Mutmaßlicher Frauenmörder legt Geständnis ab - Tat in Düsseldorf-Friedrichstadt

Tat im August in Düsseldorf-Friedrichstadt : Mutmaßlicher Frauenmörder legt Geständnis ab

Mit einem Pauschalgeständnis hat sich ein 44-jähriger Kiosk-Mitarbeiter beim Landgericht Düsseldorf zu Prozessbeginn erstmals zum gewaltsamen Tod einer Bekannten bekannt. Der Mann soll die Frau auf offener Straße erstochen haben.

An einem Augustmorgen 2018 war eine Event-Managerin (36) auf der Bachstraße in Friedrichstadt kurz nach dem Verlassen ihrer Wohnung rücklings mit einem Messer attackiert und durch 27 Schnitt- und Stichverletzungen getötet worden.

Die Anklage gegen ihren vermeintlich verschmähten Verehrer lautet nun auf heimtückischen Mord, begangen aus niederen Beweggründen. In einer Drei-Minuten-Erklärung, vorgetragen von seinem Verteidiger Stefan Tierel, ließ der Angeklagte nun ausrichten, „dass er die Tat und die Umstände eingesteht“. Nur zur Motivation für die Bluttat und zu den Hintergründen wolle er sich noch nicht äußern.

Eine der Zuschauerinnen beim ersten Prozesstag bewies gestern enorme Tapferkeit. Die Mutter des Opfers, die hier als Nebenklägerin auftritt, folgte aufrecht sitzend und mit unbewegter Miene sogar dem Obduktionsbericht mit etlichen schrecklichen Details über den schrecklichen Tod ihrer Tochter.

Den Kopf starr geradeaus gerichtet, ließ allenfalls ihr Blick erahnen, was in dieser Mutter in diesen Momenten vorging: Unruhig flackerten ihre Augen nämlich hin und her zwischen der Gerichtsmedizinerin und dem Angeklagten.

Der saß wie unbeteiligt zehn Meter entfernt neben einem Dolmetscher, die Augenlider gesenkt, die Arme locker vor der Brust verschränkt. Sein einst glatt rasiertes Gesicht, mit dessen Foto-Aufnahme damals kurz nach der Tat international gefahndet wurde, ist durch einen Vollbart nun fast vollständig zugewuchert.

Nur kurz hob er mal den Blick, als Polizeifotos vom Tatort neben einem Schulgelände gezeigt wurden. Mit welcher Wucht und Gewalt die 36-Jährige dort zu Tode kam, lässt der Obduktionsbericht erahnen: Die Gerichtsmedizinerin sprach von etlichen „Abwehrverletzungen“ bei der Frau – und davon, dass sie nach den vielen Stichen und Schnitten gegen Oberkörper und Hals durch „erhebliche Blutverluste“ gestorben sei.

„Lass’ mich, ich hab’ doch nichts gemacht“, waren laut Augenzeugen ihre letzten Worte, die sie dem Angreifer noch sagen konnte. Der hatte laut Zeugen damals auf der anderen Straßenseite offenbar schon auf die von ihm begehrte Frau gewartet – mit blauen Plastikhandschuhen und einem Messer mit einer Klingenlänge von 18 Zentimetern.

Als Kundin in dem Kiosk, in dem er tätig war, ist sie ihm wohl einst aufgefallen – und als er ihr im Super-Sommer 2018 dann noch einen damals heiß begehrten Ventilator beschaffen konnte, ist seine Zuneigung offenbar stärker gewachsen als ihre. Laut Ermittlungen hatte sie seine Handy-Nummer zuletzt blockiert, sich gegen Belästigungen von ihm gewehrt. Ob das wirklich schon als Tatmotiv ausreichte, wie die Staatsanwaltschaft vermutet, soll jetzt im Prozess geklärt werden.

Dreh- und Angelpunkt ist nach dem Pauschalgeständnis über seinen Verteidiger also die Frage, ob der Angeklagte schuldfähig war. Oder ob er durch längst bekannte psychische Probleme beeinträchtigt wurde und wie schlimm. Dazu soll ein vom Gericht bestellter Gutachter in den nächsten Tagen eine vorläufige Einschätzung vorlegen. Aktuell befindet sich der Angeklagte längst nicht mehr in U-Haft, sondern ist vorerst untergebracht in einer geschlossenen Psychiatrie-Klinik.

 Immerhin war er nach seiner Flucht vom Tatort erst neun Tage später in Spanien aufgegriffen – und auch in der dortigen Haft derart auffällig geworden, dass sogar ein gesondertes Flugzeug für seine Rückkehr nach Düsseldorf gechartert werden musste. Herkömmliche Airlines hatten es strikt abgelehnt, den als unberechenbar geltenden Gefangenen mitzunehmen.

Für die wahre Beurteilung seiner psychischen Probleme und Schuldfähigkeit sollen nun sämtliche Arztunterlagen aus früheren Behandlungen in Psychiatrie-Kliniken herangezogen werden. Der Prozess geht am 20. März weiter, mit einem Urteil wird offenbar erst Ende Mai gerechnet.

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