Mobile Redaktion der RP auf der Heyestraße in Düsseldorf-Gerresheim

Mobile Redaktion : Heyestraße: Kompromiss wird begrüßt

Großer Andrang herrschte gestern bei der Mobilen Redaktion der Rheinischen Post an der Heyestraße. Die Neubauten für Flüchtlinge, Obdachlose und Menschen mit Wohnberechtigungsschein waren die beherrschenden Themen.

Die Heyestraße und ihr vermeintlicher wirtschaftlicher Niedergang im Allgemeinen und die anstelle der nicht mehr genutzten Flüchtlingsunterkunft geplanten Neubauten im Besonderen sorgten in Gerresheim in den vergangenen Wochen für viel Gesprächsstoff. Zunächst sollten an der Heyestraße 51 nur anerkannte Flüchtlinge und ehemalige Obdachlose einziehen dürfen, dann einigten sich Bezirkspolitiker, Verwaltung und Oberbürgermeister Thomas Geisel auf eine Drittellösung: Flüchtlinge, Obdachlose und Personen, die auf der Liste des Wohnungsamtes stehen. Dennoch: Dass der Bürger- und Heimatverein sowie der Nachbarschaftsverein an der Heyestraße sich gegen eine Nutzung ausschließlich mit Sozialwohnungen aussprachen, hat viele Menschen im Stadtteil aufgebracht.

Rosi Theiß, Vorsitzende des Bürgervereins, bleibt am Stand der Mobilen Redaktion bei ihrer Meinung, die Neubauten sollten nicht einseitig genutzt werden, spricht sich für die viel zitierte „gesunde Mischung“ aus, und meint: „Die geplanten 60 bis 70 Wohnungen sind zu viel.“ Trotzdem sei Gerresheim weltoffen, „hier wird niemand ausgestoßen“. Rückendeckung erhält sie von ihrem Vereinskollegen Karl-Erwin Freese: „Dass wir jetzt in eine rechte Ecke gerückt werden, diese Anfeindungen, das ist nicht akzeptabel.“ Außerdem: „Nichts ist bis jetzt sicher, noch sind die Planungen nicht in trockenen Tüchern.“

Michael Brockerhoff, Vorsitzender der Bürgerstiftung Gerricus, warnt vor dem Begriff „gesunde Mischung, denn das impliziert, dass das Gegenteil ungesund sei“. Er betont, dass in Gerresheim dringend Sozialwohnungen benötigt werden und begrüßt die jetzt gefundene Drittellösung. Und, dass das Netz gegen Armut aktuell bemüht sei, wieder eine Quartiersmanagement zu installieren.

„Verwundert“ zeigt sich Miriam Koch, Leiterin des Amtes für Migration und Integration: „In der Flüchtlingsunterkunft haben zuvor bis zu 160 Menschen gewohnt, und es war stets unauffällig. Da müssten die Gerresheimer die jetzigen Pläne doch eigentlich als Verbesserung empfinden.“ Auch sie hebt hervor, dass die Stadt dringend den nun zur Verfügung gestellten preiswerten Wohnraum benötige. Was auch Bezirksbürgermeister Karsten Kunert (SPD) unterstreicht: „Gerade hier an der Heyestraße lebt auch das Klientel, im Umfeld der evangelischen, wo viele Flüchtlinge und nicht so gut betuchte Menschen das Angebot der Caritas/Diakonie-Sprechstunde wahrnehmen.“

Dass der Fokus mal auf dem südlichen Teil von Gerresheim liegt, begrüßt Julian Detering von der FDP. Die Aufregung um den Neubau kann er dagegen nicht nachvollziehen. An der Heyestraße/Ecke Märkische Straße wird gebaut, das Glasmacherviertel, der Bunker, die alte Tennishalle – da seien 60 Sozialwohnungen nicht viel. Anders sieht das Joachim Loos von der Gemeinschaft „Wir! GHS“, der mit seinem Brandbrief zumindest Händlern von der Heyestraße aus der Seele gesprochen hat, weil sie das Warten satt haben – vor allem auf den Bau des Glasmacherviertels.

„Uns fehlen die Bewohner hier, und damit fehlt auch die Kundschaft“, sagt Jürgen Philipp, der einen Tabak- und Lottoladen hat. Dass sich einige in Gerresheim gegen das Wohnprojekt aussprechen, habe nichts mit Unmenschlichkeit zu tun, „wir haben nur Angst, dass ein Brennpunkt entsteht“, fügt Gisela Hollenburg hinzu. Peter Schleder wohnt seit seiner Geburt in Gerresheim, anders ist es vor 63 Jahren im Stadtteil gewesen. „Es ist ja nicht mehr viel da“, sagt Schleder, „nicht mal ein Metzger“. Der letzte Stand vom Markt auf der Quadenhofstraße habe 2018 aufgegeben, „früher konnten wir dienstags und freitags dort alles bekommen“, erzählt Schleder, der sich wie Angelika Penack-Bielor (CDU) eben jene Durchmischung im Stadtteil wünscht. „Wir fragen uns, ob es sinnvoll ist, alle in einem Wohnblock unterzubringen“, sagt die Ratsherrin.

Dass die Menschen ungeduldig sind im Süden Gerresheims, kann Joachim Heuter (SPD) verstehen. Aber er hält daran fest, das Projekt an der Heyestraße 51-53 zu realisieren. „Immerhin haben 50 Prozent der Düsseldorfer einen Wohnberechtigungsschein“, sagt er. Heuter glaubt nicht, dass ein Brennpunkt entsteht, „das ist ja bisher auch nicht geschehen“. Und diese Menschen müssen einkaufen, bemerkt Sönke Willms-Heyng (FDP), „das machen sie im Stadtteil, weil sie kein Auto haben“.

Weitere Themen bei der Mobilen Redaktion waren der verwahrloste S-Bahnhof, dessen Zustand Jochen Schnitzler für inakzeptabel hält, „im Winter waren auch noch die Lampen defekt, aber bei der Bahn schreibt man gegen eine Wand“. Dagmar Neugebauer bemängelt die extrem schlechten Bedingungen für Fahrradfahrer an der Heyestraße. Leni Güldenmeister findet es furchtbar, dass die Sparkasse ihre Filiale schließt und Bernd Woltring ärgert vor allem im Verkehr die Rücksichtslosigkeit.

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