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Düsseldorfer Couturier: "Modezar" Hanns Friedrichs ist tot

Düsseldorfer Couturier : "Modezar" Hanns Friedrichs ist tot

Im Alter von 84 Jahren ist der Düsseldorfer Couturier an den Spätfolgen eines Sturzes gestorben. Seine Weggefährten aus der von ihm mit geprägten Modeszene trauern um einen guten Freund. Er war entscheidend beteiligt am Ruf Düsseldorfs als Modestadt.

Das Rampenlicht fehle ihm nicht, hatte Hanns Friedrichs noch vor wenigen Monaten beteuert. Und leise hinzugefügt: "Was mir wirklich fehlt, ist meine Gesundheit. Ich habe große Angst, dass ich hinfalle. Wenn es noch einmal passiert, muss ich sterben."

Prophetische Worte: Am Samstag ist Hanns Friedrich im Alter von 84 Jahren gestorben — an den Folgen eines Sturzes. "Ganz friedlich ist er eingeschlafen", sagt seine Sekretärin Lydia Gall. "Er war nicht allein in seiner letzten Stunde."

Die Nachricht macht alle betroffen, die ihn kannten, schätzten und bewunderten. Auch seine Weggefährten aus der Modeszene trauern um einen guten Freund. "Meine Familie und ich sind zutiefst erschüttert und erschrocken", sagte Albert Eickhoff. "Wir waren seit Jahrzehnten eng mit Hanns Friedrichs verbunden und haben große Zeiten miteinander erlebt. Schon sehr früh hat er den Ruf der Modestadt Düsseldorf begründet und entscheidend geprägt. Er war einer der treuesten Menschen, die ich kenne. Nie vergaß er einen unserer Geburtstage. Bei jedem unserer Feste gehörte er dazu. Er wird uns allen fehlen."

Modedesignerin Uta Raasch empfindet ähnlich. "Sein Tod trifft mich in der Seele. Ich mochte ihn sehr, er hatte so ein großes Herz und diesen wunderbaren Humor. Wenn man ihn um Rat fragte, war er sofort da. Oft kam er zu uns ins Atelier oder ich besuchte ihn am Jürgensplatz, wo es herrliche Törtchen gab." Mit wehmütigem Lächeln erinnert sie sich an ihre Anfangsjahre als Designerin. "Du mit Deinen Fetzenröcken", hatte Friedrich gescherzt, ihre Arbeit später anerkannt. "Meine Märchenfee" nannte er sie gern. Uta Raasch weiß aber auch: "Am Ende wurde es einsam um ihn. Viele, die früher in seiner Sonne standen, waren nicht mehr da, als die Schattenzeiten kamen."

Gisela Moog, Ex-Venetia und eine seiner engsten Vertrauten, begleitete Hanns Friedrichs bis zum Schluss zu vielen Veranstaltungen. Was wird bleiben von ihm? "Seine Fröhlichkeit", antwortet sie. "Und diese Eleganz! Seine Modenschauen waren ein gesellschaftliches Muss. So etwas wird es niemals wieder geben."

Damit spricht sie allen aus dem Herzen, die den quirligen Hanns Friedrichs (der Beiname "Modezar" schmeichelte ihm durchaus) jahrzehntelang auf dem Laufsteg erlebten, umringt von den anmutigsten Mannequins. Mit blühender Fantasie und einem gewissen Witz kleidete er sich dabei hundertfach selbst ein.

Kaum einer liebte die Show so sehr wie er, der schon als Kind auf der Bühne stand. Aus ihm wäre sicher ein fabelhafter Schauspieler geworden. Doch nach den Wirrnissen des Krieges fand er sich nicht im Theater wieder, sondern in einer Schneiderlehre. Und spürte fast verwundert, welche Passion sich daraus entwickelte, zunächst in Hagen, ab Mitte der 50er Jahre auch in Düsseldorf. Zur hohen Kunst und Perfektion des Schneiderhandwerks schuf er lustvoll den schönen Schein. Mit reichlich Rüschen, Schleifen und Geglitzer, wie seine Damen es liebten. Jetzt heißt es "Arrivederci, Hanns".

(RP/ila)