Düsseldorf: Musikalisch affektiertes Düsseldorf

Düsseldorf : Musikalisch affektiertes Düsseldorf

Mit dem fünften Wandelkonzert beendete die Neue Düsseldorfer Hofmusik den laufenden Konzertzyklus im Schloss Benrath.

Zum Abschluss der Saison blickte die Hofmusik in die Zeit der Entstehung der ersten Hofkapelle in Düsseldorf und rückte besonders die italienischen Einflüsse auf die Musik ins Blickfeld. Die zeitliche Einordnung der wachsenden musikalischen Bedeutung der Residenzstadt Düsseldorf besorgte Winfried Fechner, der mit den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges begann und die Probleme der Musiker bei der Stellensuche vor Augen führte. Das war nur bei kunstsinnigen und vermögenden Fürsten möglich. Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm begann damit, seiner Hofmusik durch das Engagement von Biagio Marini entsprechende Geltung zu verschaffen; sein Sohn Philipp Wilhelm setzte dies trotz spärlicher Mittel fort.

Zum Anziehungspunkt für europäische Musiker wurde Düsseldorf aber unter Kurfürst Johann Wilhelm II. (Jan Wellem), der die Blütezeit der Hofmusik einleitete. Staunend und mit Schmunzeln lernte das Publikum viel über familiäre Beziehungen, politische Winkelzüge und musikalischen Austausch in Europa.

Mit Corellis Sonata III B-Dur begann die Neue Düsseldorfer Hofmusik ihren musikalischen Rückblick, nachdem die kurz vorher gesprungene Saite auf Mary Utigers Violine ersetzt war. Eine passende Einleitung für das Konzert "Affetti musicali", erlebten doch die Zuhörer mit, wie sensibel die Instrumente und ihre Saiten auf die Raumtemperatur reagieren. Die von der Hofmusik gepflegte barocke Spielweise setzt nun mal Darmsaiten bei den Streichern voraus. Um der neuen Saite noch eine Anpassung an die Temperatur zu gewähren, stellte man das Programm zunächst einmal um.

Im Kuppelsaal griff Christoph Anselm Noll dann in die Tasten des Cembalos und brachte die Stahlsaiten mit Händels Suite in f-moll zum prachtvollen Klingen. Einfühlsam spielte Noll das Adagio, markant die Fuge, mit Registerwechseln die Allemande und spritzig Courante und Gigue.

Die frühesten Werke kamen vom 30 Jahre in Düsseldorf wirkenden Biagio Marini. Seine Sonaten wurden von Mary Utiger und Bettina von Dombois (Violinen), Helga Löhrer (Violoncello) und Christoph Anselm Noll (Cembalo) mit madrigalesker Leichtigkeit gespielt, erinnerten an Monteverdis dreistimmige Scherzi musicali.

In die Fußstapfen des berühmten Geigers Veracini trat Mary Utiger mit dessen Sonata g-moll für Violine solo, wobei Helga Löhrer und Christoph Anselm Noll den Basso continuo übernahmen. Für alle drei bot das Stück herrliche Passagen, die entsprechend "affettuos" gespielt wurden.

Auch Bonportis Sonata in d-moll für zwei Violinen und obligates Cello bot dem bestens miteinander harmonierenden Quartett Gelegenheit, wunderbare musikalische Affekte zu präsentieren. Mit Corelli hatte alles begonnen, mit seiner Sonata in e-moll und langem und herzlichem Beifall endete die Exkursion in das musikalisch affektierte Düsseldorf.

(RP)
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