NRW-Ministerin Mona Neubaur auf Sommertour Auf Schloss Benrath wird schon vieles richtig gemacht

Düsseldorf · Wer hätte das gedacht: NRW ist ein Land voller Burgen und Schlösser. Rund 1400 solcher Gebäude stehen hier. Ein touristisches Potenzial, das es zu heben gilt. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur sagte bei einer Sommertour ihre Unterstützung zu.

 Auf ihrer Schlösser-Tour machte die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur auch Station am Benrather Schloss. Dort bekam sie viele Informationen von den Stiftungsvorständen Stefan Schweizer (r.) und Nicolas Maas.

Auf ihrer Schlösser-Tour machte die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur auch Station am Benrather Schloss. Dort bekam sie viele Informationen von den Stiftungsvorständen Stefan Schweizer (r.) und Nicolas Maas.

Foto: Andrea Röhrig

Es soll nur noch wenige Minuten dauern, bis die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur mit ihrem Dienstfahrzeug am Benrather Schloss vorfährt. In der kurzen Wartezeit fällt der Blick von Stiftungsvorstand Nicolas Maas auf ein Stück Mauerwerk am Ostflügel. An nicht wenigen Stellen ist der farbgebende rosa Putz abgebröckelt. Je näher man dem Prachtbau kommt, desto mehr fallen sie auf: die schadhaften Stellen. Das Torhaus, in dem das Schlosscafé untergebracht ist, ist bereits eingerüstet. Vorzeichen der beginnenden Generalsanierung.

Doch Neubaur blickt bei ihrer NRW-Rundtour am Dienstag – bei der sie zwei Schlösser und zwei Burgen auf Einladung der „Deutschen Burgenvereinigung Landesgruppe Rheinland“ besucht – mit einem anderen Blick auf das Lust- und Jagdschloss von Kurfürst Carl Theodor: Die grüne Politikerin hat als Ministerin auch die Bereiche Wirtschaft und Tourismus in ihrem Zuständigkeitsgebiet und sieht in dem denkmalgeschützten Bauwerk ein großes touristisches Potenzial.

Das gilt aus ihrer Sicht nicht nur für das Benrather Ensemble, sondern für eine Vielzahl der insgesamt 1400 Schlösser, Burgen und Herrenhäuser in NRW. Eine Zahl, die kaum jemand erwarten würde. Das soll sich ändern, wünscht sich der ehrenamtliche Vorstand der Landesgruppe der Burgenvereinigung, bestehend aus Christian Vonderreck, Detmar Westhoff, Tilla Freifrau von der Goltz und Stefan Drzisga. Und wer ist da ein besserer Ansprechpartner als die Wirtschafts- und Tourismusministerin?

Entstanden ist die Sommertour, die auf Burg Zelem startete und dann über die Wasserburg Anholt und das Wasserschloss Lembeck bis nach Benrath führte, bei einem Austausch über das Thema im Oktober 2023 im Düsseldorfer Industrie-Club. Der dortigen Bitte von Mona Neubaur, eine Sommertour für 2024 zu organisieren, kam der Vorstand der Burgenvereinigung nur zu gerne nach.

Denn die Schloss- und Burgenbesitzer in NRW – viele Bauwerke befinden sich im Privatbesitz – sehen sich in mehreren Punkten benachteiligt. Das fängt bei der fehlenden finanziellen Unterstützung durch die öffentliche Hand beim Unterhalt dieser geschichtsträchtigen Bauwerke an, es gibt Probleme mit den Denkmalschutzbehörden bei Sanierungsarbeiten. Und vor allem fehlt ihnen ein landesweites Konzept für eine bessere Vermarktung. Da versteht sich bislang jeder mehr oder weniger als Einzelkämpfer und versteht dabei auch nicht immer die Bedürfnisse der Touristen, die nicht selten mit dem Rad unterwegs sind.

In zehn der 16 Bundesländer liegt die Verwaltung der Burgen und Schlösser in der öffentlichen Hand. Bekanntestes Beispiel ist die Bayerische Schlösserverwaltung, die vor allem mit Neuschwanstein punktet. Warum soll das nicht auch in NRW funktionieren? Denn NRW hat nach Baden-Württemberg die zweithöchste Zahl an Übernachtungsgästen, sagt Mona Neubaur. Doch die Gäste müssen erst mal wissen, wo es für sie was zu erleben gibt: Welches Schloss bietet Übernachtungsmöglichkeiten oder besondere Feste?

Eine eigene touristische Marke, sagt Tilla Freifrau von der Goltz, habe NRW mit seiner „Route Industriekultur“ gut hinbekommen. Ähnliches kann sich der Vorstand der Burgenvereinigung bei der Vermarktung der Burgen und Schlösser vorstellen. Bei der Stippvisite auf Burg Anholt hat die NRW-Tourismusbeauftragte Heike Döll-König zugesagt, dass 2025 vonseiten des Landes das Bewerben der Schlösser und Burgen im Mittelpunkt stehen werde. Doch das reiche nicht, sagt Freifrau von der Goltz: „Das muss eine dauerhafte Initiative werden.“

Über zu wenig finanzielle Unterstützung kann sich immerhin der Vorstand der privatrechtlichen Stiftung Schloss und Park Benrath nicht beschweren. Konnte doch 2016 die Politik auf Ebene von Stadt, Land und Bund überzeugt werden, dass an der Benrather Schlossallee ein Juwel steht, das es zu erhalten und besser noch so aufzuwerten gilt, dass noch mehr Besucher kommen: Jeder der drei Partner sagte jeweils 20 Millionen Euro zu.

Um den Unterhalt der Anlage zu finanzieren und dabei, wie es Stiftungsvorstand Stefan Schweizer ausführte, die öffentliche Hand nicht weiter zu belasten, wird über die Stiftungstochter „Spiegelweiher GmbH“ Geld verdient: durch Trauungen, Hochzeitsfeiern, Weihnachtsmarkt, den Betrieb des Schlosscafés, wie auch das Lichterfest. Von solchen Möglichkeiten können viele private Schlossbesitzer bislang nur träumen.