Kolumne Die Woche in Düsseldorf: Mit Filmen und Bildern im Netz

Kolumne Die Woche in Düsseldorf : Mit Filmen und Bildern im Netz

Eigentlich müsste mal einer einen Blog mit dem Titel "O weh weh weh-Parteien-im-Netz-de" machen: Stoff dafür gäb's reichlich. Auch in Düsseldorf. Klar - im Internet sind sie inzwischen alle unterwegs. Schließlich will sich keiner, wie seinerzeit Angela Merkel, einen Spruch wie "Internet ist Neuland für uns" vorhalten lassen. Also tummelt man sich dort, lädt zu Interaktion ein oder Meinungsumfragen, präsentiert vermeintlich dem Bürger auf den Nägeln brennende Themen und vor allem - sich selbst.

Das tut neuerdings auch der OB. Dirk Elbers wollte sich nicht nachsagen lassen, er sei im Wahlkampf ohne Netz unterwegs. Das nämlich hatte die Konkurrenz genüsslich vermerkt und kritisiert, unter dem Namen des OB gerate man auf dessen alte (leere) Seite und sei sofort verlinkt mit dem Internet-Auftritt der Stadt Düsseldorf. Elbers hat inzwischen reagiert und sich einen schicken Blog einrichten lassen. Da bedankt er sich artig für die vielen Genesungswünsche, preist den Kö-Bogen und Gratis-Kita-Plätze, lässt ein Filmchen abspielen, das ihn bei der Eröffnung einer Kita zeigt - leider schon vor etlichen Tagen. Auch sonst ist auf der Elbers-Seite nix los: tödlich für die hier angesprochene Klientel. Wenn diese beim wiederholten Klicken auf die Seite nichts Neues sieht, wandert sie ab und kommt so schnell nicht wieder.

OB Dirk Elbers hat sich nach der Kritik nun einen eigenen Blog einrichten lassen. Foto: RP

Immerhin ist die Konkurrenz da munterer: SPD-Chef Andreas Rimkus zeigt überdeutlich, wo er zu Hause ist - kräftiges Rot ist seine Grundfarbe. Und eine Rubrik heißt bei ihm Rote Socke TV. An Filmchen mangelt es denn auch nicht - da kann es dem Nutzer glatt ein wenig vor den Augen flimmern. Pfiffig ist die Idee der Düsseldorfer SPD, einen Stadtplan mit den Kommunalwahlbezirken hochzuladen: Dort sind nicht nur sämtliche Termine der Wahlkämpfer aufgelistet, auch die - aus Genossen-Sicht - Top-Aufreger im jeweiligen Bezirk. SPD-OB-Kandidat Thomas Geisel gibt ebenfalls Gas im Netz: Fotos von ihm in allen möglichen Situationen, potenzielle Wähler kommen zu Wort, der Kandidat informiert ausführlich über sich und seine Termine. Routiniert das Ganze.

Wer bei den Grünen die große Alternative erwartet, wird eher enttäuscht. Spitzenkandidatin Miriam Koch ("Ich möchte Düsseldorfs erste grüne Oberbürgermeisterin werden") spricht die aus ihrer Sicht wichtigen Themen an, aber die Seite birgt - wie die der anderen Parteien - nichts Überraschendes. Neu ist die Idee der Grünen, unter einer eigenen Adresse (gemeinsam-duesseldorf.de) permanent die Leute um Stellungnahmen zu bitten. Einige geben dort auch fleißig ihre Meinung ab - aber man sieht immer nur prozentuale Anteile von Nutzern an den beantworteten Fragen, keine absoluten Zahlen. Es bleibt also offen, wie viele tatsächlich unterwegs sind in diesem Forum.

Da sind die Facebook-Auftritte einiger Politiker schon klarer - Kommentare oder "likes" sind sichtbar. Und sie haben oft hohen Unterhaltungswert, sind aber auch bedenkenswert - weil dort halt all jene zu Wort kommen lassen, die endlich meinen, nun mal sagen zu müssen, was sie schon immer sagen wollten. Das ist oft originell und kreativ, aber häufig auch nur der Versuch einer Kommunikation von "Hatern" oder, noch schlimmer, von Claqueuren, womöglich bestellt, die alles bejubeln, was die vermeintlich weiter oben Stehenden von sich geben oder "teilen".

Fazit: Die Parteien haben diese Ebene der Wähleransprache für sich entdeckt, Neuland ist es für sie schon lange nicht mehr. Aber wie sie sich bewegen, zeigt ihr Bemühen, alles richtig zu machen. Manches mag hilflos wirken, vor allem Elbers schätzt den Wunsch nach Tempo offenbar falsch ein - aber dennoch: Daumen hoch für die Netzwerker, vieles kann man gerne liken. Try and error ist völlig in Ordnung.

(RP)
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