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Moderne Wohnungen entstehen in Düsseldorf im alten Kloster

Hinter alten Mauern : Neuer Glanz für das alte Kloster

Im ehemaligen Domizil der Barmherzigen Brüder in Friedrichstadt sind sieben moderne Wohnungen entstanden. Für unsere Reihe „So wohnt Düsseldorf“ haben wir uns dort umgesehen.

Was würden sie wohl sagen, wenn sie noch mal zurückkehren könnten, die Barmherzigen Brüder zu Monschau? Würden ihnen die lichten Räume gefallen, zu denen sich ihre schmalen Klosterzellen gewandelt haben? Wären sie froh, dass nun neues Leben hinter die alte Backsteinfassade gezogen ist – und statt Stille Kinderlachen durchs hohe Treppenhaus schallt?

Nachdem die Mönche Düsseldorf in den 1960er Jahren verlassen hatten, verlegte Otto Bittner seine Schokoladen-Produktion in den Hinterhof, später rettete der Denkmalschutz das Gebäude von 1893 vor dem Abriss. Und dann kam ein Unternehmen mit dem märchenhaften Namen „Küssdenfrosch“ – eine Projektentwicklerfirma, deren Macher eine Schwäche für Immobilien mit Geschichte haben, „die wir wach küssen können“, meint der Architekt Andreas Knapp. Was sie genau darunter verstehen, lässt sich jetzt unter anderem am ehemaligen Kloster an der Talstraße in Friedrichstadt erleben.

Wenn sie sich ihre Traumwohnung ausmalten, dann durften drei Zutaten auf keinen Fall fehlen: eine freistehende Badewanne, ein Kamin und alte Ziegelwände. Seit zwei Monaten wohnt Judith Brückmann mit ihrer Familie in einer solchen Wohnung. Nur vielleicht noch schöner als in ihrer Vorstellung. Jedes Detail hat das Paar gemeinsam mit Andreas Knapp und seinem Architekten-Team geplant, manchmal haben sie miteinander gerungen, manches verworfen, neu geplant. „Das war eine einmalige Chance, von Anfang an Einfluss nehmen und auf diese Weise eigene Ideen umsetzen zu können“, erinnert sich Judith Brückmann. Durch ihre Profession weiß die 34-Jährige, wie wichtig Räume und ihr Innenleben für das Wohlbefinden von Menschen sind. In ihrem Unternehmen „Ehrenplatz Coaching“ berät sie Menschen in schwierigen Lebenssituationen, hilft ihnen, Hürden aus dem Weg zu räumen. Und auch dabei Räume zu gestalten, „die ihren Bewohnern einfach gut tun“.

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 Viele ihrer Erkenntnisse hat sie in ihrem eigenen Zuhause verwirklicht. Dort hängt nicht eine Lampe zufällig, sondern nach einem genau ausgetüftelten Plan (drei über dem Kochblock, drei in unterschiedlicher Form und Höhe über dem Esstisch – eine Spezialanfertigung von einem Start-up aus Berlin. „Außerdem ist es wichtig, einen großen Raum zu strukturieren, Ordnung zu schaffen“, meint sie. So zeigt ihr Sofa dem übrigen Raum seine Rückseite und wirkt beinahe wie ein Raumteiler. Und der Kamin mit seiner romantischen Jugendstil-Umrandung steht in reizvoller Konkurrenz zu der ruppigen Ziegelwand – ein Mix aus Kontrast und Harmonie.

 Dieser Raum mit einem großen Balkon zum Hinterhof ist Herzstück der Wohnung. Allerdings: Auch der Rest ist ein Hingucker, selbst das Gäste-WC, normalerweise ein nicht weiter erwähnenswertes Kämmerchen, ist hier ein top-gestylter Raum, in dem grün-weiße Zementfliesen aus Italien mit Füßen getreten werden, Wasseranschlüsse und Entlüftung in einer Wandnische hinter einer Tür mit Lochmuster im Holz verschwinden – es erinnert an einen Kirchenbeichtstuhl.

 Die Straßenseite der Wohnung teilen sich Kinderzimmer, Elternschlafzimmer und das Bad mit der nostalgischen Wanne auf Füßchen und viel Platz für Wellness-Stunden: ein Ort für Schaumgeborene. Das Schlafzimmer mit weißen Einbauschränken und weißer Leinenbettwäsche lässt einem alten Klosterfenster mit gotischem Schwung (und neuem Mehrfachglas ausgestattet) seine dominante Wirkung. Eigentlich müsste man ja jetzt noch bei den Nachbarn klingeln, um die anderen sechs Wohnungen (fünf sind Eigentum, zwei vermietet) zu sehen – „denn alle sind völlig unterschiedlich“, versichert Andreas Knapp. Als er und sein Partner Kay Fromm erfuhren, dass das Kloster verkauft werden sollte, waren sie „sofort elektrisiert“. Nach dem Prinzip „Was erhalten werden kann, das bleibt“, begannen 2016 die Umbau- und Sanierungsarbeiten – in Abstimmung mit dem Denkmalschutz. So blieben die alte Steintreppe, das gusseiserne Treppengeländer, die Originaltüren (für die Bauzeit nummeriert, fotografiert, eingelagert), die zentnerschweren Heizkörper und teils auch das Fachwerk, das einst die Mönchszellen trennte, erhalten. Auch der alte Dachstuhl mit seinen Holzbalken, Gauben und Erkern blieb, er musste aber durch zwei Stahlrahmen stabilisiert werden – „das waren die kompliziertesten Dacharbeiten, die wir je gemacht haben“, so Knapp.

 Nur durch die Eingangstür im Erdgeschoss sind die Barmherzigen Brüder einst nicht gegangen. Sie stammt aus einem alten Kloster in Belgien, passt perfekt und ersetzte die kühle Stahltür mit Drahtglas aus den 1950ern. Die musste, da waren sich alle einig, nun wirklich nicht erhalten werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So wohnt Düsseldorf – Neuer Glanz für das Alter Kloster