ist zu erkennen: Dies ist kein Ort, wo sportliche Rekorde aufgestellt werden. Hier gerät niemand ins Schwitzen, Leistungsanspruch und Erfolgszwang bleiben draußen. Stattdessen sprach Moshé Feldenkrais von „einem Abenteuer mit sich selbst“. Er gilt als Erfinder einer Methode, die weltweit bekannt ist und nun, an diesem Freitagvormittag, in einem Hinterhof in Pempelfort zum Ziel führen soll: alte Bewegungsmuster zu erkennen. Und Neues zu erproben.

Die Schultern sind verspannt, das Knie zwackt, der Rücken schmerzt. Wer kennt das nicht? „Viele Menschen gehen wie Roboter, die allenfalls Arme und Beine bewegen, alles andere bleibt steif“, weiß Wibke Weidekamp, Feldenkrais-Pädagogin. Wer war dieser Mann, der das Wissen über Bewegung auf den Kopf stellte? Moshé Feldenkrais (1904–1984), Physiker aus Israel, schrieb schon früh Bücher über Selbstverteidigung und später über den aufrechten Gang. Aufgrund einer alten Fußverletzung konnte er in den 1950er Jahren lange Zeit nicht laufen, er experimentierte stundenlang mit kleinsten Bewegungen, verfeinerte mehr und mehr die Wahrnehmung des eigenen Körpers, brachte sich schließlich selbst bei, wieder schmerzfrei zu gehen. Und schrieb damit das erste Kapitel einer Erfolgsgeschichte.

Zurück in den Übungsraum in Pempelfort. Die Gruppe ist gerade damit beschäftigt, Schulterblätter vor und zurück zu schieben. Vordergründig. „Eigentlich geht es darum, genau in sich hineinzuhören“, sagt Wibke Weidekamp. Denn wer nimmt im Alltag schon sein Schulterblatt wahr? Und so gibt sie aus dem Hintergrund ihren Teilnehmern Anweisungen und stellt Fragen: „Nimm das Gewicht deines Kopfes wahr“, „Fühlt sich ein Arm länger an?“, „ein Bein schwerer als das andere?“ Der Sinn dieser Selbsterforschung: abgespeicherte Bewegungsmuster und Gewohnheiten zu erkennen – wie die ständig hochgezogenen Schultern, die irgendwann zu Verspannungen führen. Das kennen auch viele Jüngere, die während ihrer Arbeit stundenlang sitzen.

Nach der Theorie von Moshé Feldenkrais lässt sich das Gehirn durch die kleinen, neuen Bewegungen umprogrammieren, lassen sich alte Verkrampfungen lösen. Das erklärte Ziel: „Sie so zu bewegen, dass der Körper möglichst wenig Mühe damit hat. Und dass Muskelkraft besonders effektiv eingesetzt wird“, erläutert Wibke Weidekamp.

Und wie sehen das die Teilnehmer der Übungsstunde im Stadtteil Pempelfort? „Ich blende hier alles andere aus, bin nur mit mir beschäftigt, achte auf jede Kleinigkeit meines Körpers“, berichtet Hannelore E., die seit zwei Jahren die Kurse besucht – mit deutlicher Verbesserung: Ihre Probleme mit dem Knie sind weniger spürbar, weil sie gelernt hat, die Belastung besser zu verteilen.

Für andere ist es ein Erfolg, wieder schmerzfrei und leichtfüßig vom Boden aufstehen zu können, aufrechter zu stehen, vielleicht wieder auf einem Bein zu balancieren. Das Fazit einer Teilnehmerin: „Nach einer Stunde fühle ich mich wie auf Wolken.“

Moshé Feldenkrais war sich sicher, dass Altern mit selbst auferlegten Einschränkungen beginnt. Eine seiner Kernfragen war es: „Werden wir alt, weil wir unbeweglich sind oder unbeweglich, weil wir alt werden?“