Mein Düsseldorf: Mit Wonne in die Tonne

Mein Düsseldorf : Mit Wonne in die Tonne

In Düsseldorf gibt es eine Art Gegenwelt zu edlen Läden und käuflichen Statussymbolen: den Recyclinghof Flingern.

Irgendwann ist Schluss. Der Computer zwei Jahre alt und damit antik, im Garten sind nicht mehr alle Latten am Zaun, das Fahrrad kriegt nix mehr auf die Kette, der Kinderschlitten ist Schnee von gestern und der Sonnenschirm nur noch ein Schatten seiner selbst. Endstation Sperrmüll. Der kann in Düsseldorf unter anderem per Telefon vereinbart werden. Ein freundlicher Herr fragt "Wat habense denn so?" Worauf man meist eher vage was von Bücherregal und Liegestühle murmelt, vor dem inneren Auge aber schaudernd den Berg von Gerümpel sieht, der die Garage blockiert. Der avisierte Abholtermin folgt in der Regel einige Tage später.

Der andere Weg ist der schnellere und führt zur Abfallsammelstelle. Die heißt natürlich nicht mehr so, sondern firmiert unter Recyclinghof. Also: auf nach Flingern. Dort, an der Müllverbrennung, gibt es diesen sehr speziellen Platz mit der ganz besonderen Atmosphäre. Inklusive Pförtnerhäuschen, das einen an Grenzübergänge früherer Jahre erinnert - zurecht, denn man tritt tatsächlich in eine Art Gegenwelt zu edlen Läden und käuflichen Statussymbolen. Dort ist keiner mehr scharf darauf, was zu bekommen, im Gegenteil: weg damit statt must have. Am Eingang wollen die Hüter der sauberen Entsorgung sehen, was nun den Weg alles Irdischen gehen soll und sagen danach, wo es hin soll: Holz da, Elektroschrott gegenüber, Farben und andere Chemikalien bitte dort drüben, Metall um die Ecke, Restmüll kurz vorm Ausgang. Es wird der Satz konkret, über den das Ausland lächelt: Der Deutsche wirft nichts weg, er trennt. Und zahlt natürlich dafür: "Zehn Euro bitte!"

Wenig Geld für das großartige Gefühl, das sich wenige Minuten später einstellt: Es gibt nichts Befreienderes, als die Trümmer des Zauns in einen Container voller anderer Holzreste zu wuchten. Überall warten Helfer, die bestimmt, aber freundlich bei der Einschätzung des Mülls helfen, wenn nötig mit anpacken und einen in der Einsicht bestärken, sich nicht sinnlos von einst Wertvollem loszusagen. Denn: Was jetzt mit dem Zeug passiert, ist nur ein weiteres Kapitel in einem langen Prozess von Planung, Konstruktion, Kauf, Gebrauch und Wiederverwertung. Da geht wenig verloren, und am deutlichsten wird das bei den Haufen von Grünabfällen. Gleich neben denen steht ein riesiger Container mit dunklem Kompost. Wer will, kann sich an dieser Pflanzerde bester Qualität bedienen. Sie ist das faszinierende Ergebnis dessen, was die Natur produziert, wenn sie Stoffe in diesen Kreislauf zurückführt, in dem es keinen Abfall gibt.

Bei den aufgehäuften Computern ein paar Meter weiter ist das längst nicht so perfekt, und auch der Metallschrott wird noch sortiert werden müssen, bevor er in die Schmelze kommt. Aber die meisten weggeworfenen Stücke werden wir (oder andere) irgendwann wieder in der Hand haben. Beruhigend - oder? Also: mit Wonne in die Tonne.

(RP)
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