Museums-Tipps für Düsseldorf: Im Hetjens gibt’s Kunst aus 8000 Jahren

Tipps für den Museums-Trip (2) : Im Düsseldorfer Hetjens-Museum öffnet sich das Tor zur Geschichte

Wenn draußen heiß ist, gehen wir ins kühle Museum. Welche einen Besuch wert sind, erfahren Sie bei uns. Tipp 2: Das Deutsche Keramikmuseum Hetjens besticht mit zum Teil uralten Exponaten. Die Sammlung inspiriert und die Sonderschauen.

Das Museum Hetjens hat Tradition. Seine Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert mit Laurenz Heinrich Hetjens, der am 16. Juli 1830 in der Citadellstraße – unweit des heutigen Museums – geboren wurde. Als der von Historie faszinierte Mann die 14 Jahre ältere, begüterte Witwe Maria Catharina Regnier heiratete, war das auch die ideale Grundlage für das heutige Deutschen Keramikmuseum. Seine Kunstsammlung und seine Forscherleidenschaft erfreuen die Hetjens-Besucher noch heute.

Museumsbesucher können im Innenhof einen Snack von zu Hause essen. Foto: Brigitte Pavetic

Das Museum befindet sich in einem der schönsten historischen Gebäude der Düsseldorfer Altstadt, dem Palais Nesselrode – nur wenige Gehminuten von Rheinufer und dem Burgplatz entfernt. Hier wird Keramik höchster Qualität aus 8000 Jahren und der ganzen Welt präsentiert.

Schon als junges Mädchen war Daniela Antonin ein großer Fan des Hetjens, das sie heute leitet. Hier zu sehen am Tor zum Innenhof. Foto: Brigitte Pavetic

Teezeremonien finden hier statt, und die Töpferkurse sind ausgesprochen beliebt. In der aktuellen Ausstellung huldigt Museumschefin Daniela Antonin mit Kuratorin Janine Ruffing dem schwarzen Kontinent: „In Frauenhand – Keramik aus Westafrika“ lautet der Titel, und zu sehen sind teils Jahrtausende alte Objekte des traditionellen Ahnenkultes sowie Keramiken für den täglichen Gebrauch wie Gefäße für Palmwein, selbst gebrautes Bier oder Honig. Heute findet auch ein afrikanischer Abend mit Essen und stimmungsvoller Musik aus Afrika und Kurzführungen statt. Wenige Restkarten könnte es noch an der Abendkasse geben.

Teil der beeindruckenden Afrika-Ausstellung: Diese Tabakpfeifenköpfe waren im 20 Jahrhundert sehr begehrt. Foto: Brigitte Pavetic

Solche Abende und Ausstellungen sind Höhepunkte parallel zur ohnehin inspirierenden Dauer-Sammlung. Abtauchen in das schier unverwüstliche Material Keramik lässt es sich im Hetjens, und es öffnet sich ein Tor zur Geschichte wie etwa beim Anblick eines 8000 Jahre alten Gefäßes aus Anatolien oder beim Anblick antiker griechischer Teller, die dokumentieren, dass sich die Athleten vollkommen nackt ins Rennen gingen.

Adresse, Anfahrt, Preise Das Hetjens befindet sich fast direkt am Rheinufer, es ist in jeder Hinsicht gut erreichbar, ob zu Fuß, mit der Bahn, auf dem Rad oder im Auto. Das Parkhaus Altstadt ist in der Nähe, die Zufahrt ist über den Rheinufertunnel. Komfortabel: Hier gibt es einen direkten Zugang zum Museum. Variante: Parkhaus Carlsplatz, Zufahrt über Benrather Straße. Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Mehrere Stadt- und Straßenbahnlinien halten in der Nähe an den Haltestellen Benrather Straße, Heinrich-Heine-Allee oder Maxplatz, nur wenige Minuten Fußweg muss man einplanen. Das Museum ist behindertengerecht. Zwei Leihrollstühle stehen zur Verfügung. Öffnungszeiten Hetjens:

Dienstag bis Sonntag 11-17 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr, Montag geschlossen.

Der Besuch der Sammlung kostet 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Bei Sonderausstellungen Eintritt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Familien 8 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt, freitags kommen Jugendliche bis 21 Jahre kostenfrei rein.

Kühl? Das Museumsthermometer: Im Foyer Hetjens ist es in diesen Tagen etwas kühler als draußen (geschätzt 25 -28 Grad), in diesem etwas älteren Gebäude gibt es keine Klimaanlage, daher pflegen Direktorin Daniela Antonin und ihr Team eine gute alte Taktik gegen Hitze: morgens wird ordentlich Sturm gelüftet und dann die Räume möglichst verdunkelt mit Hilfe der Holztüren. In der Belle Etage (erster Stock) ist es doch recht heiß, dafür gibt es eine nette Überraschung im Keller – ausgerechnet in der Afrika-Ausstellung, denn hier ist es mit 22 Grad verhältnismäßig kühl.

Cool! Im Keller gibt es eine kleine Fernsehecke mit gemütlichen Sitzbänken aus Samt. Hier werden flankierend zu den Ausstellungen regelmäßig Filme gezeigt. Man kommt sich ein wenig vor wie in einem Mini-Kino. Der „Tisch des Monats“ ist aktuell in Schwarz-Weiß inszeniert, der steht auch schon länger als einen Monat in dieser Pracht da. Darauf werden Porzellane präsentiert, die mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen des gefragten Londoner Künstlers und Designers Rory Dobner dekoriert sind. Dobner arbeitete als Filmkulissenbauer für „Harry Potter“ und „Charlie und die Schokoladenfabrik“.

Caféteria/Shop Eine Caféteria gibt es derzeit nicht, die Idee ist aber, das gastronomische Angebot zu erweitern. Die Besucher dürfen aber in den Sommermonaten ihre Snacks mitbringen und auf der hübschen Terrasse vertilgen. Der Museumsshop ist klein, aber fein. Schlüsselanhänger gibt es hier, Postkarten und natürlich jede Menge Keramik, die zu fairen Preises angeboten wird.

Ein Blick in die Halle im Erdgeschoss. Auch Hochzeitsgesellschaften feiern hier gerne. Foto: Brigitte Pavetic
Ein bißchen TV gefällig? Im Keller des Museums werden auch Filme gezeigt. Foto: Brigitte Pavetic

Ambiente Das Hetjens Museum besitzt durch seine Exponate und die alte Bausubstanz eine charmante Grandezza. Nichtsdestotrotz dürfte es dem Haus gut tun, seine besonderen Schätze künftig moderner zu präsentieren. Mit viel Leidenschaft wird daran aktuell schon gearbeitet.

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