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Düsseldorf: Mit Farben Raum erschaffen

Düsseldorf : Mit Farben Raum erschaffen

Das Museum Kunstpalast erinnert an den Schweizer Grafiker Camille Graeser.

Farbige Quadrate sind sparsam über die Bildfläche verteilt. Ihrer Platzierung liegen geometrische Pläne zugrunde, die hier und da den Arbeiten als Skizzen an die Seite gestellt sind und Einblick in den tieferen Sinn dieser ungegenständlichen Kompositionen bieten. Zuweilen tanzt ein Quadrat aus der Reihe, stützt sich auf eine seiner Ecken und hinterlässt eine Lücke, die selbst wiederum als Quadrat erscheint. Der Mann, der sich solche Schachzüge einfallen ließ, hieß Camille Graeser, lebte von 1892 bis 1980 und bleibt nicht nur durch sein künstlerisches Werk in Erinnerung, sondern auch durch seine seltsame Biografie.

Der Schweizer Graeser wuchs in Stuttgart auf, absolvierte eine Schreinerlehre, arbeitete als Innenarchitekt, floh 1933 zurück in die Schweiz, hatte erst mit 59 seine erste Einzelausstellung und war bereits über 60, als er sein erstes Werk verkaufte. Als Künstler schöpfte er aus den Erfindungen des Konstruktivismus. Deshalb sind zum Beispiel abstrakte Kompositionen des russischen Avantgardisten Ilja Tschaschnik, Arbeiten von Josef Albers und Max Bill aus dem Eigenbestand des Museums Kunstpalast der richtige Rahmen dieser kleinen, feinen Graeser-Schau.

"Konkrete Kunst" nennt man das, wozu sich Graeser hatte inspirieren lassen: jene Quadrate und andere geometrische Formen, die sich unter seiner Hand zu Raum schaffenden Kompositionen fügten und zuweilen auch Bewegung andeuten - wie in der Serigraphie "Bewegung im Raum" von 1972. Solche Auflagen-Objekte lagen ihm besonders am Herzen, weil er wollte, dass auch weniger betuchte Menschen sich seine Kunst leisten konnten. Diese Kunst besteht im Austarieren von Größen- und Farbverhältnissen, im Umgang etwa mit den Komplementärfarben Gelb und Blau, Rot und Grün. Das Bild "Blau und Gelb konform Grün" von 1969/70 vermittelt davon einen Eindruck.

Eines der ausgestellten Bilder, ein Multiple, gilt zwar als ein Geschöpf Graesers, ist aber in Wirklichkeit ein Produkt seines Galeristen, der es nach des Künstlers Anweisung herstellte. Schon damals, so sieht man, relativierte sich der überlieferte Geniebegriff.

Die ausgestellten Werke stammen fast ausschließlich aus der Sammlung des Kunstpalasts. 1986 hatte die Camille-Graeser-Stiftung dem damaligen Kunstmuseum nahezu das gesamte druckgraphische Werk geschenkt. Nach langer Pause ist es nun erstmals wieder zu sehen - passend in einer Zeit, in der sich Museums- und Messebesucher wieder von "Zero" und anderer ungegenständlicher Kunst begeistern lassen.

Ausstellung im Museum Kunstpalast am Ehrenhof bis 26. Juli; Di.-So. 11-18 Uhr; Eintritt: fünf Euro, ermäßigt vier Euro

(RP)