Montagsinterview mit Julia Uhlig vom Asta der Uni Düsseldorf

Düsseldorfs Asta-Chefin im Interview : „Die U-Bahnen zur Uni sind zu voll“

Die Vorsitzende des Asta spricht über Düsseldorf als Studentenstadt und was der HHU fehlt. Dabei geht es auch um die Frage: Ist Düsseldorf überhaupt eine Studentenstadt?

Frau Uhlig, das neue Semester nimmt Fahrt auf. Wie ist die Stimmung auf dem Campus?

Uhlig Alles in allem sehr gut. Zum Wintersemester starten zwei neue Studiengänge: Transkulturalität und PPE, das ist Philosophie, Politik und Wirtschaft. Wir haben hier an der Uni ein breites Angebot und eine aktive Studierendenschaft, damit sind wir sehr zufrieden.

In anderen Unis fällt es oft schwer, die Studenten zu motivieren, sich zu engagieren. Warum ist das an der Heinrich-Heine-Uni anders?

Uhlig Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir eine Campus-Universität sind. Alle Fakultäten liegen beieinander, Studierende aus allen Fachbereichen kommen in Kontakt. Dadurch entsteht eine Vernetzung, die andere Universitäten nicht haben. Das tut der ganzen Hochschule gut.

Auf dem Campus ist es also einfach, als Studierende zusammen zu kommen. In der Stadt wird das wahrscheinlich schwerer, Stichwort Wohnen.

Uhlig Das stimmt leider. Die Wohnsituation in in der Stadt ist schwierig. Es ist nicht so, dass keine Wohnungen da sind, aber die allermeisten sind zu teuer. Ich selbst hatte Glück und habe eine bezahlbare Unterkunft gefunden, aber ich weiß, wie schwer die Suche sein kann. Das hat auch zur Folge, dass viele Studierende gar nicht in Düsseldorf selbst wohnen. Die HHU ist eine Pendler-Universität. Das ist schade, weil es einem aktiven Studentenleben in der Stadt im Wege steht.

Ist Düsseldorf überhaupt eine Studentenstadt?

Uhlig Naja, es gibt sicherlich Kneipen, in denen sich die Studis tummeln, zum Beispiel in Bilk oder auch das Scottis direkt an der Uni. Natürlich können die meisten Studierenden nicht auf der Kö einkaufen gehen, aber man kommt in der Stadt schon zurecht.

Kann man sich wenigstens in der Uni preisgünstig versorgen?

Uhlig Unsere Mensa ist wirklich klasse! Es gibt immer zwei verschiedene Tagesgerichte, dazu einen Grill, einen Aktionsstand und eine vegetrarische Ecke. Ein Menü gibt es für 1,30 Euro. Da kann man sich wirklich nicht beschweren.

Was bietet Düsseldorf sonst noch für Studenten?

Uhlig Die Stadt ist kulturell wahnsinnig vielfältig. Ich interessiere mich besonders für Politik, da ist es natürlich wunderbar, den Landtag um die Ecke zu haben. Es ist eine unglaublich interessante Stadt, die für jeden etwas zu bieten hat. Und die Uni versucht ja auch, sich als Teil der Stadt zu präsentieren.

Wie soll das gehen?

Uhlig Nun, es gibt das Projekt Bürgeruni. Es geht vor allem darum, Wissenschaft und Gesellschaft in Verbindung zu bringen, was im Alltag leider oft zu kurz kommt. Aber Studierende und Lehrende sitzen ja nicht irgendwo im Elfenbeinturm, Die Universität ist Teil dieser Stadt und dieses Landes. Wir wollen mit der Bevölkerung außerhalb des Campus in Kontakt kommen, deshalb diese Initiative.

Was heißt das konkret?

Uhlig Die Universität veranstaltet öffentliche Vorträge, Diskussionen und Veranstaltungen, die sich an alle Menschen der Stadt richten. Sie geht auch gezielt auf Wirtschaft und Politik zu, da diese im Zusammenspiel mit der Wissenschaft das Leben verbessern können.

Ein schönes Projekt. Trotzdem haben Studierende auch ganz alltägliche Probleme: Wie sieht es zum Beispiel mit Nebenjobs aus?

Uhlig Kellnern kann man natürlich in jeder Stadt. Aber die großen Unternehmen, die hier ansässig sind, bieten Studierenden natürlich Möglichkeiten, die es anderswo nicht gibt. Wer sich bemüht, hat hier gute Chancen auf ein Praktikum, einen Nebenjob oder irgendwann auch eine Arbeitsstelle. An der Uni selbst gibt es Möglichkeiten, sich als Hilfskraft einzubringen und etwas Geld dazu zu verdienen. Hier hoffen wir als Studentenschaft natürlich, dass es langfristig noch mehr Angebote geben wird.

Momentan wird auf dem Campus viel gebaut: Wie modern ist die Düsseldorfer Universität?

Uhlig Normalerweise gibt es hier wenig Grund zu klagen. Durch die Bauarbeiten sind einige Hörsäle im Moment nicht zugänglich, so dass es in den übrigen teilweise etwas eng wir, aber diese Platzprobleme sind ja vorübergehend. Wir als Asta wünschen uns noch mehr Steckdosen in den Hörsälen und besseres W-Lan auf dem ganzen Campus, um das digitale Lernen für die Studierenden zu ermöglichen, ohne das heutzutage keine Uni mehr auskommt. Aber dramatische Mängel gibt es hier ebenfalls nicht.

Vor einiger Zeit gab es Forderungen, die Heinrich-Heine-Uni besser an den ÖPNV anzubinden. Seitdem wurde der Takt, indem die U 79 die Haltestelle Uni Ost anfährt, erhöht. Sind die Probleme aus der Welt?

Uhlig Wir wünschen uns noch mehr ÖPNV, auch wenn sich die Situation gebessert hat. Aber abends kommt man noch immer schlecht von der Uni weg. Zu den Stoßzeiten sind die Bahnen viel zu voll, und was die Rheinbahn offenbar nicht genug beachtet: Viele Studierende lernen auch am Wochenende auf dem Campus. Wir brauchen also auch dann einen ausreichenden ÖPNV-Verkehr. Wie bereits gesagt, die HHU ist eine Pendler-Uni, und entsprechend sind wir auf die örtlichen Verkehrsbetriebe angewiesen, auch, weil der Campus nun einmal recht weit von den zentralen Stationen, etwa dem Hauptbahnhof, entfernt liegt.

Wie sieht es für Autofahrer aus?

Uhlig Tja, Autos sind immer ein schwieriges Thema. Kurz gesagt, die Parkplatzsituation ist schwierig. Viele Studis und Angestellte der Uni kommen von Außerhalb, und die Kapazitäten reichen da einfach nicht aus. Es müssen definitiv mehr Parkmöglichkeiten geschaffen werden. Es wäre natürlich schön, wenn es in der Nähe des Campus mehr bezahlbaren Wohnraum gäbe, dann wären auch weniger Studierende auf Bus und Bahn angewiesen.

Die könnten dann einfach zu Fuß kommen, oder mit dem Rad.

Uhlig Natürlich ist es gut, wenn Studierende mit dem Rad zur Uni kommen, das entlastet die Bahnen und Parkplätze und schont die Umwelt. Aber der Campus ist ein Fußgängercampus, hier darf nicht geradelt werden, auch wenn es hier und da Stimmen gibt, die eine Änderung fordern.

Ist der Fußgängercampus auch rollstuhlgerecht?

Uhlig Es geht. So gut wie alle Orte auf dem Gelände sind für Rollstuhlfahrer zu erreichen, das stimmt und das ist auch gut so. Allerdings sind teilweise große Umwege nötig, das finden wir schade. Als Asta fordern wir, dass die Uni komplett barrierefrei ausgebaut wird. Denn Diversität ist sehr wichtig für eine funktionierende Studierendenschaft und für die Gesellschaft allgemein. Dafür wurde extra eine Koordinierungsstelle für Diversität ins Leben gerufen, damit wir effektiv allen gegenläufigen Tendenzen entgegenwirken können.

Gab es denn solche Tendenzen?

Uhlig Leider ja. Es gab eine Hochschulgruppe der AFD. Auch hat die so genannte Identitäre Bewegung auf dem Campus Aktionen gestartet. Das ist ein trauriges Abbild der Gesellschaft. Aber, und da bin ich froh, ein Großteil der Düsseldorfer Studierenden stellt sich Extremisten entgegen und setzt sich für eine freiheitliche und inklusive Gesellschaft ein.

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