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Düsseldorf: Mitarbeiter wollen Café Bittner retten

Düsseldorf : Mitarbeiter wollen Café Bittner retten

Dem traditionsreichen Café Otto Bittner droht die Schließung, weil die Muttergesellschaft Limper Insolvenz anmelden musste und zudem der Mietvertrag ausläuft. Nun setzten sich die Beschäftigten mit einer Aktion für den Erhalt ein.

Nachmittags, gegen 15 Uhr, im Café Otto Bittner am Carlsplatz. Würde sich ein Zeitreisender hier materialisieren, er könnte kaum aufs Jahrzehnt genau bestimmen, wo er gelandet ist. Da helfen weder die braunen Holzstühle mit den rosafarbenen Polstern noch die massiven Marmortische, auf denen Bedienungen in gestreiften Schürzen Teller mit schwerer Sahnetorte abstellen. "Plüschig-kultig" nennt Service-Leiterin Gabriele Peters liebevoll das alteingesessene Café, das seit Jahrzehnten Anlaufstelle vieler Stammgäste und ein Teil Düsseldorfer Gastronomie-Geschichte ist.

Derzeit bangen Peters und ihre Kollegen um ihren Arbeitsplatz – denn die Duisburger Muttergesellschaft Limper hat Insolvenz angemeldet, und der zum Jahresende auslaufende Mietvertrag am Carlsplatz soll nicht verlängert werden. Mit einem großen roten Gäste-Buch kämpfen die Mitarbeiter nun für den Erhalt des Cafés – es soll Kunden sensibilisieren, mögliche Investoren und womöglich auch den Vermieter überzeugen.

"Ich höre täglich von unseren Kunden, wie sehr wir ihnen fehlen würden", sagt Peters: "Wir mussten etwas tun." So wollte das Team dokumentieren, wie sehr die Stammgäste (die meisten in der Altersgruppe ab Mitte 40) an dem Café hängen – und die machten mit. Nicht knappe Worte des Bedauerns haben sie auf die karierten Seiten geschrieben, sondern oft ganze Briefe. "Schade, wiederum wird ein Stück Düsseldorfer Kulturgeschichte aufgegeben", hat ein Ehepaar notiert, schwärmt vom "wunderbaren Verweilplatz". Eine Frau schreibt: "Unsere Gruppe, sechs Damen im Alter zwischen 70 und 80 Jahren, kommt schon 20 Jahre" – wie eine Gruppe früherer Arbeitskollegen: "Schade, jetzt müssen wir uns einen neuen Treffpunkt suchen", haben sie geschrieben. Viele loben die Mitarbeiterinnen ("umsichtig, schnell und sehr, sehr freundlich") und – natürlich – das Essen. "Vermissen werden wir die leckeren Pfannkuchen und die große Auswahl verschiedener Kuchen", schreiben vier Frauen: "Die schönen Stunden bei euch im Café bleiben unvergesslich."

Geschäftsführer Jörg Sielaff ist begeistert von der Idee seiner Mitarbeiterinnen. Er hofft, dass deren Engagement und die im Gästebuch sichtbar werdende Treue der Kunden auch möglichen Investoren zeigen, welches Potenzial im Unternehmen steckt. "Es gibt einige Interessenten, mit denen wir in guten Gesprächen sind", sagt er.

Ein mögliches – aber nicht unbedingt das gewünschte – Szenario ist auch die Herauslösung des mehr als 100 Jahre alten Traditionsunternehmens Otto Bittner aus der Duisburger Muttergesellschaft. Immerhin ist die Konditorei weit über Düsseldorf hinaus für die schokoladigen "Kö-Diamanten" und andere Leckereien bekannt – und ganz klar das Filet-, oder passender: das Sahnestück des Unternehmens. "Wir wünschen uns natürlich, dass es für das Gesamtunternehmen Limper weitergeht", sagt Sielaff. Rund 120 Beschäftigte arbeiten für die Konditorei-Kette, die neben den Bittner-Cafés (ein zweites befindet sich in der Kö-Galerie) mehrere Geschäfte in Duisburg betreibt.

In den kommenden Wochen soll sich entscheiden, ob Limper gerettet werden kann. Doch selbst dann müsste die Carlsplatz-Filiale womöglich weichen. Der Vermieter will Sielaff zufolge das Haus sanieren, eine neue Mieterstruktur schaffen. "Das ist wirtschaftlich sicher verständlich", sagt der Geschäftsführer. Dennoch hofft er, dass es mit Blick auf die Historie des Unternehmens eine Chance für neue Gespräche gibt: "Wir würden uns darüber sehr freuen."

Ansonsten hält er schon die Augen offen nach einer neuen Location, etwa so groß wie die bisherige und möglichst auch sehr nah dran. "Weil Otto Bittner mitten in das Geschehen hier in der Stadt gehört."

(RP)