Düsseldorf: Mit dem eigenen Wohnmobil durch die USA

Düsseldorf : Mit dem eigenen Wohnmobil durch die USA

Die Firma Sea Bridge organisiert weltweite Reisen für Leute, die Monate mit dem eigenen Fahrzeug fahren. 90 Prozent sind Rentner.

Es war das Jahr 1992, als der freiberufliche Anlagenbauer Detlef Heinemann (damals 38) einsehen musste, nicht mehr viel Zeit zu haben, um mit den Kindern mal so richtig lang zu verreisen. Tochter Denice war vier, Sohn Robin zwei Jahre alt - und das Fernweh groß. Bevor deren Schulpflicht begann, musste man an Reiseträumen realieseren, was normale Ferienfristen sprengen würde.

Also schaffte der Techniker das Wohnmobil der Familie in Emden auf einen Frachter Richtung USA, flog einige Tage später mit der Familie hinterher, holte den Hymer-Campingbus in der Nähe von Washington ab - und tourte ein halbes Jahr lang mit Familie durch Amerika und Kanada. 37 000 Kilometer legten die Heinemanns zurück, bevor es wieder nach Hause ging. Zwei Jahre später wiederholte sich das, allerdings mit dem Ziel Australien - wieder ein halbes Jahr, wieder zigtausende Kilometer.

Daheim kam ihm die Idee, das Erlebte, vor allem aber die Erfahrungen in einem Buch aufzuschreiben und zu vermarkten. Dieses Werk pries Heinemann auf der Caravan-Messe an - und das Interesse war riesig. Vor allem aber kam immer wieder die Frage, ob er nicht eine solche Reise für andere organisieren könnte - die Geburt einer Geschäftsidee.

Heute, rund 20 Jahre später, ist daraus die Agentur Sea Bridge geworden, in der fünf Leute arbeiten, 8000 Kunden in der Datei stehen und pro Jahr 500 Reisemobile weltweit auf Reisen geschickt werden. Seit 1997 waren es 5000.

Die organisierten Trips sind nichts für Leute mit einer 14-Tage-Urlaubsplanung. Die untere Grenze dessen, was Sea-Bridge-Kunden mehrheitlich abspulen, sind drei oder vier Monate, viele bleiben länger - und es gibt Touren, die über ein ganzes Jahr gehen. Kein Wunder also, dass Heinemann sagt: "90 Prozent unserer Kunden sind Rentner. Und zwar solche, die Zeit haben und sich das leisten wollen."

Ist das Ganze also der pure Luxus? Nicht wirklich. Wer mehrere Monate durch die USA fahren möchte und sich dafür drüben ein Wohnmobil leihen würde, den käme allein die Leihgebühr teurer als die Fracht für das eigene Fahrzeug. In die USA ist man mit rund 5000 Euro Frachtkosten dabei - und hat dafür sein eigenes Heim bei sich. Der Preis an Bord des Frachters richtet sich nach dem in Anspruch genommenen Raum, nicht nach Gewicht. Meist sind es übrigens nicht die riesigen Straßenkreuzer für weit über 100 000 Euro, mit denen die Kunden auf Reisen gehen, sondern eher die mittleren Modelle.

Die Betreuung durch die kleine Agentur in einer Lierenfelder Seitenstraße endet aber nicht mit dem Verschiffen des Wohnmobils. Es werden komplette Reisen bis ins Detail geplant und organisiert, am Zielort gibt es einen Reiseleiter. Auf den Trip gehen auch keine einzelnen Fahrzeuge, sondern stets reist man in Gruppen - jeder im eigenen Wagen, aber man fährt dennoch nicht im Pulk. "Zu stressig", sagt der Fachmann und betont, keiner könne sich an den Reiseleiter hängen. Der fährt der Gruppe entweder voraus oder hinterher, und abends trifft man sich am vorher ausgemachten Ort. Den findet in Zeiten von GPS und Navi jeder, ein Roadbook liefert zudem Infos über die zu fahrende Route. Der Vorteil dieser Art, in der Gruppe unterwegs zu sein: Passiert mal was unterwegs, ist Hilfe schnell da, und abends sitzt man beisammen und tauscht das am Tag unterwegs Erlebte aus. "Es gibt den Leuten ein Gefühl von Sicherheit, so zu reisen", sagt Heinemann. Das sei in Ländern wie USA oder den meisten europäischen Ländern nicht so wichtig, aber gehe es durch asiatische Länder oder Südamerika, fühlen sich die Globetrotter besser, wenn sie wüssten, dass sie nicht ganz auf sich allein gestellt sind. Dafür sorgen in den Zielländern auch landeskundige Reiseleiter, 15 von ihnen arbeiten für Sea Bridge. Heinemann definiert es so: "Wir verkaufen betreute Abenteuer", oder "Jeder für sich, aber nicht allein."

Wer sein eigenes Wohnmobil in Übersee nutzen will, muss sich bereits im Vorfeld mit einer Menge Fragen beschäftigen - und die Agentur kann sie alle beantworten. In den USA braucht man beispielsweise eine amerikanische Versicherung und darf das eigene Auto maximal ein Jahr nutzen - danach müsste es auch technisch an amerikanische Standards angepasst werden.

Per Schiff braucht das eigene Auto 19 Tage bis nach Baltimore (USA), 17 bis Halifax (Kanada) oder sechs bis acht Wochen nach Australien. Gebucht wird meistens one way, also ohne Rückticket. Und das nicht etwa, weil man gar nicht wieder nach Hause will, sondern wegen der meist sehr flexiblen Reiseplanung: Die flotten Rentner entscheiden oft erst auf ihrer Reise, wann sie gedenken zurückzukehren - und lassen dann über Sea Bridge Schiffspassage und Flugtickets bestellen.

Die Firma rechnet mit steigenden Umsätzen: In keinem Land der Welt werden derzeit pro Jahr so viele Wohnmobile verkauft wie in Deutschland, 2014 werden es 25 000 sein. Und neuerdings kommen viele Schweizer auf den Geschmack. Dort sind es allerdings häufiger junge Leute, die Lust, Zeit und Geld haben, sich für viele Monate in ein betreutes Abenteuer zu stürzen.

(RP)