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Münzsammler unterstützt Düsseldorfer Schulen

Düsseldorfer sammelt Geld für Schulen und Kirchen : Der Mann mit den Münzen

Uwe Seils beschafft Geld für die Schulstiftung der Evangelischen Kirche, indem er fremdländische und alte Münzen sammelt und verkauft. Auf diese Weise ist in mehr als 25 Jahren ein kleines Vermögen zusammengekommen.

Uwe Seils wiegt die kleine Box in der Hand, betrachtet den Inhalt neugierig durch das transparente Plastik. Münzen sind darin, alte, neue, silberne, goldene, kupferfarbene, schwarze. Ein paar ausgefranste, fleckige Geldscheine. Die Dose ist mit bräunlichem Klebeband verschlossen, auf dem Uwe Seils Name steht. Er zerreißt das Band, öffnet die Dose und beginnt, den Inhalt auf dem Gartentisch auszubreiten. Dabei murmelt er vor sich hin: „Lira. Ägyptisches Pfund. Kubanische Pesos. Noch mehr Lira.“ Ein vergilbter Schein mit einem Loch in der Mitte erweckt seine Aufmerksamkeit. „Das sieht rumänisch aus. Über 100 Jahre alt. Das ist eine Seltenheit.“ Münzsammler gibt es viele, -händler ebenso. Doch Seils sammelt nicht für sich, sondern für die Evangelische Kirche. Seit über 25 Jahren, vor seinem Ruhestand hauptberuflich.

Uwe Seils, Jahrgang 1955, geboren in Duisburg, ist erst 16 Jahre alt, als sein Vater stirbt. Die Mutter kann die Familie nicht allein ernähren, und so müssen er und sein Bruder die Schule abbrechen, um das Geld zu verdienen. „Ich hatte damals keine Lust zu arbeiten“, sagt Seils heute. Ein Pfarrer, der die Familie in der schweren Zeit begleitet, erzählt ihm, dass in der Gemeinde Hilfe gebraucht wird. Obwohl er bis heute kein religiöser Mensch ist, beginnt Uwe Seils eine kirchliche Ausbildung. Er zieht nach Düsseldorf und wird der Stadt und der Kirche über 50 Jahre treu bleiben.

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„In dieser Zeit habe ich alles gemacht. Gemeindearbeit, Motorradseelsorge, einfach alles, was als Laie so geht“, sagt Seils. Im Laufe der Jahre steigt er auf, übernimmt verschiedene Posten und ist schließlich als Landeskirchenoberverwaltungsrat für die Schulstiftung der Evangelischen Kirche zuständig. Er sucht Wege, um an Geld für die sanierungsbedürftigen Schulen zu kommen. Bereits vor seiner Zeit hatten die Kirchen ausländisches Geld oder D-Mark, das in der Kollekte gelandet war, an Münzhäuser verkauft. Der Mann, der sich darum gekümmert hatte, war verstorben, und so willigte Uwe Seils ein, die Aufgabe zu übernehmen. „Ich wusste nicht, was da auf mich zukam“, gibt er zu. Seils dürfte nicht schlecht gestaunt haben, als er in einem Keller vor 60 Kilo Bargeld stand.

Das ist inzwischen mehr als 25 Jahre her. In dieser Zeit ist Uwe Seils Experte geworden, er erkennt Münzen und Geld aus allen Regionen der Welt auf den ersten Blick. Und er verdient damit Geld. Aus ganz NRW bekommt er Münzen und Scheine, die als Spenden und Kollekten in den Gemeinden gelandet sind. Seils sortiert die Einsendungen nach Währungen, die noch umgetauscht werden können, und nach ungültigem Geld. Scheine und Münzen, die noch als Zahlungsmittel zulässig sind, verkauft er an Menschen, die in die jeweiligen Länder reisen – zu 75 Prozent des Marktwertes. „Inzwischen habe ich einige Stammkunden, die mir regelmäßig Franken, Dollar oder Schilling abnehmen.“ Seils erzählt, dass viele Menschen nicht beachten, dass alte Währungen wie Schilling oder Gulden zwar in Deutschland nicht mehr eingetauscht werden können, in den jeweiligen Ländern allerdings schon. Einmal erhielt er eine anonyme Spende von 13.000 alten Franken, die in der Schweiz problemlos zur Bank gebracht werden konnten.

Münzen, die nicht mehr umgetauscht werden können, verkauft Seils an Sammler. Inzwischen findet er schnell heraus, welche Geldstücke und Scheine wertvoll sind. Die bringt er zu Händlern oder Auktionshäusern. „Ich bleibe aber auch da immer etwas unter dem Marktpreis. Es ist ja alles für den guten Zweck“, sagt er. Der große Rest geht an einen Sammler aus Berlin, dem Seils je fünf Kilo Münzen für 25 Euro verkauft. „Über die Jahre bildet sich so ein großes Netzwerk, ich weiß genau, mit was ich mich an wen wenden kann“, sagt Seils.

Das Geschäft ist einträglich: Jedes Jahr macht Seils mit seinen Münzen einen Gewinn von 2500 Euro. Früher, so sagt er, war es deutlich mehr. „Als der Euro eingeführt wurde, habe ich für einige Zeit jährlich 35.000 Euro plus gemacht“, sagt Seils. Insgesamt, so schätzt er, habe er mit dem Geld rund eine halbe Millionen Euro für die Kirche eingenommen. „Ich bin immer wieder neugierig, wenn ich neues Geld bekomme“, sagt er, während er die Münzen und Scheine aus der Plastikbox vor sich ausbreitet. Wie immer hofft Uwe Seils, darunter etwas von Wert zu finden, dass er für den guten Zweck verkaufen kann. Es wäre nicht das erste Mal, und es wird nicht das letzte Mal sein.