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Düsseldorf: Muslime beten unter freiem Himmel

Düsseldorf : Muslime beten unter freiem Himmel

Zum ersten Mal feiert die muslimische Gemeinde das Zuckerfest öffentlich: 300 Gläubige trafen sich im Volksgarten.

Auf der großen Wiese im Volksgarten liegen bunte Gebetsteppiche neben Picknickdecken aus Plastik. In der morgendlichen Stille erklingt der monotone Gesang eines Imams etwas verzerrt durch die aufgestellten Lautsprecher. Vor ihm knien Männer und Frauen, manche von ihnen tragen bodenlange Gewänder, andere Hemd und Jeans, viele auch die Takke, die kleine islamische Gebetsmütze. Fast 300 Menschen haben sich heute hier versammelt, um das Eid al-Fitr zu feiern, das Ende des Fastenmonats Ramadan, auch als Zuckerfest bekannt.

 Imam Asmer Ujkanovic hält seine Predigt auf Deutsch. Er spricht von Nächstenliebe und erinnert daran, sich auch nach der Fastenzeit zu besinnen.
Imam Asmer Ujkanovic hält seine Predigt auf Deutsch. Er spricht von Nächstenliebe und erinnert daran, sich auch nach der Fastenzeit zu besinnen. Foto: Bretz Andreas

Vor den Gläubigen steht Asmer Ujkanovic, Imam der bosnischen Gemeinde in Düsseldorf. Zum ersten Mal feiert er mit den Muslimen der Stadt das Ende der Fastenzeit im Freien. "Ich finde, das ist ein sehr guter Schritt, den wir hier gehen, nach außen, weg von den Hinterhof-Moscheen und auf die Gesellschaft zu", sagt er.

 Bunte Gebetsteppiche haben die Gläubigen mit in den Volksgarten gebracht, um am Morgengebet teilzunehmen.
Bunte Gebetsteppiche haben die Gläubigen mit in den Volksgarten gebracht, um am Morgengebet teilzunehmen. Foto: Bretz Andreas

Die Predigt, die der Imam nach dem arabischen Gebet auf Deutsch hält, erinnert an eine christliche Ostermesse: Ujkanovic spricht von Nächstenliebe und Hilfe für die Armen, er schärft den Gläubigen ein, sich auch nach der Fastenzeit auf den Glauben und die guten Werke zu besinnen. Und er ruft zur Spende auf: Jeder Muslim soll der Tradition gemäß so viel Geld spenden, wie es braucht, um einen Armen zu speisen, etwa sieben Euro. Helfer sammeln die Spenden ein und jeder gibt etwas. Also Lohn für das Fasten und die Spende, so glauben die Muslime, werden ihnen von Allah alle Sünden vergeben. Der Imam mahnt sie jedoch, dass auf diese Vergebung nicht "das Ende der Gottgefälligkeit" folgen dürfe. "In der Fastenzeit erfahren wir, wie es Menschen geht, die es schlecht haben, und dass man ihnen helfen muss. Dabei ist es egal, ob der Mensch, dem man hilft, Muslim ist, Christ, Jude oder sonst etwas. Er braucht Hilfe, nur das zählt", sagt Naceur Mannai, der an diesem Morgen im Volksgarten gebetet hat.

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Für die Düsseldorfer Muslime ist das Fest im Freien ein Schritt mit Symbolcharakter: "Es geht darum, sich für die Gesellschaft zu öffnen, Barrieren aufzubrechen und sich als Teil der Nachbarschaft zu präsentieren", sagt Redouan Aoulad-Ali von dem Kreis der Düsseldorfer Muslime (KDDM), der das öffentliche Gebet organisiert hat. Das Fest sei ein Pilotprojekt gewesen, und es sei von den Muslimen der Stadt sehr gut angenommen worden. Man überlege, auch in Zukunft das Zuckerfest öffentlich zu feiern, auch um die Moscheen zu entlasten, die an diesem Tag, dem zweithöchsten Feiertag des Islam, immer überfüllt seien. Dass die Predigt auf Deutsch gehalten werden habe nicht nur pragmatische Gründe, da die Muslime aus vielen verschiedenen Ländern stammen, sondern diene auch dazu, den Islam der deutschen Gesellschaft zu präsentieren und in einen Dialog zu treten, so Aoulad-Ali.

Die meisten Jogger und Spaziergänger, die am frühen Morgen durch den Volksgarten kommen, beachten das Gebet kaum. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen: "Hier wird sonst Fußball gespielt, und jetzt beten hier die Muslime", sagt eine Radfahrerin, die das Gebet aus einiger Entfernung betrachtet. "Das ist auf jeden Fall ein großer Schritt in die Öffentlichkeit. Ich weiß nicht, ob das gut ist." Auch im Internet wird das öffentliche Gebet hitzig diskutiert: Unter der Vorankündigung des Gebets auf RP Online, aber auch anderswo finden sich unter anderem Kommentare wie "Wir müssen unsere Weihnachtsmärkte einzäunen und die dürfen da offen beten?"

"Wir hatten im Vorfeld einige kritische Äußerungen im Internet gesehen, und es gibt auf jeden Fall islamfeindliche Tendenzen in der Gesellschaft", sagt Dirk Sauerborn, der als Kontaktbeamter der Düsseldorfer Polizei mit den muslimischen Gemeinden arbeitet. Das öffentliche Gebet fand daher auch unter polizeilicher Aufsicht statt. Es kam jedoch zu keinen Zwischenfällen.

Für die Muslime ist die Ablehnung, die die Aktion des KDDM hervorruft, unverständlich. Sie sehen das Gebet als einen Schritt auf die deutsche Gesellschaft zu. Sie wollen ihren Glauben zeigen, laden Nicht-Muslime ein, sich damit zu befassen und ihn zu verstehen. Imam Asmer Ujkanovic ist zufrieden mit der Resonanz, die die Veranstaltung gefunden hat. Er sagt: "Wir sind stolz, unseren Glauben in die Gesellschaft einbringen zu dürfen. Und wir sind der Stadt sehr dankbar, dass sie diese Veranstaltung ermöglicht hat. Das zeigt auch, dass Düsseldorf trotz allem eine tolerante Stadt ist."

(RP)