Mobile Redaktion der Rheinischen Post: Die Werbegemeinschaft hält Eller am Leben

Mobile Redaktion der Rheinischen Post : Die Werbegemeinschaft hält Eller am Leben

Brauchtum, Feste, Bahnhöfe und Einkaufsstraße - die Werbegemeinschaft kümmert sich rührig um den Stadtteil. Doch nicht alles funktioniert, vor allem den Leerstand auf der Gumertstraße bedauern viele Elleraner.

In Lierenfeld auf der Grenze zu Eller wohnt Ulla Kohnen, die bei sich im Stadtteil einen Supermarkt vermisst, deshalb immer in den Nachbarort kommt. Der Vorteil: „Ich bleibe in Bewegung“, sagt Kohnen, die meistens  zu Fuß unterwegs ist, eine Viertelstunde braucht bis zum Gertrudisplatz und die in Eller vor allem die gute Anbindung mit dem ÖPNV schätzt. Der Zwanzig-Minuten-Takt bei einigen Rheinbahn-Angeboten am Abend sei einer der wenigen Nachteile beim ÖPNV-Angebot, denn wenn ein Takt ausfalle, müsse man 40 Minuten warten, fügt Francesco Abate hinzu  Er hoffe, dass es  bald wirklich die Möglichkeit gebe, dann mit dem Taxi zu fahren.

Eller hat seine ruhigen Ecken, aber der Durchgangsverkehr spielt eine große Rolle. Maßnahmen wie die nun startenden Umweltspuren sähe Stefan Kühn gerne auch in Eller. „Einfallstraßen wie die Bernburger Straße sind für die Menschen eine immer größere Belastung geworden“, sagt der 50-Jährige. Eine Reduzierung des Verkehrs sei wünschenswert, er setze auf mehr Kreativität bei Stadt und Rheinbahn und die Schaffung neuer Park & Ride-Plätze in den Nachbargemeinden. „Nur dann klappt es mit der Reduzierung des Autoverkehrs.“ Gabriele Haas bestätigt die Belastungen, die auch abends nicht aufhörten. Dann führen die Lkw, etwa von UPS, über die Bernburger Straße, das Scheppern der Gullydeckel sei die ständige Begleitmusik für die Anwohner.

Dieter Wehrmann hofft, dass Gefahrenquellen auf dem Eller Kamp für Radfahrer eingedämmt werden, Max Bergfried, mit seinen 80 Jahren ein Ureinwohner von Eller, stören vor allem die vielen Schlaglöcher auf der Karlsruher Straße. Michael Kölln wünscht sich eine bessere Tempo-Beschilderung für die Gumberststraße, „hier wird sehr viel gerast, weil die Autofahrer einfach nicht wissen, dass 30 ist“, sagt Kölln, der glaubt, dass Piktogramme das Ganze entschärfen würden. Außerdem hat Kölln kein Verständnis mehr für die Rheinbahn, „die in unserem Stadtteil die ältesten Züge einsetzt“. Laut seien die, quietschten in den Kurven. Nicht nur bei diesem Thema sieht er die Stadt in der Pflicht. „Sie lässt uns oft im Stich“, sagt Michael Kölln. „Eller lebt nur durch die Bezirksvertretung und die Werbegemeinschaft.“

„Keine Werbegemeinschaft in Düsseldorf ist so aktiv wie die In Eller“, findet auch Lothar Adams, Chef der Schützen in Eller. Weil sie sich einsetzt für den Stadtteil, das Brauchtum, die Gumbertstraße. Auch wenn Letzteres nicht immer leicht ist, bestätigt der Vorsitzende Jürgen Hagendorn. „Wer Ideen hat, kann gerne zu uns kommen und Projekte starten“, sagt Hagendorn. Gabriele Haas ist gebürtige Elleranerin und sie bedauert, dass viele Fachgeschäfte nicht mehr im Stadtteil zu finden sind, „Kurzwaren fehlten beispielsweise komplett“. Jürgen Grundmann und Anja Liedtke sind früher immer von Vennhausen nach Eller gekommen zum Einkaufen, „das machen wir heute nicht mehr. Der Einzelhandel muss sich den Veränderungen anpassen“, sagt Grundmann. Auch Hendrik Kind hat „ein nachlassendes Niveau bei den Geschäften“ ausgemacht, er sieht aber die Hausbesitzer in der Pflicht, nicht an Billigläden zu vermieten, die nach einem Jahr wieder schlössen. Beide loben die rührige Werbegemeinschaft, und Haas hebt den Markt auf dem Gertrudisplatz vor. „Fünf Tage in der Woche geöffnet, welcher Stadtteil hat denn so etwas?“, fragt sie rhetorisch. Eller sei ein Dorf und sie sei froh über die Kaufleute, von denen sie viele kenne und die auch wüssten, was ihre Kunden wollten.

Das Herzstück von Eller ist der Gertrudisplatz, der auch Nachteile hat. Im Bereich der großen Kastanie, die vor einigen Jahren mit Sitzbänken eingerahmt wurde, hält sich die Trinkerszene auf. „Viele sind aggressiv“, sagt Herbert Prickler (SPD), 1. stellvertretender Bezirksbürgermeister im Stadtbezik 8. „Fast täglich kommt die Polizei, der Krankenwagen, der OSD“, sagt Prickler, der inzwischen glaubt, dass die Bänke abgebaut und durch Modelle mit Armlehnen ersetzt werden müssten, „damit niemand mehr darauf liegen kann“, sagt Prickler, der Angelika und Michael Kuberski aus der Seele spricht mit seiner Idee. „Wir würden auch gerne mal dort sitzen und ein Eis essen“, sagt Michael Kuberski, der an der Konradstraße wohnt, nicht weit weg vom Gertrudisplatz, wo es manchmal bis tief in die Nacht laut ist. Mehr Bänke vor allem neben der Kirche wünscht sich Frank Knobbe, dort sei die Begegnungsstätte der Senioren, denen nichts anderes übrig bleibt, als auf den Bügeln zwischen Blumenbeet und Parkplatz zu hocken.

Vieles ist gut in Eller. Die Kuberskis würden nie wegziehen aus dem Stadtteil. Angelika Kuberski ist in Eller geboren, sie schätzt das viele Grün rundherum, die Naherholung. Francesco Abate schließt sich dem Lob an, er sei sehr zufrieden, so wie Ditmar Kuhlmeier vom Arbeitskreis Kultur, der früher in Derendorf gelebt hat, vor 25 Jahren nach Eller gezogen ist und findet, dass Eller einen eigenen Charakter hat. „Wir sind am Stadtrand und trotzdem zentral“, sagt Kuhlmeier, „und wir haben wohl die meisten Friseure hier.“

Zwar ist der Stadtteil gesegnet mit seinen drei S-Bahnhaltestellen - aber ihr Zustand ist eher schlecht. Ratsherr Harald Walter (SPD) will sich für eine künstlerische Gestaltung einsetzen, die Werbegemeinschaft selbst, die sich seit mehr als zehn Jahren um die Graffiti-Entfernung an der Station Eller-Süd kümmert, hofft auf eine Kooperation mit der Bahn, „vielleicht können wir ein Pilotprojekt starten“.

Götz Gabriel setzt sich mit aktiven Nachbarn unter der Überschrift „LierenEller.de“ für die Schaffung eines Industriepfads ein, wie man ihn bereits aus Gerresheim kennt. Bei der Mobilen Redaktion informiert er über das Projekt, an seiner Seite Carla Müller, die in derselben Straße wohnt wie er. Der Planungsingenieur kennt die stahlverarbeitenden Betriebe von Flingern und Lierenfeld aus eigener Berufserfahrung und möchte, dass die Erinnerung an diese besondere Geschichte wach bleibt. Am 29. Juni soll bei einem Fest Am Stufstock der Industriepfad gestartet werden.

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