Düsseldorf: Mit 27 für die Grünen neu im Landtag

Düsseldorf: Mit 27 für die Grünen neu im Landtag

Martin-Sebastian Abel ist Anfang November als dritter Düsseldorfer in die Grünen-Fraktion des Landtags nachgerückt. Inzwischen hat er sein Büro bezogen, seine erste Plenums-Rede gehalten und viel mit Interessenvertretern gesprochen.

Er hatte noch nicht einmal sein Büro bezogen, schon stand das erste Geschenk auf dem Schreibtisch: vier Flaschen Wein von einem Unternehmen, an dem auch die Stadt Düsseldorf beteiligt ist. Und das ausgerechnet zu der Zeit, als der Skandal um großzügige Geschenke der Stadttochter IDR gerade mal wieder Schlagzeilen machte. Martin-Sebastian Abel schüttelt darüber den Kopf. Den Wein habe er zurückgeschickt. Auch wenn es rechtlich nicht zu beanstanden ist, einen Parlamentarier zu beschenken.

Parlamentarier ist Abel seit Anfang November. Eigentlich hatte er damit gar nicht gerechnet, als er in einem der vier Düsseldorfer Wahlkreise für die Neuwahl des Landesparlaments aufgestellt wurde. Mit Platz 30 auf der Landesliste galt sein Einzug nicht als sicher. Doch die Grünen holten ein gutes Wahlergebnis und 29 Sitze im Landtag. Damit war Abel der erste Nachrücker. Als Sylvia Löhrmann, Vize-Ministerpräsidentin und Schulministerin, gemäß der bei Grünen geltenden Trennung von Amt und Mandat ihren Platz im Parlament freimachte, zog Abel nach Monika Düker und Stefan Engstfeld als dritter Grüner aus Düsseldorf ein. Anfangs noch ohne eigenes Büro. "Die Erwartungshaltung ist sehr hoch", sagt Abel. "Aber ich versuche, mich nicht zu verzetteln, sondern auf meine Bereiche zu konzentrieren."

Sein Büro hat der Student (ihm fehlt noch eine Prüfung zum Abschluss in Religionswissenschaften) inzwischen bezogen: Es hat einen kleinen Besprechungstisch, was Abel als Luxus bezeichnet. Darauf liegen Holzklötzchen, die eine minimalistische Weihnachtskrippen-Szene darstellen. Die Heizung bleibt aus, damit die einzige Pflanze auf dem Fensterbrett neben dem Drucker nicht austrocknet. Durchs Fenster blickt man auf die Rheinkniebrücke. "Tierschutz" steht auf einem dicken Ordner. Abel ist Mitglied des Wissenschaftsausschusses und dort Sprecher für Tierschutz. "Genauer gesagt für Exoten."

Die sind heute auch Thema bei seinem ersten Besuch: Laura Zimprich vom Vorstand des Tierschutzvereins "Animal public" ist für einen Gedankenaustausch gekommen. Es ist schon das dritte Mal, dass sie sich treffen, man duzt sich. Es geht um Terrarium-Tierhaltung, die Probleme, die Polizei und Tierheime haben, wenn etwa Giftschlangen konfisziert werden, und wie schwierig es für kommunale Veterinärämter ist, artgerechte Tierhaltung in Zoos oder beim Zirkus zu kontrollieren. Es geht um den Eisbären Lars, dessen Nachkommen früh sterben, um Zebraherpes, der von Ratten übertragen wird, und um Erbkrankheiten durch Inzucht.

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Es ist ein Austausch, von dem beide profitieren. Lobbyismus vorbildlich. "Mir ist wichtig, dass es keine finanziellen Vorteile gibt und die Forderungen gut fürs Gemeinwohl sind", sagt Abel. Im Januar hat er einen Termin beim Zoo-Direktor in Wuppertal. Im Sommer plant er einen "Zoo-Gipfel" mit Experten. Im Plenarsaal sitzt er in der letzten Reihe. Ein Hinterbänkler? Abel lächelt selbstbewusst. Immerhin war es der Platz von Löhrmann und birgt also Aufstiegschancen. Seine erste Rede im Plenum hat Abel auch schon gehalten. Fünf Minuten zu den höheren Gema-Abgaben. "Ich war extrem nervös und erkältet." Krank ist zurzeit auch sein Mitarbeiter im Abgeordnetenbüro. Für Abel ist das kein Problem, dann erledigt er eben mehr selber.

Geboren wurde Abel in Leipzig. Er war vier Jahre alt, als seine Mutter mit ihm über die Prager Botschaft nach Westdeutschland floh — nach Düsseldorf, wo eine Tante wohnte. Aus seiner Biografie rührt das Interesse für deutsche Geschichte, sein Engagement für Datenschutz und gegen zu viel Überwachung öffentlicher Plätze. Sein Drang nach Freiheit, "aber nicht nur für die Unternehmen, wie es die FDP verspricht". Dennoch steht in seinem Regal ein Buch des FDP-Politikers Gerhart Baum. Titel: "Meine Wut ist jung".

Baum ist auch Vorsitzender des Kulturrats NRW. Sein Vize, Reinhard Knoll, ist heute Abels zweiter Besuch. Der Kulturrat sei sehr überrascht über die geplanten Kürzungen des Landes. Von 0,34 auf 0,3 Prozent des Gesamt-Haushalts soll die Kultur gekürzt werden. Abel hat Verständnis: "Mich hat das auch überrascht." Zumal im Koalitionsvertrag etwas anderes stehe. "Ich hoffe, dass wir als Grünen-Fraktion noch etwas reparieren können."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Düsseldorfer Grüne: Das ist Martin-Sebastian Abel

(RP/ila)
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