Unfall am Flughafen: Millionenklagen um Jet in der Wiese

Unfall am Flughafen: Millionenklagen um Jet in der Wiese

Ist der Bremsweg eines Flugzeugs länger als die Landebahn, kommt es zum Unfall. Auf Millionenhöhe addieren sich inzwischen die Schadensersatzforderungen des Flughafens und der Flugsicherung, nachdem im Januar 2005 ein Fracht-Jumbo der amerikanischen Atlas Air bei Schneetreiben über die Düsseldorfer Landebahn hinausgeschossen und in der Wiese gelandet war.

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p class="text">Seit gestern dröselt eine weitere Kammer des Landgerichts den damaligen Vorfall auf. Denn jetzt fordert nicht nur der Flughafen (vor der 15.Zivilkammer) rund 80.0000 Euro für die Bergung des gestrandetes Jets und als Schadensersatz. Nun drängt in einem Parallelverfahren vor der 9.Zivilkammer auch die Flugsicherung auf Schadensersatz für ihre geköpften Antennenmasten.

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p class="text">Eine massive Vollbremsung, ein trotzdem weiter schlidderndes Flugzeug, etliche gekürzte Antennenmasten sowie andere umgeknickte Masten, an denen die Technik für das automatische Lande-System befestigt war: Gespentisch war die Szene an jenem Januarmorgen 2005, als sich der schwer beladene Fracht-Jumbo vom Typ Boeing 747 von Dubai kommend mit 70 Tonnen Ladung (Textilien und Elektronikteile) mit dem Fahrwerk in die Düsseldorfer Flughafenwiese grub, wo er mit zwei brennenden Triebwerken flügellahm liegen blieb. Verletzt wurde damals niemand.

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p class="text">Doch für die Airline wurde es ein teurer Ausrutscher: 800 Euro Parkkosten für jeden Tag wurden fällig, bis die Maschine nach 14 Monaten das Flughafen-Gelände wieder verlassen hatte - in Einzelteile zerlegt und fertig zum Recyceln. Doch als der Flughafen danach noch 800000 Euro für Bergungskosten und als Schadensersatz einforderte, stellte sich die Airline quer. Angeblich habe der Tower den Piloten falsche Angaben über den Zustand der Landebahn gemacht, habe den Ausrutscher in die Wiese dadurch erst verschuldet.

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p class="text">Doch als gestern auch die Flugsicherung ihre Klage über rund 200000 Euro für die umgesäbelten Antennenmasten vorlegte, betonte ein Anwalt des Flughafens: Ein Messwagen habe zehn Minuten vor der Atlas-Air-Schlidderlandung just jene Landebahn kontrolliert. Und Eisbildung sei damals nicht festgestellt worden. Eine endgültige Klärung der Schuldfrage steht noch aus. Denn der Abschlussbericht der Braunschweiger "Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen" liegt bisher nicht vor. Also ist auch bei diesem zweiten Prozess nicht mit einem schnellen Ende zu rechnen.

Millionenschaden entstand 2005 beim Ausrutscher eines Fracht-Jumbos in die Flughafen-Wiese. Gestern begann ein weiterer Prozess. RP-FOTO: andreas bretz

(RP)
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