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Falschparker können Leben gefährden: Millimeterarbeit für die Rettungsfahrzeuge

Falschparker können Leben gefährden : Millimeterarbeit für die Rettungsfahrzeuge

Düsseldorf (dto). Wegen eines implodierten Fernsehers wurde die Feuerwehr Ende November in Oberkassel zur Brend'amourstraße gerufen. Der Wille zu helfen war da, doch der Weg zum Einsatzort gestaltete sich schwierig. Die Zufahrtsstraßen waren schlichtweg zugeparkt. "Um das Leben der 75-jährigen Frau zu retten, musste das erste Löschfahrzeug ein parkendes Auto beschädigen, weil anders kein Durchkommen war", erklärt Feuerwehrsprecher Heinz Engels. Das kostete wertvolle Zeit und Geld. Kein Einzelfall, wie Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt am Donnerstag in Oberkassel bei einer Tour im Löschzug demonstrierten.

Für die Feuerwehrleute bedeutet eine solche Situation puren Stress. Die Fahrer müssen Millimeterarbeit leisten, um durch die Engpässe zu steuern, schleppen manchmal kurzerhand selbst ein im Wege stehendes Fahrzeug zur Seite. Der Aufbau der die zur Rettung von Menschen aus oberen Etagen bei Wohnungsbränden notwendig sind, gestaltet sich schwierig. "Menschen rufen um Hilfe, es knallt und kracht, aber die Wege sind zu", beschreibt Engels die Situation für die Helfer, die eigentlich in acht bis neun Minuten am Unglücksort eintreffen sollen. Für verzweifelte Menschen die auf Rettung warten, dehnen sich die Minuten zu einer Ewigkeit.

Besonders in Wohngebieten sind die Falschparker ein Dauerproblem. Parkplatzknappheit verleitet viele dazu, sich über Verkehrregeln hinwegzusetzen und in zweiter Reihe oder im Halteverbot zu parken. In engen Straßen wie Salierstraße, Drakeplatz oder Siegfriedstraße komme es schon mal zu Lackkratzern, demolierten Kotflügeln und kaputten Spiegeln, weiß Engels zu berichten. Auch Kurven sind für die zehn Meter langen und rund 2,50 Meter breiten Feuerwehrfahrzeuge ein permanentes Problem. 250 kleine Unfälle ereignen sich jedes Jahr bei Einsätzen. "Rund 150 Mal pro Jahr wird ein Feuerwehreinsatz durch Falschparker behindert", bilanziert Engels.

Die meisten Autofahrer seien einfach rücksichts- oder gedankenlos, erklärt Norbert Preiwuß Leiter der Verkehrsüberwachung des Ordnungsamtes: "Sie vergessen, dass die großen Fahrzeuge auch mehr Bewegungsraum brauchen." Die Zahlen des Ordnungsamtes sprechen eine deutliche Sprache: Mehr als 200.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren werden pro Jahr wegen Zuparken von Feuerwehrzufahrten, Halten im Haltverbot, Zweite-Reihe-Parken und Halten im Fünf-Meter-Raum um Kreuzungen eingeleitet. 3.186 Mal rückten Abschleppwagen im Zusammenhang mit Feuerwehreinsätzen aus. Das dauert 15 bis 20 Minuten und kann Leben gefährden und schlägt außerdem mit rund 200 Euro zu Buche.

Abhilfe schaffen könnten Tiefgaragen. Die waren in Oberkassel auch geplant, berichtet Felicitas Gehrke vom Düsseldorfer Verkehrsmanagement. Unter dem Salierplatz sollten zusätzliche Parkplätze entstehen, doch 95 Prozent der Anwohner votierten aus Angst vor zusätzlicher Lärmbelastung dagegen. Angesichts eines Trends zum Drittauto bleibt offenbar nur noch der Appell an die Anwohner. "500 Meter Fußweg zum Parkplatz müssen schon verkraftet werden", fordert Wolfgang Lorenz von der Polizeiwache Oberkassel.